01.11.2011

Auslandsstudium
Studieren in Frankreich

Paris, je t’aime: Frankreich ist für viele ein Sehnsuchtsort. Warum also nicht einen Teil des Studiums oder sogar die gesamte Zeit dort verbringen? Studis Online zeigt euch, welche Studienmöglichkeiten es in Frankreich gibt und wie ihr von den vielen Fördermöglichkeiten im Land von Sartre und Baudelaire profitieren könnt.

Von Sebastian Horndasch


1. Warum Frankreich?

Sebastian Horndasch

Romantisch: Französische Straßen strahlen häufig einen besonderen Charme aus.
Macarons, Tartes Tatin und Mille-feuilles – wer einmal eine französische Pattisserie betreten hat, dem erscheinen die Süßspeisen und Kuchen in deutschen Konditoreien als banal und eintönig. Mit einer gerade zum Weltkulturerbe erklärten Kochtradition und einer großen Weinkultur spricht essenstechnisch alles für ein Studium in Frankreich.

Doch Gaumenfreuden sind nur ein untergeordneter Grund für ein Studium – sonst wäre England als Hochschulstandort ja nicht so beliebt. Frankreich überzeugt nicht nur mit Delikatessen: Das Land bietet eine angenehme Kultur, besseres Wetter, niedrige Studiengebühren, kein NC, vielfältige Studienmöglichkeiten, eine weltweit genutzte Sprache sowie großzügige Fördermöglichkeiten.

Die Qualität französischer Universitäten liegt in etwa gleichauf mit denen in Deutschland. Auch in Frankreich gibt es Probleme mit überfüllten Hörsälen und Bibliotheken. Dafür ist das Studium extrem günstig: Pro Studienjahr zahlt man an Unis während der Licence (dem Äquivalent zum Bachelor) knapp 180 Euro und während des Masters etwa 250.

Eine in Deutschland fremde Hochschulform ist die Grande École. An diesen meist praktisch ausgerichteten Hochschulen studiert die Elite Frankreichs. Hier werden Studierende in den Bereichen Management, Verwaltung, Politik und Ingenieurwesen ausgebildet. Die Ausstattung ist in der Regel grandios, ebenso die Betreuung. Die Aufnahme ist dafür allerdings kompliziert und die Studiengebühren hoch: Sie liegen bei staatlichen Schulen zwischen 800 und 5.000 Euro – und an privaten noch einmal deutlich höher.

Neben Universitäten und Grandes Écoles gibt es eine Reihe von Hochschulen, die sich auf ein einziges Fach spezialisiert haben - meist Ingenieurwissenschaften oder Management. Auch hier gibt es keine direkte Entsprechung im Deutschen. Wir übersetzen diese Hochschulen mit dem Begriff "Fachhochschule".

Die viel beschworene deutsch-französische Freundschaft macht sich auch im Hochschulbereich bemerkbar: Das Französische Außenministerium bezahlt in Deutschland fünf Hochschulattachés, deren Aufgabe es ist, sich um deutsch-Französische Hochschulpartnerschaften zu kümmern. Kein Land erhält dabei so viel Aufmerksamkeit: Nur 10 sind für den gesamten Rest der Welt zuständig. Mit der deutsch-französischen Hochschule (DFH) gibt daneben es eine eigene Institution, die integrierte deutsch-französische Studiengänge koordiniert. Und: Für Sprachkurse und Studienaufenthalte in Frankreich gibt es großzügige Fördertöpfe. Viel Aufwand bei 6.000 bis 7.000 deutschen Studierenden in Frankreich (zum Vergleich: In UK studieren etwa 13.000 und in den Niederlanden etwa 19.000 Deutsche).

Agnès Bousset ist Hochschulbeauftragte von CampusFrance, einem von Frankreich betriebenen Infobüro für Deutschland. Auch sie sieht die deutsch-französische Freundschaft als einen wichtigen Grund für ein Studium in Frankreich: "Zwischen Deutschland und Frankreich gibt es Partnerschaften auf allen Ebenen, politisch wie wirtschaftlich. Wer in beiden Ländern studiert hat, hat große Chancen auf dem Arbeitsmarkt." Außerdem erweitere ein längerer Studienaufenthalt den Horizont: "Im Ausland lernt man viel über sich selbst und über andere Kulturen. Nur nach einer Zeit in einem anderen Teil Europas versteht man auch die europäische Bewegung. Die Erfahrung, im Ausland gelebt zu haben, macht stärker."

