Studium
Was ist der Bachelor wert?
Der Bachelor soll für bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse sorgen und damit einen Wechsel ins Ausland vereinfachen. Das war ein Argument für die sich gerade vollziehende Umstellung auf das Bachelor/Master-System. Das glaubte man gern. Nun sind aber gerade beim Wechsel in die USA Probleme zu befürchten. Am grundsätzlichen Bedarf von Bachelor-Absolventen werden ebenfalls vermehrt Zweifel geäußert.| Fulbright-Kommission Die Fulbright-Kommission ist die größte Organisation für den Austausch von Studierenden und WissenschaftlerInnen zwischen Deutschland und den USA. |
In den USA wird der Bachelor i.a. erst nach vier Jahren vergeben. In Deutschland jedoch nach drei - Begründung war dafür lange, dass das Abitur ein Jahr länger als in den USA dauere. In Deutschland verkürzen zur Zeit aber fast alle Bundesländer die Schulzeit um ein Jahr. Das habe sich auch in den USA herumgesprochen. "Da sagen sich die Verantwortlichen an den amerikanischen Hochschulen aus formaler Perspektive: Das kann doch nicht das Gleiche sein", sagt Hoffmann.
Firmen und der Bachelor
Zwar gibt es auch immer wieder Meldungen (z.B. in der Frankfurter Rundschau vom 21.06.2004), dass Firmen den Bachelor-Abschluss begrüßen. Es gibt da allerdings noch eine Diskrepanz zwischen Reden und Handeln.
Beim Kongress "müssen nur wollen" äußerte sich Professor Hartmann, Soziologie-Professor an der TU Darmstadt (Arbeitsschwerpunkten Eliteforschung, Industrie- und Organisationssoziologie und Managementsoziologie), sehr kritisch zu den neuen Abschlüssen. So seien die meisten Firmen bisher nicht darauf eingestellt, Studierende, die einen Bachelor absolviert haben, in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. Sie müssten eigentlich neue Trainee-Programme dafür schaffen. Auch der Bedarf sei geringer als von vielen angenommen, da der Bachelor zwischen dem Diplom-/Master-Abschluss und Auszubildenden (bei denen auch immer mehr Abiturienten zum Zuge kommen) zerrieben wird.
Hartmann wies weiter darauf hin, dass die Einführung von Bachelor/Master von der Politik dazu genutzt wird, die Studierendenzahlen zu senken und Geld zu sparen. Nämlich dadurch, dass zum Master nur noch ein Teil der Bachelor-Absolventen zugelassen wird. Und zwar ohne Rücksicht, wie der Bedarf nach Bachelor-Absolventen wirklich aussieht.
Oli von Studis Online meint: Sofern noch ein Diplom- oder Magister-Studiengang zur Verfügung steht, kann es günstiger sein, diesen aufzunehmen. Dort werden zwar meist durch hohe Durchfallquoten auch Studierende "ausgesiebt", aber es gibt keine explizite zusätzliche Schwelle wie den Bachelor. Wer also sowieso nicht nur den Bachelor machen will ... Andererseits gibt es auch wirklich gut gemachte Bachelor/Master-Studiengänge, die wirklich empfehlenswert sind. Am besten vor Ort umhören (bei Studierenden, Fachschaft oder Studierendenvertretung, aber auch Professoren)!
Auch der VDE (in dem u.a. 1250 Unternehmen aus den Bereichen Elektro- und Informationstechnik organisiert sind) hatte vor einiger Zeit gewarnt, das Diplom ohne Not zu opfern und für eine sehr behutsame Einführung des Bachelor/Master-Systems plädiert.
- Weiteres zum Thema
- Die Irrungen und Wirrungen von Bachelor und Master (Artikel bei uns, 02.04.2004)
- Bachelor für alle - Master nur noch für wenige? (Artikel bei uns, 15.04.2003)
- Interview in der ZEIT (Ausgabe 29/2004, 8.7.2004)
- OTS-Meldung der ZEIT zum Thema (07.07.2004)
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