Folge 9: Trenne jetzt st, denn es tut ihm nicht mehr weh, und andere Regeln zur Worttrennung am Zeilenende
Von Nicola Pridik![]() (Foto von Nicola Pridik) |
Die Worttrennung am Zeilenende folgt also stärker als bisher dem Prinzip, dass nach Sprechsilben getrennt wird. Alle weiteren Regeln orientieren sich daran, ob sich an der Trennstelle Vokale oder Konsonanten aufhalten. Die Vokale bekommt man recht schnell in den Griff, die Konsonanten sind bisweilen widerspenstig. Aber auch das kriegen wir hin. Nur alles der Reihe nach …
Zunächst die Vokale - das geht fix:
Kommt beim Sprechen der Silben heraus, dass einzelne Vokale einsam und allein am Wortanfang oder Wortende stehen würden, sollte man sofort mit Sprechen aufhören und stattdessen die erste Regel anwenden:
Womit wir mit den richtig echten Regeln zu den Vokalen auch schon durch wären, denn was sich sonst an Regeln formulieren lässt, ist eigentlich nur noch mal eine Konkretisierung des Sprechsilben-Grundsatzes. Da wäre einmal dies:
Beispiele:
individu-ell
na-iv
Und dann das:
Beispiele:
Häu-ser
Ei-er
Und schon sind wir bei den Konsonanten. Hier lautet die Grundregel:
Beispiele:
Au-ge
trau-rig
Hei-mat
da-rum
he-rein
Mindestens zwei Konsonanten an der Trennstelle:
Rech-ner
ber-gig
eif-rig
rich-tig
Die zwei Konsonanten können nunmehr auch s und t sein. Das Trennungsverbot dieser Verbindung ist aufgehoben worden und bildet deshalb keinen Ausnahmefall mehr. Richtig sind seit der Reform also auch folgende Trennungen:
has-tig
ras-ten
Aber dafür gibt's andere Ausnahmen: alte für alle und neue für alle Fortgeschrittenen.
Bei den alten Ausnahmen handelt es sich um Konsonantenverbindungen, die jeweils für einen Laut stehen, z. B. sch oder ch:
Um eine Ausnahme handelt es sich also nur insofern, als die Verbindung der Konsonanten nicht getrennt wird. Ansonsten bleibt es dabei, dass die Konsonantenverbindung auf die nächste Zeile kommt, wenn nach ihr wieder ein Vokal folgt. Folgt dagegen an der Trennstelle noch ein Konsonant, so kommt dieser (als letzter Konsonant) auf die nächste Zeile.
Beispiele:
la-chen
Zu-cker
Ste-phan
Myr-rhe
Fa-shion
Sympa-thie
In allen Fällen kommt die Konsonantenverbindung auf die neue Zeile, weil ihr jeweils ein Vokal folgt.
Rhyth-mus
Das th kommt nicht auf die neue Zeile, weil ihm - als letzter Konsonant an der Trennstelle - noch ein m folgt.
Die Besonderheit bei ck, welches bislang nicht nur getrennt wurde, sondern zudem auch noch in ein k-k umzuwandeln war, ist abgeschafft worden (früher: Zuk-ker, heute: Zu-cker).
Für Fortgeschrittene gibt es seit der Reform noch eine weitere Ausnahme. Sie ermöglicht - alternativ zur Grundregel bei Konsonanten - eine weitere Trennungsvariante:
Richtig sind also jeweils folgende Trennungsvarianten:
| Grundregel (letzter Konsonant auf die neue Zeile) | Fortgeschrittenenregel (Verbindung von Konsonant + l, n oder r auf die neue Zeile) |
| Zyk-lus | Zy-klus |
| Mag-net | Ma-gnet |
| Feb-ruar | Fe-bruar |
Das waren die Konsonanten. Nochmal: Einfach (nur!) den letzten auf die neue Zeile setzen und Konsonantenverbindungen, die sich als ein Laut entpuppen, wie ein Konsonant behandeln. That's it!
Weiter geht's noch mit zwei weiteren Regeln, die allerdings harmlos sind, weil man sie wahrscheinlich immer instinktiv befolgt und wo dies nicht der Fall ist, sie ohnehin nur für die Fortgeschrittenen interessant sind.
Die erste betrifft zusammengesetzte Wörter (z. B. zwei zusammengesetzte Substantive wie Autobahn) und Wörter, die eine Vorsilbe haben (z. B. Vorschule):
Also:
Haupt-stadt
Vor-schule
Pro-gramm
Alle Beispiele sind unproblematisch, weil es kein Kunststück ist, die Zusammensetzung oder die Vorsilbe als solche zu erkennen. Bei anderen Wörtern sieht dies anders aus: Instanz, darum, einander, interessant, parallel - auch auf solche Wörter wäre die Regel anzuwenden. Zum Glück wurde rechtzeitig erkannt, dass uns gelegentlich die historische Entwicklung einzelner Wörter entfällt, aus der sich ergibt, dass es sich um eine Zusammensetzung handelt. Gleiches gilt für die Trennungsregeln anderer Sprachen, aus denen wir zusammengesetzte Wörter übernommen haben. In Zweifelsfällen ist es deshalb ebenso richtig, nach Sprechsilben zu trennen.
Folgende Trennungsvarianten sind also alternativ möglich (markiert ist jeweils nur die hier interessierende Trennstelle):
| Trennung nach Bestandteilen | Trennung nach Sprechsilben/allg. Regeln |
| In-stanz | Ins-tanz |
| dar-um | da-rum |
| ein-ander | ei-nander |
| inter-essant | inte-ressant |
| par-allel | pa-rallel |
Die zweite Regel setzt allen Trennungsregeln noch ein i-Tüpfelchen auf:
Also:
Ur-instinkt statt Urin-stinkt
So, und jetzt noch mal:
Wenn Ihr bitte flugs die richtige Variante wählen würdet: Feb-ruar oder Fe-bruar, her-an oder he-ran, Fens-ter oder Fen-ster. Und? Alles klar? Ansonsten hätten wir da ein paar Kleinigkeiten für Euch arrangiert …
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