2. Das französische Hochschulsystem

Der Autor dieses Artikels
Sebastian Horndasch ist Autor der beiden Studienführer Bachelor nach Plan und Master nach Plan, die bei Auswahl, Bewerbung und Finanzierung des Bachelor- beziehungsweise des Masterstudiums helfen. Er betreibt mit www.horndasch.net ein Blog, das sich vor allem mit Fragen der Studienwahl und der Bewerbung auseinander setzt. Sebastian hat in Erfurt Staatswissenschaften studiert und hat einen Master in Economic Development von der Nottingham University. Er promoviert derzeit im Bereich Bildungsökonomie.
Wie in Deutschland ist das Studium in Frankreich in drei Stufen eingeteilt: Die dreijährige Licence (Äquivalent zum Bachelor), der zweijährige Master sowie das etwa dreijährige Doctorat. Anders als in Deutschland gibt es an französischen Universitäten keinen NC. Warum der international unübliche Name "Licence"? Da "Baccalaureat" in Frankreich die Bezeichnung für das Abitur ist, hat man für den Bachelor im Rahmen des Bolognaprozesses die Bezeichnung "Licence" aus dem alten System übernommen.

Leider ist das französische Hochschulsystem sehr unübersichtlich, denn es gibt eine große Reihe von Hochschultypen und Besonderheiten. Am bekanntesten sind die klassische Universität sowie die Grande École. Doch es gibt noch mehr: Fachhochschulen für Maschinenbau, wirtschaftswissenschaftliche Schulen sowie spezialisierte Hochschulen für Kunst, Tourismus, Kommunikation, Gesundheit und so weiter. Wir beschränken uns in der Beschreibung auf die Universitäten, die Grandes Écoles und die Fachhochschulen.

Die Universität

Die französische Universität ähnelt in Grundaufbau und Organisation der deutschen. Meist gibt es drei Fachbereiche:
  • Droit, sciences politiques, économie et administration beinhaltet die Fachbereiche Recht, Wirtschaft, Politik und Verwaltungswissenschaften.
  • Im Bereich lettres, arts et sciences humaines studiert ihr die Geistes- und Sozialwissenschaften.
  • Bei sciences et technologies konzentriert man sich auf die Fächer Sportwissenschaften, Human- und Zahnmedizin, Informatik, Phamazie, Natur- und Ingenieurwissenschaften.
Die Grande École

Die ersten Grandes Écoles wurden nach der französischen Revolution geschaffen. Ziel war es, zum Aufbau des Landes hochspezialisierte Verwaltungskräfte und Ingenieure auszubilden. Ende des 19. Jahrhunderts kamen Handelshochschulen hinzu, die die Managementelite des Landes ausbilden. Es gibt viele Arten von Grandes Écoles. Diese lassen sich nicht alle bestimmten Kategorien zuordnen. Die häufigsten Arten von Grandes Écoles sind folgende:
  • Écoles Normales Supérieures – diese bilden in erster Linie Wissenschaftler verschiedener Disziplinen aus Ingenieurschulen wie die École Polytechnique
  • Instituts d’Études Politiques – Hochschulen für Politik und Verwaltung, wobei Sciences Po Paris die wichtigste und einflussreichste ist.
  • École des Etudes Commerciales – auf Management spezialisierte Grandes Écoles mit der HEC, der ESSEC Business School sowie der ESCP Europe als bekannteste Vertreter
  • Grandes Écoles Militaires – Elitehochschulen der Armee
Die meisten Grandes Écoles sind in der Hand der französischen Regierung. Ausnahmen bilden eine Reihe von Business Schools, die sich in privater Hand befinden.

Die Studiengebühren an Grandes Écoles variieren je nach Studienrichtung und nach Träger. An staatlichen Schulen liegen sie zwischen 800 und 5.000 Euro pro Jahr, an privaten können es bis zu 15.000 Euro sein.

Doch Vorsicht: Es gibt einige private Hochschulen, die sich "Grande École" nennen, aber keine staatlich anerkannten Abschlüsse verleihen. Clémence Barioz, Studienberaterin bei Campus France, warnt davor: "An solchen Schulen zahlen Studierende mitunter viel Geld für einen nicht anerkannten Abschluss. Man sollte sich nicht vom Titel ‚Grande École’ blenden lassen."

Spezialisierte Fachhochschulen - Écoles d'ingénieurs und andere

Neben Universitäten und Grandes Écoles besitzt Frankreich eine Reihe von spezialisierten Hochschulen, die sich in erster Linie an angehende Ingenieure und Betriebswirte richten. Viele Studierende, die es nicht an die Grande École geschafft haben, gehen dann auf eine dieser Hochschulen. Bei vielen dieser Hochschulen handelt es sich um private Einrichtungen, bei denen Studiengebühren fällig werden.

