25.08.2010

So wird sie ein Erfolg
Die mündliche Prüfung (Seite 1)

Eine mündliche Prüfung ist ein Verkaufsgespräch. Die Ware, die angeboten wird, ist das Prüfungswissen. Es geht folglich darum, das eigene Wissen möglichst überzeugend darzustellen. Die Prüfer sollen den Eindruck bekommen, dass die Ware solide ist und von hoher Qualität. Wenn Sie das Wissen entgegennehmen, sollten sie ein gutes Gefühl haben, wie beim Einkauf eines Qualitätsproduktes.

Von Sabine Grotehusmann, Autorin des Ratgebers "Der Prüfungserfolg: Die optimale Prüfungsvorbereitung für jeden Lerntyp".

Sabine Grotehusmann (Köln) arbeitet als Autorin, Studienrätin und Trainerin mit den Schwerpunkten: Lernen und Kreativität.
www.derpruefungserfolg.de
Kleinere Mängel gilt es bei einer Prüfung – wie bei einem Verkaufsgespräch – zu übergehen. Kein Verkäufer wird von sich aus auf die Schwachstellen seines Produktes hinweisen!

Leichter fällt die mündliche Prüfung, wenn man sie als ein Rollenspiel versteht. Der Prüfling übernimmt dabei die Rolle des Verkäufers, selbst wenn er kein Verkäufertyp ist. Der erste Schritt des Rollenspiels ist die Vorbereitung. Es gilt, sich über die Rahmenbedingungen zu informieren.

Informationen zur Prüfung und ihrem Ablauf einholen

Hole mithilfe der folgenden Checkliste alle prüfungsrelevanten Informationen ein.
  1. Allgemeines zur Prüfung
    • Prüfungsort, -raum
    • Prüfungsbeginn (Wann muss ich spätestens von zuhause losgehen?)
    • Prüfungsdauer
    • Zeitvorgabe für die einzelnen Prüfungsteile und deren Gewichtung
    • Vorbereitungszeit
    • Erlaubte Hilfsmittel (Gesetzestexte, Wörterbuch, Taschenrechner, Stifte…)
    • Anzahl der Prüfer, davon frageberechtigte Personen
  2. Die Wellenlänge Deiner Prüfer
    • Spezialgebiete und Lieblingsthemen der Prüfer
    • Gibt es einen (ungeschriebenen) Dresscode?
    • Haben die Prüfer Humor?
  3. Der Prüfungsverlauf
    • Nimm vorher als Gast an anderen Prüfungen teil (Das ist oft erlaubt, jedoch vielen Studierenden unbekannt).
    • Wird ein Kurzvortrag gewünscht?
    • Ist die Prüfung als Gespräch angelegt?
    • Wird mehr Detail- oder Überblickswissen abgefragt?
    • Welche Fragen wurden ehemaligen Prüflingen gestellt? (Besorge Dir Prüfungsprotokolle und reden mit ehemaligen, erfolgreichen Prüflingen.)
Der Prüfungsinhalt: Antworten antizipieren

Der wichtigste Punkt ist natürlich die inhaltliche Vorbereitung. Die geht am leichtesten, wenn man weiß, wonach gefragt wird. Versuche, die Antworten zu antizipieren. Auch wenn Du die genauen Fragen nicht kennst, kannst Du die Antworten gut vorbereiten. Der gute Verkäufer kennt auch nicht die Fragen seiner Kunden. Er kennt jedoch alle Eigenschaften und Vorzüge seines Produktes. Er weiß genau, was er dem Kunden erzählen wird!
  • Kenne die wichtigsten Teilbereiche Deiner Fachgebiete!
  • Verinnerliche die dazugehörigen Schlüsselbegriffe und Fachvokabeln!
  • Beherrsche die Namen der wichtigsten Vertreter des Fachgebietes! (Bei ausländischen Namen vergewissere Dich vorher, wie man sie ausspricht. Das verleiht Dir Souveränität und Sicherheit).
  • Sammle gute Beispiele! (Ein gutes Beispiel zeichnet sich dadurch aus, dass es zu 100% auf den dargestellten Sachverhalt passt. Gute Beispiele sind einfach und klar. Standardbeispiele aus Lehrbüchern sind meistens gute Beispiele. Übernehme sie und versuche nicht, Dir kreative Beispiele auszudenken. Deine Kreativität kannst Du zum Beispiel bei der Bewertung von Theorien einsetzen. Prüfer knüpfen an Beispiele übrigens gern weitere Fragen. Sollte Dein Beispiel nicht genau passen, könnten Sie Dich auf dem falschen Fuß erwischen!)
  • Überlege Dir, wo es Verknüpfungspunkte zwischen den einzelnen Teilbereichen gibt!
  • Verdeutliche Dir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Theorien!
  • Wo liegen Schwachstellen bei den Theorien? Wie ist Deine eigene Position?
Das Prüfungsgespräch: Verkaufe Deinen Prüfern eine Rolex

andreas - Fotolia.com

Verkaufe das richtige Modell ;)
Versuche die Kommission von Deinem Wissen zu begeistern. Je nachdem, welche Note Du anstrebst, verkaufe Deinen Prüfern eine Rolex, eine Junghans oder eine Swatch. Gerade wenn Du kein geborener Verkäufer bist, mache Dir bewusst, dass Du nicht Deine Person verkaufen willst, sondern Dein Wissen. In vielen Ratgebern steht, dass es in der mündlichen Prüfung um Selbstdarstellung geht. Das ist nicht richtig. Es geht nicht um die Darstellung Deiner Persönlichkeit, sondern um die überzeugende Darstellung eines Themengebietes.

Das Prüfungsgespräch entwickelt sich in der Regel zum Großteil aus dem, was Du sagst. Deine Antworten inspirieren die Prüfer zur nächsten Frage. Aus diesem Grund lohnt es sich, das Verhalten in der Prüfung vorher zu trainieren. Das kannst Du praktisch in einer Prüfungssimulation oder mental tun. Trainiere ein aktives Verhalten!

Übernehme als Prüfling eine aktive Rolle! Dazu gehört, das eigene Wissen anzubieten. Damit ist gemeint, dass Du auf eine Frage nicht nur knapp antwortest, sondern Dein weiteres Wissen mitlieferst. Hier zwei Beispiele einer Prüfung zum Thema Kommunikation:

Negativbeispiel
Prüfer: Wie würden Sie diese Aussage einstufen? Eine Frau steht mit ihrem Auto an der Ampel. Es wird grün. Ihr Mann sagt: "Die Ampel ist grün."
Prüfling: Der Mann appelliert an die Frau loszufahren.

Die Antwort ist zwar richtig, doch versäumt es der Prüfling, sein geballtes Wissen zu präsentieren. Außerdem gibt er die Zügel wieder aus der Hand und versucht nicht, das Gespräch zu lenken.

Positivbeispiel
Prüfling: "Nach dem Vier-Seiten-Modell (= Schlüsselbegriff) von Schulz von Thun (= wichtiger Vertreter) steht hier für mich die Appellseite (= Fachvokabel) im Vordergrund.
Der Mann fordert seine Frau auf, loszufahren. Die anderen drei Seiten einer Nachricht sind die Beziehungsseite, der Sachinhalt und die Selbstoffenbarung" (Aufzählung weiterer Fachvokabeln als Angebot zu weiterführender Frage und zum Zeigen des komprimierten Fachwissens).







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