06.05.2011

Was nicht drin steht
CHE-Hochschulranking 2011 (Seite 1)

Das CHE-Ranking ist das umfassendste Hochschulranking im deutschsprachigen Raum. Allerdings verweigern seit Jahren immer wieder einige Fachbereiche und sogar ganze Hochschulen die Teilnahme. Hintergründe dazu, Kritik am Ranking und was sonst noch zu beachten ist, arbeitet Oliver Iost heraus und listet vor allem die fehlenden Hochschulen bzw. Fachbereiche konkret auf.

Scott Maxwell / fotolia.com

Es gibt nicht die beste Hochschule oder die beste Fakultät – Rankings blenden zu viel aus und verzerren eher die Auswahl, als das sie wirklich bei der Studienwahl helfen
Die Vielzahl an Hochschulen und Studienangeboten macht es für Studieninteressierte oft schwer, eine Wahl zu treffen. Rankings scheinen da eine gute Möglichkeit, bei dieser (Aus-)Wahl zu helfen. Was aber gerade Studieninteressierten nicht klar sein dürfte, sind die Interessen, die die Macher von Rankings verfolgen (mehr dazu hier). Ebenso umfassen Rankings keineswegs alle Hochschulen bzw. Studiengänge. Selbst wenn man also die Rankings nur benutzt, um eine Vorauswahl zu treffen und die endgültige Entscheidung dann unabhängig davon trifft, könnte schon die Vorauswahl interessante "Kandidaten" ausgelassen haben, ohne das man es merkt. Denn selbst in der ausführlichen Online-Fassung des CHE Rankings sind Hochschulen nicht enthalten, die sich dem Ranking verweigern. In der Fassung im ZEIT Studienführer fehlen darüberhinaus alle Standorte, für die Daten nur bruchstückhaft vorlagen.

Das CHE-Ranking erfasst die größten 32 Fachrichtungen. Kleinere Fächer bleiben ebenso unberücksichtigt wie durch die gebildeten Fachrichtungen teilweise durchaus unterschiedliche Fächer in einen Topf geworfen werden. Für eine Übersicht der in Betracht kommenden Hochschulen sollte daher nicht das Ranking bemüht werden, sondern eine Studienfachsuche – z.B. die von Studis Online.

Vom Ranking erfasste Fachrichtungen, Stand der Erhebung, weitere Details

Davon abgesehen, dass zwangsläufig nur größere Fachrichtungen untersucht werden, wird eine konkrete Fachrichtung nur alle drei Jahre neu untersucht. "Spezialitäten" wie Lehramtsstudium oder duales Studium sind nur bei einigen Fachrichtungen dabei.

Zum Teil werden auch Hochschulen der Nachbarländer betrachtet. Hier ist der Vergleich mancher Daten aber schwierig und wird daher teilweise auch im Ranking nicht vorgenommen, so dass nur Teile der Daten vorhanden sind. Aus Österreich und der Schweiz gab es vor allem 2008 Kritik am Ranking, so dass wohl weiterhin nicht alle Hochschulen dabei sind.

Wann die Daten erhoben wurden, welche "Spezialitäten" (Lehramt, berufsbegleitendes oder duales Studium) es umfasst, ob auch entsprechende Studiengänge an Fachhochschulen im Ranking vertreten und ob (einzelne) Hochschulen aus den Nachbarländern dabei sind, zeigt die folgende Tabelle.

FachStandFH1Extra2Ausland3
Anglistik/Amerikanistik2010-LAA,CH,NL
Architektur2010FH--
Bauingenieurwesen2010FH-A,CH,NL
BWL2011FHdual,begA,CH,I,NL
Biologie2009-LAA,CH,NL
Chemie2009--CH,NL
Elektro- und Informationstechnik2010FH-A,CH
Erziehungswissenschaft2010-A,CH,NL-
Geografie2009-LAA,NL
Geowissenschaften2009--CH
Germanistik2010-LAA,CH
Geschichte2010-LAA,CH,NL
Informatik2009FH-A,CH,I,NL
Jura/Wirtschaftsrecht2011FH--
Maschinenbau2010FHdualA,CH,NL
Mathematik2009--A,CH
Medien-/Kommunikationswiss./Journalistik2011FH-A, CH, NL
Medizin2009--A,CH,H,NL
Pflege (FH)2009FH--
Pharmazie2009--CH,NL
Physik2009--CH,NL
Politikwissenschaften2011--CH, NL
Psychologie2010--A, CH, NL
Romanistik2010--A,CH
Soziale Arbeit2011FH-A
Soziologie/Sozialwissenschaften2011--CH, NL
Sportwissenschaft2009-LA-
Verfahrenstechnik/Chemieingenieurwesen2010FH-A
Wirtschaftsinformatik2011nur FH-A
VWL2011--CH,I,NL
Wirtschaftsingenieurwesen2011FH-A,NL
Wirtschaftswissenschaften2011---
Zahnmedizin2009CH-A,NL

1 Falls auch Studiengänge an Fachhochschulen im Ranking aufgeführt sind, steht ein "FH" in der entsprechenden Zeile.
2 Falls eine gesonderte Auswertung für das Lehramtsstudium vorhanden ist, steht ein "LA" in der entsprechenden Zeile. Wurden auch duale Studiengänge untersucht, findet sich ein "dual". Berufsbegleitende Studiengänge werden durch "beg" angedeutet.
3 A=Österreich, CH=Schweiz, H=Ungarn, I=Italien, NL=Niederlande – wenn diese Kürzel hinter einem Fach aufgeführt sind, enthält das CHE-Ranking auch einige Unis und/oder FHs (manchmal auch nur genau eine) aus diesen Ländern. Lehramtsstudiengänge sind grundsätzlich nur aus Deutschland im Ranking.


Wie jedes Jahr: "Herumschrauben" an Kriterien

Das CHE stellt dies als ständige Verbesserung dar. Umgekehrt lässt sich daraus schließen, dass die Rankings in der Vergangenheit eben doch nicht überzeugend waren.

Interessant ist folgende Änderung in diesem Jahr: "Kriterien mit durchgängig positiven oder sich kaum unterscheidenden Studierendenurteilen werden nicht gerankt". Nun ist sicher richtig, dass man innerhalb eines Kriteriums keine Ranggruppen aufmachen sollte, wenn die Unterschiede relativ gering sind. Trotzdem bedeutet das aber auch, dass umgekehrt die Kriterien, bei denen es Unterschiede gibt, stärker betont werden. Also Unterschiede eben doch "künstlich" verstärkt werden (was in gewisser Weise immer auch Zweck eines Rankings ist – es lebt von Unterschieden). Denn man kann diese Werte nur sehen, wenn man auf die Detailseiten der Hochschulen geht – vergleicht man verschiedene Hochschulen, sind diese Kriterien nicht auswählbar. Man kann also nicht sehen, dass alle Hochschulen bei einem bestimmten Kriterium nah zusammen liegen (ob im Guten oder auch Schlechten!).








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