Leichter lernen
Motivation durch Rituale
I. Rituale, die das Anfangen erleichtern
Wer sich nicht zum Lernen motivieren kann, wird sich so lange oder häufig ablenken, bis er sein Vorhaben aufgibt oder es auf den letzten Drücker erledigt. Deshalb ist der erfolgreiche Lernstart so wichtig. Drei Tricks erleichtern den täglichen Einstieg:
Mit den Simpsons zum festen Arbeitsrhythmus
Jeder weiß, dass ein fester Arbeitsrhythmus beim Lernen ungemein hilft. Am besten arbeitet man immer zur gleichen Zeit und am gleichen Ort. Wer diese Koordinaten als feste Punkte in seinen Tagesablauf integriert hat, wird auf Ausreden wie: "Ich bin noch nicht in Stimmung zum Lernen" gar nicht kommen, da die Arbeitszeiten zur Selbstverständlichkeit geworden sind.
Beginne Deinen Lerntag zum Beispiel jeden Tag um 9h30 in der Bibliothek! Beginne Deine zweite Lerneinheit z.B. um 16h zuhause an Deinem Schreibtisch! Mach immer zur gleichen Zeit Deine Erholungspausen!

Zwischendurch ein Kaffee – und dann weiter!
Vorsicht! Tägliche Verabredungen zum Skypen erfüllen nur bedingt denselben Zweck, da das Skypen nach hinten nicht zeitlich begrenzt ist und deshalb Disziplin erfordert ist, um das Gespräch zu beenden.
Gepäck bereitstellen
Das Anfangen fällt umso schwerer, je diffuser einem der Lernstoff erscheint oder je unbezwingbarer der Lernberg sich vor einem erhebt. Als Motivation für den ersten Schritt gibt es zahlreiche Sprichwörter, zum Beispiel: "Auch der Aufstieg auf den höchsten Berg beginnt mit einem ersten Schritt."
Wem diese Vorstellung nicht hilft, der kann folgenden Trick anwenden. Der Bergsteiger macht den ersten Schritt nämlich schon am Abend vorher, indem er das fertige Wandergepäck an die Tür stellt. In der Früh muss er nur aufstehen, den Rucksack aufschnallen und los geht es. Dasselbe gilt fürs Lernen. Mach es Dir zur Gewohnheit, die nächste Lerneinheit schon am Vortag vorzubereiten! Dadurch, dass Du genau weißt, was zu tun ist und das Arbeitsmaterial schon auf Deinem Tisch liegt, musst Du nur noch die Energie aufwenden, um Dich hinzusetzen und anzufangen!
Am Ende Deines Lerntages bzw. einer Lerneinheit:
- Notiere entstandene und offen gebliebene Fragen!
- Überlege, was als nächstes zu tun ist - d.h., welcher Text zu lesen, welche Aufgabe zu bearbeiten ist etc.!
- Lege die dafür benötigten Materialien bereit. (Ja, damit ist gemeint, dass Du das Buch an der richtigen Stelle aufklappst, die Kopien und Textmarker auf Deinen Tisch legst oder unbeschriebene Karteikarten heraussuchst!)
Erfolg ist die beste Motivation. Deshalb geben Zwischenerfolge bei größeren Vorhaben die nötige Kraft zum Durchhalten. Beim häuslichen Lernen sind die Lernerfolge nicht sofort sichtbar. Diese Ungewissheit kann an schlechten Tagen zu Gedankenketten der folgenden Art führen: "Weiß ich genug? Weiß ich überhaupt etwas? Die anderen wissen vielmehr! Bei mir geht alles im Kopf durcheinander. Ich weiß gar nichts. Ich werde durchfallen." Um diese Gedanken zu vermeiden, hilft es, sich den eigenen Lernfortschritt täglich anzusehen.

www.derpruefungserfolg.de
Mache Dir eine der folgenden Aktivitäten zur Gewohnheit:
- Hake ab oder streiche auf Deinem Lernplan durch, was Du heute schon erreicht hast!
- Überfliege noch einmal den Stoff, den Du Dir heute erarbeitet hast. (Du wirst erstaunt sein, wie schnell es geht im Vergleich zum Beginn der Lerneinheit. Die Inhalte sind Dir nun vertrauter und klarer!)
- Lege Deine heutigen Arbeitsergebnisse (z.B. gelernte Karteikarten, gelesene Texte, erstellte Zusammenfassungen und Schaubilder) zu dem Stapel mit dem bisher Erarbeiteten. So siehst Du, wie Dein Wissensberg stetig anwächst. Du kannst auch Deine Wohnung mit den Schaubildern plakatieren!
- Sieh im Geiste, wie Du Dich z.B. beim Aufstieg auf den Eiffelturm (je nach Vorliebe geht auch der Kölner Dom oder die Siegessäule) der Spitze näherst. Heute hast Du wieder einige Stufen erklommen!
Es ist nicht immer leicht, nach dem Lernen abzuschalten und sich mit gutem Gewissen zu erholen. Vor allem nicht, wenn sich der Arbeitsplatz im eigenen Wohn- und Schlafraum befindet und es keine äußeren Zeichen gibt, die das Ende des Arbeitstages anzeigen.
