29.03.2007

Was ist eigentlich
Die Fachschaft

An Eurer Fakultät gab es eine Party und auf den Werbeplakaten stand, diese sei "von der Fachschaft" organisiert? Bei Problemen mit dem Studium, sagt man Dir, wendest Du Dich am besten an diese oder das Studierendensekretariat? Aber was ist das eigentlich, eine "Fachschaft"? Studis Online weiß Rat.

Von Jens Wernicke und Konstantin Bender

Eine Fachschaft, das ist eigentlich die Gesamtheit aller Studierenden eines Faches. Du gehörst also zu allen Fachschaften der Fächer, die du studierst. Umgangssprachlich ist mit "die Fachschaft" in der Regel aber der so genannte Fachschaftsrat gemeint.

Dieser wird – wie alle Fachschaftsräte – von und aus den Studierenden eines Faches demokratisch entweder auf einer Vollversammlung oder aber mittels Urnenwahl gewählt. Er ist auf Ebene des Faches das, was der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) oder Studierendenrat (StuRa) auf eben der Hochschule ist: Der Fachschaftsrat ist die studentische Interessenvertretung der Studierenden nur eines Faches. Ihr dürft ihn wählen, Euch aber auch "in ihn" hineinwählen lassen.

Ganz konkrete Hilfe von KommilitonInnen

Im Gegensatz zu den Mitgliedern im AStA oder StuRa kennen die Mitglieder des Fachschaftsrates Eure konkreten Probleme meist sehr genau; sie studieren ja auch das gleiche wie Ihr. Als Mitglied im Fachschaftsrat kümmert ihr euch um die satzungsgemäße Vertretung der Interessen der Studierenden Eures Faches. In der Regel gehören hierzu: die Vertretung der studentischen Interessen gegenüber dem Institut oder der Fakultät; die Mitwirkung bei der Gestaltung der Studienordnungen; Hilfe bei den Klausurenvorbereitungen etc. pp.

Viele Fachschaften bieten bspw. ganz konkrete Sammlungen von Probeklausuren und Klausuren sowie dazugehörenden Lernunterlagen als Kopiervorlagen aus den Vorjahren an, was eine sehr praktische Hilfe darstellt. Fachschaftsräte sind aber auch bei der Gestaltung des kulturellen Lebens und beim Studieneinstieg ganz vorn mit dabei: Oft organisieren sie Feiern oder Informationsveranstaltungen für die Studierenden, in einigen Fällen sogar Weiterbildungen oder Exkursionen, die fachrelevant sind; viele Fachschaftsräte organisieren "Einführungswochen" für die Neustudierenden und vieles mehr.

Finanzautonomie und bundesweite Aktion

Ihr Budget hierzu erhalten sie hierbei (zumindest in allen Bundesländern, wo es eine Verfasste Studierendenschaft gibt) mittels Umlage aus den Semesterbeiträgen; diese wird dem Fachschaftsrat durch den AStA oder StuRa zur Verfügung gestellt. Der Fachschaftsrat verfügt aufgrund eigener Finanzen also durchaus über einen eigenen Gestaltungsspielraum, was seine "Politik" und Hilfe für Euch angeht.

An vielen Hochschulen vereinen sich die Fachschaften schließlich in einem zentralen Gremium; in der Regel dem "Zentralen Fachschaftenrat". Dieser besteht aus allen Fachschaftsräten der Universität. Und wie sich auch Euer AStA oder StuRa auf höheren Ebenen (beispielsweise im fzs) "vernetzt", tut dies auch Euer Fachschaftsrat. Etwa zweimal jährlich finden – je nach Fach und in diesem anzutreffenden Engagement – Treffen der so genannten Bundesfachschaftentagungen statt.

Gute Erfahrungen sammeln

Eine aktive Mitarbeit in der eigenen Fachschaft stellt dabei in den allermeisten Fällen eine wirkliche Bereicherung dar. Es wird viel diskutiert und organisiert, vor allem aber, und das ist ein wichtiger Unterschied zu der Arbeit etwa im "Studierendenparlament": direkter an den sich ergebenden Problemlagen im eigenen Studienfach, eben der eigenen Lebensrealität gefeilt.

Gut abgesprochen und vorbereite hat es schon so mancher Fachschaftsrat geschafft, in den Hochschulgremien maßgeblichen Einfluss auf neu entstehende Prüfungsordnungen zu nehmen, Kommilitonen zu helfen, BAföG zu erhalten und vieles mehr.

Ganz abgesehen davon, so berichten Altfachschaftler in Foren im Netz, erhält man dank der Arbeit im Fachschaftsrat einen "gewaltigen Informationsvorsprung" und hat jede Menge Spaß. Macht man die Arbeit länger und gut, erhält man zudem eine Verlängerung der BAföG-Förderungsdauer um bis zu zwei "Gremiensemester". Dies hängt jedoch von den konkreten Regelungen an den Hochschulen ab.

Zu wenig Mitbestimmung und zu wenig mitbestimmt

Leider mangelt es vielen Fachschaftsräten an neuen Leuten und Engagement. Gerade bezüglich der Einführung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge, welche die Arbeitsbelastung der Studierenden um einiges erhöhen, ist dies zwar verständlich – aber auch schade. Denn: Gerade der Fachschaftsrat könnte Einfluss darauf nehmen, dass Prüfungen, die einfach "zu viel" und von niemandem zu schaffen sind, abgeschafft oder vereinfacht werden. Etwas, das leider zu selten geschieht.

Generell kann man konstatieren: Sehr viele Möglichkeiten der Mitbestimmung hat die studentische Selbstverwaltung an den Hochschulen und in den Hochschulgremien zwar nicht; viele der vorhandenen Möglichkeiten werden jedoch oft auch, was schade ist, gar nicht genutzt.

Also: Bringt Euch mit ein, denn nur Ihr könnt wissen, was für Euch getan werden muss; und nur mittels Eures Engagements werden neue Prüfungs- und Studienordnungen auch so gestaltet werden, dass das Studium erkenntnisreich und keine Überforderung ist. Diese Möglichkeit zu nutzen, ist Euer gutes - und selten voll ausgenutztes - Recht. Denn nichts soll über Euch ohne Euch entschieden werden. Und Spass macht es außerdem



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