Lernen

Konzentration und Grundlagen des Lernens

Der Arbeitsplatz ist perfekt eingerichtet, der Zeitplan steht und die Motivation ist hoch loszulegen. Doch wie geht man nun an den Stoff heran? Was macht man mit all den Büchern, Unterlagen, Mitschriften, Fragmenten aus der Vorlesung?

Überforderung verhindern!

Insbesondere Studierende geraten leicht in die Falle der Überforderung. Da ist der Kommilitone, der vermeidlich viel mehr lernt und erreicht als man selbst, da sind Eltern und Freunde die bestimmte Ansprüche und Maßstäbe haben, da ist möglicherweise Zeitdruck durch Studiengebühren oder Prüfungsordnungen und da ist nicht zuletzt der eigene Ehrgeiz.

Bild © Stephen Coburn - Fotolia.comZwischendurch ein Apfel ...
Hier muss man sich vor Augen führen: Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo und seine eigene Kapazität. Und diese ist bei jedem Menschen beschränkt. So kann man nur eine bestimmte Anzahl von Fakten gleichzeitig wahrnehmen und verarbeiten, vieles muss wiederholt werden und in das vorhandene Netzwerk eingefasst werden, damit es im Gehirn verbleibt (mehr zum Gehirn, insbesondere zum Gedächtnis hier). Hinzu kommen individuelle Eigenheiten. So fällt es dem einen leicht auswendig zu lernen, der andere muss sich jeden Satz mehrfach vorsagen, ist dafür aber in einem anderen Gebiet wieder schneller.

Auch kommt es auf die Art an, mit der man lernt. Z.B. kann man sich lange mit einem Fachgebiet beschäftigen, ähnliche Informationen aufnehmen (z.B. Vokabeln lernen). Dies ist das sogenannte „massierte Lernen“. Je länger man sich mit dem Stoff beschäftigt, desto weniger kann neu aufgenommen werden. Das heißt, dass der Lernzuwachs geringer wird. Diesen Effekt fängt das „verteilte Lernen“ auf. Hier wird eine Pause eingelegt und dann mit einem anderen Sachgebiet weitergemacht. Zwar wird das zuvor gelernte nun unweigerlich vergessen, kann jedoch durch wiederholen leicht reaktiviert werden. Im Endeffekt erreicht man mittels des verteilten Lernens mehr, als durch stures Pauken.

Abschaffen von Energiedieben

Hinderlich am konzentrierten Lernen sind Dinge, Umstände und Verhaltensweisen, die Energie abziehen, da sie nerven. Zumeist werden sie aber toleriert oder ignoriert. Dies können z. B. die immer herumliegenden Klamotten des Partners, das ungespülte Geschirr der WG-Genossin ebenso sein, wie der tropfende Wasserhahn im Badezimmer oder das Hemd, welches schon seit Wochen gebügelt werden müsste. Es handelt sich somit um Kleinigkeiten, die durch ihre Fülle und Regelmäßigkeit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Energie fressen.

Ob ein Energiedieb vorliegt lässt sich mit folgender Überlegung herausfinden: Was für ein Gefühl stellt sich bei der Vorstellung ein, der Umstand sei beseitigt? Ist es Erleichterung, so handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Energiedieb.

Wichtig ist, sich diese Umstände bewusst zu machen. Hier hilft es, eine Liste anzulegen und diese über mehrere Wochen zu ergänzen. So wird ein Gespür für die unmerklichen Energiefresser entwickelt. Auch unlösbare Dinge fallen hier herunter.

Als nächstes ist zu überlegen, welche dieser Probleme Schlüsselfunktionen haben, d. h. wenn bei ihrem Wegfall automatisch auch andere entfallen, so haben sie eine Schlüsselfunktion. Die Energiediebe sollten nun, beginnend bei den umfassenden, aufgelöst werden. Hier hilft oft auch das Gespräch mit Freunden, wenn einem selbst die Ideen fehlen.