Wer mit dem Abschalten Schwierigkeiten hat oder in seinen Erholungsphasen von einem schlechten Gewissen geplagt wird, der sollte sich ein Ritual angewöhnen, das das Ende des Lerntages einläutet.
Den Lerntag mit einem klaren Zeichen abschließen
Klangliche, materielle und körperliche Rituale haben sich besonders bewährt. Hier einige Anregungen:
Klangliche Rituale:
- Höre Dir immer das gleiche Lied zum Abschluss eines Lerntages an.
- Leite Deine Freizeit mit einem Glockenklingeln, Hupen oder Gongschlag ein.
- Wechsle die Kleidung.
- Verlasse den Lernort.
- Zaubere Deinen Schreibtisch mit einem Tuch weg.
- Mach eine Augenentspannungsübung, Liegestütze, Überkreuzübungen oder ein Nickerchen.
Alles, was Dir an diesem Tag Sicherheit und Zuversicht gibt, solltest Du tun! Es ist auch keine Schande, etwas abergläubig zu sein. Finde die für Dich passenden Rituale. Oft stellen diese sich übrigens automatisch ein, ohne Dein bewusstes Zutun. Warst Du bei einer Prüfung erfolgreich, ziehst Du vielleicht intuitiv beim nächsten Mal wieder die gleiche Hose an wie in der ersten Prüfung.
Beispielrituale vor und in der Prüfung:
Vorher:
- Du blätterst im Bett - noch vor dem Aufstehen- Deine Zusammenfassungen durch.
- Du nimmst immer dasselbe "Prüfungsfrühstück" zu Dir, eventuell nur Kekse und ein Heißgetränk - falls Dir Prüfungen auf den Magen schlagen.
- Du ziehst Deine Lieblings- bzw. Erfolgskleidung an.
- Du klopfst dreimal auf Holz oder gibst anderen Tics nach.
- Du verrichtest alle Tätigkeiten in der gleichen Reihenfolge wie an jedem Prüfungsmorgen.
- Du schreibst mit Deinem Lieblingsstift.
- Du trägst einen Glücksbringer oder Talisman bei Dir oder stellst ihn vor Dir auf den Tisch.
- Deine Prüfungsverpflegung (z.B. Wasser, Schokolade, Nüsse) steht griffbereit .
- Du trägst Deine Lieblingsuhr oder Dein Prüfungswecker steht vor Dir.
- Du knabberst beim Lesen der Aufgaben an Deiner Kette oder einem Bleistift.
Es ist allgemein bekannt, dass Sprache ein mächtiges Werkzeug ist. Menschen werden in ihrem Denken und Handeln von Wörtern beeinflusst. Dieses Phänomen kann man auch nutzen, um sich zum Lernen zu motivieren.
Sprachgewohnheiten durchbrechen
Wenn Du bei den Wörtern "Bibliothek", "Schreibtisch", "lernen", "Lernplan" und "Universität" Unbehagen oder Unlust verspürt, dann ersetze diese Wörter einfach durch angenehmere! Auf diese Weise förderst Du eine positive Einstellung gegenüber dem Lernen. Eigene Wörter stärken außerdem das Gemeinschaftsgefühl einer Lerngruppe. Mit Humor ist alles leichter und auch die Lernphase wird leichter erträglich.
Am besten funktioniert es mit selbst gefundenen oder selbst gebildeten Wörtern. Zur Anregung hier einige Vorschläge:
| Kommst du mit ins Kino? | |
|---|---|
| Standard | Alternative |
| Nein. Ich muss lernen. | Nein, ich gehe noch ins Labor. |
| . . . zum Training. | |
| . . . in meinen Turm. | |
| . . . auf die Insel. | |
| Was machst Du heute? | |
|---|---|
| Standard | Alternative |
| Ich muss in die Bibliothek. | Ich gehe ins Büro. |
| Ich besuche den Tempel. | |
| Ich gehe in den Palast. | |
| Ich gehe auf meine Jacht. | |
| Kommst Du mit zum Squash? | |
|---|---|
| Standard | Alternative |
| Nein, ich muss in die Uni. | Nein, ich gehe ins Büro. |
| Nein, ich will noch in den Zirkus. | |
| Nein, ich gehe in den Zoo. | |
| Nein, ich gehe ins Theater. | |
Und hier noch mögliche "Synonyme" zum Wort "lernen":
- Bleistift knabbern, Pferdchen malen, schmökern, Kaffee trinken, dösen, meditieren, in der Nase bohren, chatten (mit mir selbst), Film drehen (im Kopf), studiare, etüdieren, meine Festplatte frisieren.
Quellen
- Grotehusmann, Sabine, Der Prüfungserfolg, Die optimale Prüfungsvorbereitung für jeden Lerntyp, GABAL Verlag, Offenbach, 2008.
- Kossak, Hans-Christian, Lernen leicht gemacht, Gut vorbereitet und ohne Prüfungsangst zum Erfolg, Carl-Auer Verlag, 2006.
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