Studium
Soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden in Europa (Teil 2)
Die Anteile staatlicher Unterstützung der Studierenden sind in Europa sehr unterschiedlich. In einigen Ländern wird noch stark bei den Eltern gewohnt, in anderen ist der Anteil von Wohnheimplätzen sehr hoch. Einige interessante Daten zur finanziellen Lage und der Wohnsituation haben wir in diesem Teil zur Eurostudent 2005-Studie zusammengetragen.| Eurostudent 2005 Betrachtet werden im Bericht Eurostudent 2005 elf Länder der EU (Österreich, Deutschland, Spanien, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Niederlande, Portugal und Großbritannien [nur England und Wales]). Die Daten zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden in den einzelnen Ländern wurden von Hochschulen und staatlichen Institutionen erhoben und vom Hochschul Informations System (HIS) zusammengestellt. Finanziert wurde die Studie vom Bundesbildungsministerium und dem Socrates Programm der EU. Für jedes Land liegt auch ein eigene, ausführlichere Auswertung vor. HIS-Webseite zur Studie mit Download-Möglichkeiten. |
Dass es in Europa noch sehr unterschiedliche Traditionen gibt, wie lange junge Menschen zu Hause wohnen, zeigt auch die Art der Unterbringung der Studierenden. Während in Österreich (67%), Deutschland (65%), Finnland (64%) und Irland (59%) die deutliche Mehrheit in einer eigenen Wohnung oder WG wohnen, ist in Italien (76%), Spanien (69%) und Portugal (55%) das elterliche Zuhause auch der Wohnort während des Studiums. Studentenwohnheime sind in Deutschland für immerhin 12% der Studierende der gewöhnliche Aufenthalt während des Studiums. Für Studierende in den Niederlanden (32%), Finnland (31%), Großbritannien (29%) und Lettland (23%) ist es dagegen eine häufigere Wohnform, ein Studentenwohnheim zu wählen. Kaum verbreitet sind Wohnheime dagegen in Italien (2%), Portugal (4%) und Irland (6%).

* Großbritannien ohne Schottland und Nordirland
... und wieviel sie für die Unterbringung zahlen
Ganz allgemein ist die Unterbringung in Wohnheimen günstiger, als in einer eigenen Wohnung oder WG - mit zwei Ausnahmen, die allgemein sehr teuer sind. In Irland zahlen Studierende im Schnitt mit 427 Euro für ein Wohnheimplatz mehr als für eine Wohnung/WG-Zimmer (386 Euro), ebenso in Spanien (287 Euro für Wohnheim, 224 Euro für Wohnung/WG-Zimmer). Wohnheim-Plätze in Deutschland sind mit im Schnitt 180 Euro im Europa-Vergleich vergleichsweise billig - in fast allen betrachteten Ländern ist es teurer (z.B. Spanien 287 Euro, Niederlande 268 Euro, Finnland 264 Euro). Günstiger in Wohnheimen kann man nur in Portugal (154 Euro) und - wenig verwunderlich - Lettland (20 Euro) wohnen.
Selbst die eigene Wohnung, das eigene WG-Zimmer ist in Deutschland nicht überaus teuer. Irland (386 Euro), Niederlande (366 Euro), Finnland und Frankreich (je 356 Euro) sind um die 100 Euro teurer, aber selbst in Portugal (304 Euro) und Österreich (282 Euro) muss man mit mehr Ausgaben rechnen. Die hohen Preise in den kleineren Ländern liegen aber auch daran, dass sich dort die Hochschulen in den Großstädten konzentrieren, in denen die Mietpreise hoch sind. In Deutschland mitteln sich hohe Mieten in Städten wie München oder Frankfurt mit sehr günstigen Mieten in Kleinstädten vor allem im Osten.
Finanzielle Situation
Hier sind europaweite Vergleiche sehr schwierig. Die Studie präsentiert zwar diverse Werte, wieviel Geld Studierende zur Verfügung haben, allerdings muss davon zum Teil auch Studiengebühren bezahlt werden. Dazu kommen die Kaufkraftunterschiede. Wir betrachten daher nur die prozentualen Anteile der Einkommensquellen bei Studierenden mit eigenem Haushalt (Wohnung, WG, Studentenwohnheim).
