Besser, aber noch verbesserungsfähig
Die Studierquote steigt ein wenig

Die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), die die Studie herausgegeben hat, ist im Besitz von Bund (1/3) und Ländern (2/3). Sie fungiert als Softwarehaus für die Hochschulverwaltungen und ist in den Bereichen Hochschulentwicklung und Hochschulforschung aktiv. Im für die Öffentlichkeit sichtbarsten Bereich Hochschulforschung führt die HIS u.a. die Sozialerhebung der Studierendenschaft im Auftrag des Deutschen Studentenwerkes durch.
Von den Befragten hatten 44 % bereits ein Studium begonnen. 28 % planten diesen Schritt "sicher" für die Folgezeit. Bei der Bewertung der Zahlen muss jedoch berücksichtigt werden, dass erstmals die Studienberechtigten mit einer Ausbildung an der neuen Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), der im März 2009 der (Fach-)Hochschulstatus zuerkannt wurde, einbezogen werden. Ohne diese Umwandlung läge die aktuelle Studierquote bei 69%.
1990 lag die Studienquote übrigens bei 76% (und diese Zahl muss ja den 69% ohne Duale Hochschule Ba-Wü gegenbergestellt werden). Es ist also noch Luft nach oben.
Erfreulich: Herkunfsspezifische Unterschiede verringern sich immerhin ein wenig

Die Studienquote steigt zwar, vom bisherigen Höchststand bleibt sie trotzdem noch einiges entfernt
Auch hier mag aber eine Rolle spielen, dass nun die Duale Hochschule (bisher Berufsakademie) Baden-Württemberg bei der Studierquote mitzählt. Traditionell sind an Fachhochschulen und Berufsakademien mehr Menschen aus "hochschulfernen" Elternhäusern vertreten.
Da aber schon beim Übergang auf Schulen, die zu einer Hochschulzugangsberechtigung führen, Menschen aus akademitschen Elternhäusern deutlich stärker vertreten sind, ist diese leichte Verbesserung noch lange nicht ausreichend.
Und schließlich mag auch die Finanz- und Wirtschaftskrise eine Rolle spiele: In Situationen, in denen Jobs unsicherer erscheinen, steigt oft die Neigung, ein Studium zu absolvieren, um dann nach der Krise bessere Chancen zu haben.
Vor allem finanzielle Gründe führen dazu, sich gegen ein Studium zu entscheiden
Im Rahmen der Untersuchung wurde auch nach den Gründen gefragt, sich gegen ein Studium zu entscheiden. Dafür wurden in erster Linie finanzielle Gründe genannt: So gaben 79 % der Befragten den Wunsch, möglichst bald selber Geld zu verdienen an und 76 % nannten fehlende finanzielle Voraussetzungen als Grund für den Studienverzicht. Für 71 % der Befragten sprachen drohende Schulden aus Krediten zur Ausbildungsfinanzierung und für 69 % Studiengebühren, die ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen würden, gegen die Aufnahme eines Studiums.
Dass finanzielle Gründe nicht nur dafür verantwortlich sind, dass viele Studienberechtigte erst gar kein Studium beginnen, sondern auch zu einem wesentlichen Teil dafür, dass Studien abgebrochen werden, geht auch aus der Projektstudie des HIS zu "Ursachen des Studienabbruchs in Bachelor- und in herkömmlichen Studiengängen", die im Dezember 2009 erschienen ist, hervor.
Wer selbst mit dem Gedanken spielt, aus finanziellen Gründen KEIN Studium aufzunehmen, sollte sich vorher in jedem Fall über die vorhandenen Fördermöglichkeiten informiert haben. Dadurch können sich vorher unbekannte Optionen ergeben. Einen umfangreichen Überblick gibt es direkt bei Studis Online: Möglichkeiten der Studienfinanzierung.
Quellen und Artikel zum Weiterlesen
- Weitere Analysen zu der Befragung der Studienberechtigten 2008 finden sich in der 152-seitigen Publikation HIS:Forum Hochschule 3|2010 "Studienberechtigte 2008 ein halbes Jahr nach Schulabschluss - Übergang in Studium, Beruf und Ausbildung" »
- Studie zu Gründen und Motiven des Studienabbruchs (Artikel bei Studis Online, 14.01.2010) »
Folgende Artikel könnten für Dich auch interessant sein
Sind Studiengebühren abschreckend – oder etwa doch nicht?
"Studiengebühren schrecken Studienwillige (insbesondere aus sozialschwachen Familien) ab" ist seit Jahren eines der Argumente gegen Studiengebühren. Eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung behauptet nun – bezogen auf die aktuelle Höhe der Gebühren von 500 Euro pro Semester – das sei gar nicht der Fall. Aber ganz so einfach ist der Zusammenhang vielleicht doch nicht ...
Zulassungschaos geht weiter
Mit dem dialogorientierten Serviceverfahren sollte ein für alle mal Schluss sein mit dem Einschreibewirrwarr an Deutschlands Hochschulen. Doch nach wie vor wird nichts daraus, die vollständige Einführung weiter verschoben. Immerhin gibt es jetzt einen, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann. Aber Vorsicht: Vielleicht ist das nur ein abgekartetes Spiel.
Studiengebühren reloaded?
Am 26. Januar 2005 machte das Bundesverfassungsgericht den Weg frei zur Einführung allgemeiner Studiengebühren an den staatlichen Hochschulen in den Bundesländern. Nach erster Euphorie der Gebührenbefürworter ist Ernüchterung eingetreten, ab Wintersemester 2012/2013 erheben nur noch zwei Bundesländer Gebühren. Die Debatte geht trotzdem weiter – heute zum Beispiel bei einer Ausschusssitzung im Bundestag.
Diese Seite verlinken »









