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Physik

Massenuni, Massenfach, plumps

Erfahrungsbericht von Franck , 17.02.2016
Alter (bei Studienbeginn): 18 bis 20 Jahre
Zum Zeitpunkt des Berichts 1 Fachsemester studiert
Beginn des Studiums: Schon etwas her (2015), studierte noch bei Abgabe des Berichts

Bitte immer daran denken: Erfahrungsberichte sind subjektive Schilderungen – ob die Aussagen für Euch in gleicher Weise zutreffen, solltet Ihr gut prüfen und die Situation berücksichtigen, in der die/der SchreiberIn war. Achtet auch darauf, ob und wann das Studium abgeschlossen wurde – vielleicht hat sich in der Zwischenzeit schon etwas geändert.

Studieninhalt

Im ersten Semester (mit dem ich gerade fertig bin) werden Experimentalphysik (Mechanik), Mathematik für Physiker und ein Grundlagenmodul zu EDV angeboten. Ferner ist ein Wahlfach zu belegen. Experimentalphysik besucht man in jedem der sechs Semester, Theoretische Physik ab dem 2. Semester. Mathematik hat man nur in den ersten drei Semestern. Zudem wird ab dem 2. Semester ein Laborpraktikum zu den Experimentalphysik-Vorlesungen angeboten. Abgesehen vom Wahlfach in den ersten beiden Semestern und der physikalischen Vertiefung im 5. und 6. gibt es also fast keine Wahlfreiheit - das gesamte Studium besteht aus Grundlagenmodulen. Das bereitet zwar wohl gut auf die Grundlagenforschung vor, das eigentliche Hauptbetätigungsfeld eines Physikers, jedoch fehlt sowohl in den einzelnen Modulen als auch im Studium als Ganzem ein fachlich interdisziplinärer Blick. Die Inhalte der einzelnen Veranstaltungen sind wahnsinnig komplex und tiefgreifend, ohne allerdings die nötige Breite zu vermitteln. Auch in der Experimentalphysik ist der Zugang enttäuschenderweise ziemlich oft rein mathematisch, die Phänomenologie ist nur sehr selten und oberflächlich Bestandteil des Lehrplans. Die Vorlesungen der Mathematik haben inhaltlich und methodisch eine völlig andere Struktur als in der Schule, was mir als analytisch denkenden Menschen sehr entgegenkommt; Beweise können sehr interessant sein, leider wird einem kaum beigebracht, wie man einen Beweis korrekt führt. In der Mathematik wird streng auf den mathematischen Formalismus geachtet, was auch gut so ist; erschreckenderweise geht man in der Experimentalphysik genau so pingelig vor. Alles in allem ist das Studium der Physik ein Traum für jemanden, dessen Zugang mathematisch ist und ein ausgezeichnetes mathematisches Denkmuster vorweist. Für Leute, die über die Phänomenologie in die Physik gekommen sind, ist dringend vom Studium abzuraten.

Betreuung und Lehre

Physik ist in Bonn ein Massenfach. Dementsprechend schwierig sind Dozenten zu erreichen. Desweiteren spürt man die Lustlosigkeit mancher Dozenten (und Tutoren!!!), die Lehre nur als notwendiges Übel ansehen. Die didaktische Leistung ist nicht immer wirklich gut. Über die Pflichtveranstaltungen hinaus gibt es fast keine Zusatzangebote (Tutorien, Seminare etc.) Lediglich Vorlesungen und Übungen werden abgehalten. Dozenten gehen meist nur ungern auf Fragen ein, häufig wird vom Skript abgelesen. Dozenten und Tutoren zeigen häufig eine gewisse Arroganz und elitären Dünkel.

Ausstattung

Die Ausstattung in der Physik ist nicht unbedingt modern, die Gebäude und Räume sind teilweise hässlich und heruntergekommenen. Die Bibliothek bietet das was man braucht, nicht mehr und nicht weniger. Wissenschaftliche Gerätschaften allerdings sind topmodern und auf Spitzenforschung ausgelegt (ELSA als größter universitärer Teilchenbeschleuniger Europas und sogar älter als CERN). Allerdings merkt man davon wohl erst bei der Promotion etwas.

Organisation

Der Aufwand für Nachbereitung und Übungszettel steht in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Präsenzzeit an der Uni. Stundenplan ist sehr starr und oft vorgegeben, flexible Gestaltung fast nicht möglich. In Regelstudienzeit werden es wohl nur wenige schaffen. Generell ist die Uni und auch die Fachschaft ziemlich unorganisiert, Kennenlernangebote, die nichts mit Alkohol zu tun haben, gab es kaum. Weitere Angebote der Hochschule gibt es ebenfalls kaum. Hier merkt man dann, dass es eine Massenuni und ein Massenfach ist.

Berufsorientierung

Studium sehr international, Berufsorientierungsangebot für jedes Semester grundsätzlich vorhanden, Praxisbezug abgesehen von Experimentalphysik-Pflichtpraktika gleich null.


Hochschule und Hochschulleben: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Man kann sich durchaus wohlfühlen ;)

Campusatmosphäre

Die Uni Bonn ist keine typische Campus-Uni, es gibt aber in der ganzen Stadt kleinere Campi, in denen verwandte Fachbereiche nebeneinander untergebracht sind. Die Physik befindet sich in Poppelsdorf, zusammen mit dem Großteil der anderen NaWis. Daher kommt nicht wirklich Campusatmosphäre auf, dafür ist die Uni super in die Stadt integriert. Und außer der Physik haben alle Fachbereiche wunderschöne Gebäude ;(

Mensa

Da sich die Mensa Poppelsdorf momentan im Umbau befindet, muss man sich nun mit einem Zelt begnügen. Die Atmosphäre ist entsprechend ungemütlich. Das Essen schmeckt aber und ist preiswert.


Stadt und Umland: Bonn

Eine der schönsten und sympathischsten Städte D`s

Atmosphäre

Bonn ist als Stadt traumhaft. Die rheinische Mentalität, das Umland (Rhein, Venusberg, Kottenforst, Siebengebirge), das Stadtbild (Gründerzeitviertel, Bonner Münster, superschönes Zentrum mit Friedensplatz, Münsterplatz und Hofgarten). Wirkt zwar alles etwas kleinstädtisch, aber gerade deswegen eine super Wohlfühlatmosphäre. Unbedingt zu empfehlen sind Nordstadt, Zentrum, Poppelsdorf und Südstadt. Endenich und Castell sind auch sehr schön und sehr grün. Die Party-Hochburg ist Bonn nicht, aber das ist ok so. Und wenn nicht, sind Köln und Düsseldorf nicht weit.

Lebenshaltungskosten

Bonn ist sehr, sehr teuer, gerade die zentrumsnahen Stadtteile. Recht günstig sind immer noch die Studiwohnheime, die haben aber nur geringe freie Kapazitäten. Bad Godesberg und Beuel sind da günstiger, aber auch weiter weg von der Uni.

(Neben-)Jobmöglichkeiten

Nebenjobs findet man über die Jobbörse des Studentenwerks. Viele Angebote drehen sich um Nachhilfe. Aber auch in der Logistik findet man gute Nebenjobs. Man muss nur aufpassen, dass sie auf 400€ Basis sind, das ist nicht immer der Fall.





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