So ist auffällig, dass in Deutschland 51% des zur Verfügung stehenden Geldes von der Familie bzw. dem/der PartnerIn des Studierenden stammt. Nur in Portugal ist dieser Anteil mit 70% höher, überall sonst niedriger. In Finnland ist der "Familien-Anteil" am geringsten: Nur 11%. Aber auch in Großbritannien (26%), Irland und den Niederlanden (je 28%) kommt weniger als ein Drittel des Geldes aus der Familie.
Dass Studierende neben dem Studium jobben (müssen), ist ein Europa-weites Phänomen. In Deutschland kommt 27% des Geldes aus dieser Quelle, in den meisten anderen Länder sogar noch mehr (Irland 57%, Finnland 52%, Spanien 45%, Österreich und Lettland je 44%). Nur in Portugal (21%) und Großbritannien (17%) ist Jobben eine geringere Einkommensquelle.
Der Anteil der staatlichen Unterstützung ist ebenfalls sehr unterschiedlich. In Großbritannien sind es 52% - allerdings müssen davon auch Studiengebühren getragen werden. Finnland (30%), Frankreich (29%) und die Niederlande (27%) tragen mit staatlichen Zuschüssen immerhin fast ein Drittel des studentischen Budgets. Deutschland fällt mit nur 13% dann schon etwas ab. Aber auch in Irland (11%), Österreich (9%), Portugal und Spanien (je 8%) ist der Staat nicht stark engagiert, am wenigsten in Lettland (4%).
Wohnen die Studierenden noch zu Hause, ist der porzentuale Anteil der Unterstützung durch die Eltern meist geringer (wobei geldwerte Leistungen wie das Wohnen bei den Eltern nicht gezählt werden - es geht nur um "Cash"). Dafür steigt fast überall der Anteil des Einkommens durch Jobben.

* Großbritannien ohne Schottland und Nordirland
Hinweis: Grafik bezieht sich auf Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen!
Wieviele Studierende bekommen wieviel staatliche Unterstützung?
Durchschnittswerte verdecken zwar auch einiges, aber immerhin geben sie einen Eindruck (zusammen mit dem Anteil der Unterstützung, die als Zuschuss gewährt wird), wieviel der Staat gewillt ist, in Studierende zu investieren. In Großbritannien (möglicherweise auch in anderen Ländern) fließt ein Teil der Unterstützung aber direkt an die Hochschulen - dient also nicht zum Lebensunterhalt.
Finnland ist eindeutig führend. 71% der Studierenden bekommen staatliche Unterstützung und diese beträgt dann im Schnitt 427 Euro. Großbritannien unterstützt sogar noch mehr Studierende, nämlich 85% und diese dann mit im Schnitt 694 Euro - aber davon sind auch nicht unbeträchtliche Studiengebühren zu zahlen (die es in Finnland nicht gibt).
In Deutschland erhalten nur 23% der betrachteten Studierenden eine staatliche Unterstützung - im Schnitt 352 Euro. Nebenbei bemerkt zeigt sich hier, dass Grundlage der Auswertung Befragungen von Studierenden sind. Denn eigentlich ist die Gefördertenquote (Zahl der BAföG-EmpfängerInnen / Zahl der Studierenden) in Deutschland sogar geringer. Allerdings dürfte es ähnliche Effekte auch in den anderen Ländern gegeben haben, die hoffentlich keine zusätzliche Verzerrung bringen.
Einen hohen Anteil an staatlich unterstützten Studierenden haben noch die Niederlande (62%) mit im Schnitt 342 Euro monatlich und Frankreich (53%) mit monatlich 278 Euro. Selbst Irland gibt 31% der Studierenden im Schnitt 317 Euro monatlich. Und Österreich unterstützt immerhin 27% mit im Schnitt je 343 Euro.
In Österreich und Irland ist die Unterstützung zu 100% ein Zuschuss (es muss also nichts zurückgezahlt werden), in Finnland muss 34% zurückgezahlt werden, in den Niederlanden 40%, für Frankreich liegt dazu keine Information vor. Laut der Studie planen allerdings "einige" Länder die Einführung von oder Erhöhung der Darlehensanteile.
Im ersten Teil des Artikels zur Eurostudent 2005-Studie geht es um die Zusammensetzung der Studierenden (Alter, soziale Herkunft, Frauenanteil), Studiendauer und Teilzeitstudium. Lest selbst ...
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