Studienanfängerquote
Studierendenzahlen gehen deutlich zurück - auch wegen Studiengebühren
Die Debatten um Studiengebühren haben möglicherweise schon Auswirkungen. Erstmals seit der Wiedervereinigung ist die Studienanfängerquote gesunken. 37,3% des aktuell betrachteten Jahrgangs nehmen ein Studium auf - im letzten Jahr waren es noch 38,9%. Zum abflauenden "Nachschub" an Studierenden kamen noch drastisch sinkende Studierendenzahlen in NRW (-16%) und Hessen (-14%). Beide Länder hatten zum Sommersemester 2004 Langzeitstudiengebühren eingeführt.Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Studienanfängerquote in Deutschland sowieso schon gering: In Neuseeland studieren 76 Prozent eines Jahrgangs, in Finnland 72 und in Schweden über 69 Prozent. Natürlich darf man die unterschiedlichen Bildungssysteme nicht nur über solche Zahlen vergleichen (die duale Ausbildung, also Lehre im Verbund Betrieb/Berufsschule ist z.B. in Deutschland sehr stark und wird auch vom Ausland anerkannt), trotzdem zeigt das einen Nachholbedarf.
Statt jedoch mehr junge Menschen für ein Studium zu motivieren, scheint aktuell die Studierneigung eher zu sinken. Ein Faktor mag die verunsichernde Diskussion um Studiengebühren sein. Auch die Verwirrungen um die Einführung von Bachelor und Master und das stagnierende BAföG und der BAföG-Datenabgleich dürften ein übriges tun.
Studis Online findet trotzdem: Studieren lohnt!
Entwicklung einzelner Studienbereiche
Bei Informatik hält der Negativtrend an: In diesem Jahr schrieben sich mit 28.600 ca. 12% weniger Studierende als noch im Vorjahr für ein Fachstudium in diesem Bereich ein. Interessant ist dabei, dass an Universitäten 19,5% weniger Männer, jedoch nur 5,9% weniger Frauen ein Studium aufnahmen. Bei Fachhochschulen dagegen sinkt das Interesse bei Frauen um 10,9%, bei Männern dagegen nur um 4,8%.
Bei Bauingenieurwesen ist der Rückgang noch etwas stärker: 8.300 Einschreibung, rund 13% weniger als im Vorjahr. Bei Elektrotechnik geht es um 10% auf 17.100 Einschreibungen herunter.
Auch das Interesse an Maschinenbau/Verfahrenstechnik sinkt: 8% weniger Einschreibungen sind zu verzeichnen. Nachdem seit 1998 die Zahl der StudienanfängerInnen jährlich wuchs, ist 2004 mit absolut 33.900 wieder ein Rückgang festzustellen. Der Frauenanteil in diesem Fachbereich ist mit 16% sowieso schon gering - sinkt jetzt aber noch weiter. Denn bei den Männern sank die Studienanfängerquote nur um 4,2%, bei Frauen jedoch um drastische 22,7%.
| Zeitraum | Studierende | StudienanfängerInnen | StudienanfängerInnenquote |
| 1993 | 1.867.645 | 279.631 | 25,5% |
| 1994 | 1.872.490 | 267.946 | 25,9% |
| 1995 | 1.857.906 | 262.407 | 26,8% |
| 1996 | 1.838.099 | 267.469 | 28,1% |
| 1997 | 1.824.107 | 267.445 | 28,5% |
| 1998 | 1.801.233 | 272.473 | 29,2% |
| 1999 | 1.773.956 | 291.447 | 31,3% |
| 2000 | 1.799.338 | 314.956 | 33,5% |
| 2001 | 1.868.666 | 344.830 | 36,1% |
| 2002 | 1.939.233 | 358.946 | 37,1% |
| 2003 | 2.019.831 | 377.504 | 38,9% |
| 2004 | 1.966.243 | 356.310 | 37,3% |
Hinweise
2004: Vorläufige Ergebnisse
Quelle:
Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung
Rückblick
In den Vorjahren jagte noch ein Rekord den anderen:
- 2003: Erstmals über zwei Millionen Studierende
- 2002: Höchststand bei Studierendenzahlen
- 2000: Zahl der StudienanfängerInnen dieses Jahr stark gestiegen
Weitere Hintergrundmaterialien
- Derzeit 3% weniger Studierende als im vorigen Wintersemester (Presseerklärung Statistisches Bundesamt, 29.11.2004)
Alte Studierendenprognose grob falsch
Ups! Da ist wohl etwas schiefgelaufen. Mit ihren Voraussagen zur Entwicklung der Studierendenzahlen lag die Politik voll daneben. Nach Neuberechnungen der Kultusminister nehmen in den kommenden Jahren Hunderttausende mehr junge Menschen ein Studium auf als bisher angenommen. Damit gehört auch die Finanzausstattung der Hochschulen auf den Prüfstand. Für die kommenden Jahre drohen Milliardenlöcher.
Papiertiger Zivilklausel
Ist die "Zivilklausel" der Universität Bremen nur Etikettenschwindel? Möglicherweise hat die Hochschule gleich mehrfach gegen die Selbstverpflichtung verstoßen, nicht für militärische Zwecke zu forschen. Das Rektorat will prüfen lassen, ob in der Vergangenheit über Umwege an einem Projekt für das deutsche Verteidigungsministerium gearbeitet wurde. Für Studierendenvertreter liegt die Sache auf der Hand, für sie ist es an der Zeit für eine gesetzliche Regelung.
Uni-Ranking der Humboldt-Stiftung
Noch ein Uni-Ranking, und wieder ein anderer Spitzenreiter. Diesmal hat die Alexander-von-Humboldt-Stiftung Deutschlands Hochschullandschaft abgecheckt und in einer Tabelle aus Siegern und Besiegten verhackstückt. Nach ganz oben schafften es zwei Berliner Bildungsanstalten, gefolgt von der Konkurrenz aus München. Die rote Laterne hat die TU Cottbus abgekriegt und damit ein Imageproblem mehr. Aber hatte das Oststädtchen überhaupt eine Chance?
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