12.09.2011

Es gibt Alternativen
Tierversuche im Studium

Tierverbrauchende Übungen sind häufig ein fester Bestandteil naturwissenschaftlicher Studiengänge und führen bei einer Vielzahl von Studierenden zu Gewissenskonflikten. Das Projekt SATIS unterstützt Studierende bei der Einführung humaner Ausbildungsmethoden ohne extra getötete Tiere durch den kostenlosen Verleih von alternativen Lehrmaterialen, rechtliche und fachliche Beratung sowie Informationen über bereits bestehende Möglichkeiten des tierverbrauchsfreien Studiums.

Von André Schmidt

Tran-Photography - Fotolia.com

Die Maus ist das am häufigsten für Tierversuche verwendete Tier.
Jährlich müssen in der BRD etwa 60.000 Tiere für Aus- und Weiterbildungszwecke sterben, unter anderem in den Studiengängen für Biologie, Human- und Veterinärmedizin. Viele junge Leute können diese Praxis nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Da jedoch die Weigerung, an tierverbrauchenden Übungen teilzunehmen, einem Studienabbruch gleichkommt, verzichten sie aus diesem Grund auf einen der genannten Studiengänge oder geraten nicht selten während des Studiums in Konflikt mit den Professoren. Regelungen in anderen Ländern wie beispielsweise den Niederlanden und Italien sind deutlich studentenfreundlicher und ermöglichen eine Verweigerung der Teilnahme an tierverbrauchenden Übungen aus Gewissensgründen.

Wo kann ohne Tierverbrauch studiert werden?

Um die Situation in Deutschland zu verbessern, engagiert sich der Bundesverband Menschen für Tierrechte im Rahmen seines Projektes SATIS für eine humane Ausbildung ohne Tierverbrauch. SATIS zeigt in seinem aktuellen Ethik-Hochschulranking, für welches deutschlandweit die verantwortlichen Kursleiter in den Fächern Biologie, Human- und Veterinärmedizin befragt wurden, dass es in Deutschland zur Zeit nicht möglich ist, den Bachelor of Science in Biologie oder ein Studium der Veterinärmedizin (obligatorisches Schlachthofpraktikum) ohne Tierverbrauch zu studieren. Im Studiengang Humanmedizin wird immerhin in 20% der Fälle auf tierverbrauchende Übungen verzichtet. In einigen Fällen ist zudem ein Lehramtsstudium in Biologie ohne Tierverbrauch möglich. Dasselbe gilt für einige sehr fachspezifische Studiengänge in den Biowissenschaften.

Alternativmethoden noch nicht ausreichend bekannt

Diese sowohl aus Sicht der Studierenden wie auch des Tierschutzes sehr unbefriedigende Situation liegt vor allem darin begründet, dass die Existenz moderner Alternativmethoden bisher nicht in das Bewusstsein vieler Dozenten vorgedrungen ist. Um die Studierenden vor Ort zu unterstützen, bietet SATIS in Kooperation mit der internationalen Organisation InterNICHE Studierenden die Möglichkeit, moderne Alternativen für die Ausbildung kostenlos auszuleihen, um diese gemeinsam mit den Lehrkräften vor Ort zu erproben und in bestehende Kurse zu integrieren. Dazu gehören z.B. Computersimulationen, Phantome zur Übung veterinärmedizinischer Praktiken oder Operationstrainer für die Aus- und Weiterbildung von Chirurgen.

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte fordert, dass die Fülle an vorhandenen Alternativmethoden genutzt wird, um in allen Fachbereichen tierverbrauchsfreie Studiengänge zu ermöglichen. Darüber hinaus ist es dringend erforderlich, rechtlich zu verankern, dass Studierende nicht mehr verpflichtet sind, gegen ihr Gewissen an tierverbrauchenden Übungen teilzunehmen.

Weitere Informationen

Web: www.satis-tierrechte.de
Kontakt:


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