20.11.2008

Umstritten
Früherer Semesterbeginn ab WiSe 2011/2012 geplant

Die Hochschulrektorenkonferenz will den Semesterbeginn an Universitäten vorverlegen. International sei ein Vorlesungsbeginn im September bzw. März Standard, daher sollen auch die deutschen Universitäten sich diesem Rhythmus anpassen. Inzwischen wird von ProfessorInnenseite aber auch Kritik an diesem Plan laut. Für Studierende dagegen dürfte die Umstellung durchaus sinnvoll sein. Allerdings ist noch offen, ob für StudienbewerberInnen und AbiturientInnen die Umstellung vernünftig geregelt werden wird oder diese größere Nachteile haben werden.

Für Studierende, die jeweils ein volles Semester (oder gar Jahr) ins Ausland gehen wollen, sind ähnliche Vorlesungszeiten sicherlich ein Vorteil. Andernfalls kommt es zu Überschneidungen oder Leerlauf. Das hatte wohl auch die Uni Mannheim im Blick, als sie bereits 2006 auf Herbst- und Frühjahrssemester umstellte. Semesterbeginn ist dort bereits August bzw. Februar, Vorlesungsbeginn Anfang September bzw. Mitte Februar.

Probleme hat die Umstellung in Mannheim vor allem deswegen gemacht, weil die anderen Hochschulen in Deutschland eben nicht mitgezogen sind und Wechsel von und zu anderen Hochschulen in Deutschland dadurch erschwert wurden. Auch die Auswahl der Studierenden wurde für die Uni Mannheim schwieriger, da sie trotzdem – wie alle anderen deutschen Hochschulen – den Bewerbungsschluss 15.7. beibehielt.

An den meisten Fachhochschulen beginnen dagegen schon heute die Semester früher. Da durch die Umstellung auf Bachelor- und Master auch zwischen den Hochschularten mehr Wechsel zu erwarten sind, wäre das sogar auch ein Argument dafür, auch die Anfangszeiten an Universitäten und anderen Hochschulen anzupassen. Wechsel würden so in der Regel vereinfacht, Überschneidungen oder Leerlauf vermieden.

Abitur vorverlegen oder mehr Stress bei Auswahlverfahren?

Ursprünglich sollte die Vorverlegung der Semester schon im Wintersemester 2010/2011 starten. Das wurde aber inzwischen aufgegeben, zur Zeit heißt es, Ziel sei die Umstellung zum WiSe 2011/2012. Offenbar wollen einige Bundesländer tatsächlich das Abitur vorverlegen, damit die Zeit für die Bewerbung und für die Vorbereitungen für den Studienstart (Immatrikulation, Wohnungssuche etc.) nicht zu knapp wird.

Wo das Abitur vorverlegt wird, mag dieses Problem zwar geringer werden. Dafür dürfte aber der Stoff an der Schule selbst weiter verdichtet werden. Was wiederum zu anderen Problemen führen könnte.

Die Frage ist, ob die Zeitnot nicht auch durch möglichst einfache und zentrale Auswahlverfahren verkürzt werden könnte. Oder ganz auf Auswahlverfahren verzichtet werden kann. Was allerdings in einigen Fachbereichen deutlich mehr Studienplätze erfordern würde – die trotz aller Ankündigungen, man wolle mehr Studierende, wohl auch in Zukunft nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen werden.

Kurzzeitiger Austausch erschwert?

Die »Aktion Semesterzeiten«, die seit kurzem gegen die Vorverlegung der Semester mobilisiert, führt allerdings mit Recht noch einen anderen Aspekt auf. Für den wissenschaftlichen Austausch auf kürzerer zeitlicher Basis sind die verschiedenen Semesterzeiten in Deutschland und um Ausland sogar von Vorteil.

Im Aufruf der genannten Aktion wird ausgeführt: "So können deutsche Wissenschaftler im März und September zu Gastaufenthalten etwa in die USA, nach England oder Frankreich reisen, ohne ihre Lehrverpflichtungen zu Hause zu be einträch tigen. Umgekehrt kom men Professoren und Doktoranden aus diesen Ländern vorzugs weise im Juni oder Juli nach Deutschland, d.h. in ihrer eigenen vorlesungsfreien Zeit, halten hier Gastseminare ab oder partizipieren auf andere Weise am akademischen Leben."

Dieses Argument lässt sich allerdings auch umkehren: Bei den unterschiedlichen Semesteranfangszeiten sind wirklich nur kurze Austausche einfacher, geht es um einen Austausch für ein Semester, haben WissenschafterInnen dasselbe Problem wie Studierende.

Umstellungschaos?

Noch sieht es so aus, dass die Umstellung kommen wird. Sie hat für Studierende wahrscheinlich durchaus Vorteile. Bleibt nur zu hoffen, dass die Umstellung nicht dazu führt, dass SchülerInnen beim Abitur stärker unter Druck geraten. Ebenso wird entscheidend sein, wie viele Auswahlverfahren noch nötig sein werden und wie diese organisiert werden, damit die Studienplatzvergabe sich nicht zu weit nach hinten verschiebt. Die Erfahrungen der letzten Jahre bei Umstellungen dieser Art stimmen leider nicht unbedingt zuversichtlich.

Quellen und Hintergründe


Kommentare zu diesem Artikel

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1. der_marholder kommentierte am 20.11.2008 um 18:24:03 Uhr

sicherlich liegen die vorteile auf der hand,...

... aber man müsste die umstellung auch im rahmen anderer abläufe abstimmen. zum beispiel werden grundwehrdienstleistende (neun monate dienstzeit ) stets zum quartalsbeginn/-ende einberufen/entlassen.

so konnte ich meine einberufung und entlassung so anpassen, dass ich nahtlos am 30.9. entlassen wurde und am 1.10. mein studium aufnehmen konnte. angenommen, diese umstellung greift, dann muss man als "frischer" abiturient zusehen, dass man spätestens im oktober des letzten schuljahres eingezogen wird, um rechtzeitig ein jahr später ein studium aufnehemen zu können! das kann aber nicht immer gewährleistet werden. so entstünden für die betroffenen entscheidene nachteile.







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