Der positive Effekt wird sich bald bemerkbar machen: Probleme im Alltag werden nicht mehr umschifft, sondern gelöst, Energie für die wichtigen Dinge des Lebens wird frei und durch sofortiges Bewältigen von Problemen staut sich weniger auf, Blockaden haben so keine Chance zu entstehen. Eigene Ziele, Bedürfnisse und Wünsche werden klar formuliert, können vom Umfeld umgesetzt werden und harmonisieren somit auch zwischenmenschliche Beziehungen.

Einstellung überprüfen

Es gibt unterschiedliche Einstellungen zum Lernen. Sie lassen sich auf drei Kategorien herunter brechen.

1. Studierende, die das lernen, worauf sie Lust haben, wann sie Lust haben. Der zu lernende Stoff wird nicht strukturiert und oftmals erfolgt das Lernen in letzter Sekunde.

2. Die Orientierung an äußeren Normen, z.B. Eltern, Professoren, Kommilitonen. Hier ist das Herangehen ähnlich dem in der Schule.

Die effektivste Variante ist jedoch die 3.: die des eigenverantwortlichen Lernens. Der zu lernende Stoff wird ausgewählt. Persönliche Lernerfahrung, der Alltag, das bereits vorhandene Wissen werden berücksichtigt, die Bedürfnisse nicht missachtet. Der Lernstoff wird nach Wichtigkeit eingeteilt und es wird ein realistisches Ergebnis angestrebt.

Schlaf und Ernährung, körperliche Fitness, Entspannung

Für ein effektives Lernen ist es auch wichtig dass dem Körper ein Rhythmus zugestanden, d.h. regelmäßig und ausreichend geschlafen und gegessen wird. Insbesondere ist auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Wenig Zucker (d. h. wenig Süßes!), dafür Kohlenhydrate die langfristig Energie geben (Brot, Nudeln, Kartoffeln) und viel Obst und Gemüse. Aufputschende Mittel (Kaffee, Red Bull…) führen nicht zu erhöhter Aufnahmebereitschaft des Gehirns. Sie können im Gegenteil sogar Unruhe, Angst und Panik vor einer Prüfung erhöhen.

Auch ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, am besten in Form von Wasser, ungesüßten Kräuter – und Früchtees oder Fruchtsaft mit Wasser zu achten.

Auch in der Lernzeit ist es wichtig, ausreichend Bewegung zu haben um die Durchblutung und die Sauerstoffzufuhr in Gang zu halten. Nur sitzen macht auf Dauer müde. Zum Ausgleich für das Lernen ist Sport oder zumindest das Fahrrad für den täglichen Weg angebracht. Und es passt doch wunderbar in eine neue Zeitplanung, sich eine schöne Sportart auszuwählen. Die meisten Unis haben ein hervorragendes Hochschulsportprogramm.

Wer frustriert oder wütend ist, zu viel Stress hat und sich einmal austoben muss, für den bieten sich Ausdauersportarten, Squash, Kampfsport an.

Zudem sollte man darauf achten nicht mit leerem Magen zu lernen. Hunger stört die Konzentration. Dies ist jedoch auch für einen vollen Bauch der Fall. Optimal ist daher, entweder eine Pause nach dem Essen zu machen oder nur einen kleinen Snack zu sich zu nehmen.

Als Entspannung bieten sich Verfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung an. Viele Hochschulen bieten sogar speziell für Studierende Entspannungskurse an. Auch die Krankenkassen haben hierzu Materialien und übernehmen bei Kursen bis zu 80 % der Kosten (bitte individuell nachfragen!).



Übersicht "Lernmethoden und Zeitmangement"
  1. Die Gestaltung des Arbeits- und Lernplatzes »
  2. Zeitmanagement »
  3. Selbst-Motivation »
  4. Konzentration und Grundlagen des Lernens (hier bist Du)
  5. Lerntechniken »
  6. Die Prüfung – gut vorbereitet und organisiert »

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