Die Abschlüsse

Die französischen Hochschulabschlüsse sind nicht exakt deckungsgleich mit denen in Deutschland. Folgende Abschlüsse sind am meisten verbreitet:

Abschluss Inhalt Dauer
Licence Äquivalent zum deutschen Bachelor Drei Jahre
Licence Professionnelle Praxisorientiertes Studium, inhaltlich der deutschen Ausbildung ähnlich. Drei Jahre
Master Recherche Theoretisch orientierter Master in Anschluss an die Licence. Zwei Jahre
Master Professionnel Praxisorientierter Master, als Voraussetzung reicht mitunter die Licence Professionnelle. Zwei Jahre
Doctorat Mit deutschen Doktortitel gleichzusetzen. Voraussetzung ist ein Master Recherche. Drei Jahre
Diplome d’Etat Abschluss im medizinischen Bereich sowie beim Architekturstudium. Ähnlich dem Staatsexamen. Je nach Studium

Im Master werden in der Regel im selben Fach sowohl Master Recherche als auch Master Professionnelle angeboten. Dabei studiert ihr im ersten Masterjahr gemeinsam und entscheidet euch dann für eine der beiden Varianten. Der Master Professionnelle ist dabei praxisorientierter.

Bei der Licence Professionnelle handelt es sich um einen sehr praxisorientierten Abschluss, der in der Regel ein ganzes Praxisjahr beinhaltet. Die Licence Professionnelle ist bei weitem nicht so verbreitet wie die "normale" Licence.

Ein französischer Hochschulabschluss ist in Deutschland übrigens in der Regel vollständig anerkannt. Logische Ausnahmen sind Studiengänge wie Jura, die sich auf eine ganz eigene Rechtstradition beziehen

3. Das Studium

Sebastian Horndasch

Klassische Architektur: Das Panthéon mitten im Universitätsviertel von Paris
In Frankreich zählt man nicht nach Semestern, sondern nach Studienjahren. Ein Studienbeginn zum Sommersemester ist in Frankreich in der Regel nicht möglich. Das Studienjahr beginnt im September und endet im Juni.

Das Studium ist in Frankreich weitaus verschulter als in Deutschland. Agnès Bousset berichtet: "Die Art und Weise des Unterrichts ist in Frankreich anders. Es gibt weniger Vorträge und Hausarbeiten, dafür mehr Frontalunterricht und mehr Prüfungen. Die Studierenden müssen in Frankreich fleißiger sein. Wenn französische Studenten nach Deutschland kommen, sind sie zunächst häufig verwirrt – so viele Fragen während der Vorlesung sind bei uns nicht üblich."

Nach dem in Frankreich geltenden Notensystem erhalten Studierende auf alle Arbeiten eine Punktzahl zwischen 0 und 20. Dabei wird aber nur ein Teil der Skala wirklich ausgenutzt: Unter 10 Punkten ist man durchgefallen, über 16 hat man eine eins und mehr als 18 Punkte kommen in der Realität kaum vor. Die französischen Noten und ihre deutsche Entsprechung findet ihr in der Tabelle. Dabei sei gewarnt: Übersetzungen von Noten sind nie hundert Prozent genau. Und wie in Deutschland bewerten auch französische Hochschulen je nach Fach unterschiedlich hart.

Note Französische Note Deutsche Entsprechung
16-20 Très bien Sehr gut
14-15,9 Bien Gut
12-13,9 Assez bien Befriedigend
10-11,9 Passable Ausreichend
6-9,9 Insuffisant Mangelhaft
0-5,9 Très insuffisant Ungenügend

An Universitäten ist das Studium in Frankreich zulassungsfrei. Das bedeutet aber nicht, dass ihr in Frankreich problemlos alle Fächer studieren könnt:
In besonders beliebten Fächern wie Medizin folgen extrem harte Prüfungen, mit denen ausgesiebt wird. Nur etwa 5% der Mediziner überstehen die Prüfungen am Ende des ersten Jahres, die sich stark auf auf Mathematik und Naturwissenschaften konzentrieren. Aber man kann zweimal wiederholen: Insgesamt werden etwa 20% zum zweiten Studienjahr zugelassen. Für viele ist das eine große psychische Belastung. "Nur die Härtesten kommen durch", so Agnès Bousset.

Wenn ihr euch für ein Gaststudium entscheidet – zum Beispiel im Rahmen eines Erasmus-Aufenthalts – müssen eure Prüfungsleistungen in Deutschland individuell von eurer Hochschule anerkannt werden. Die Schritte dafür sind von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Nach Erfahrungen von Agnès Bousset erkennen deutsche Hochschulen "etwa 80 Prozent" der in Frankreich erbrachten Studienleistungen an.

Gleichzeitig in Deutschland und Frankreich studieren

Eine Besonderheit zwischen Deutschland und Frankreich ist die Deutsch-Französische Hochschule (DFH). Dabei handelt es sich um keine physisch existierende Hochschule, sondern um einen Verbund von über 150 Mitgliedshochschulen aus Deutschland und Frankreich, die die Intensivierung der Zusammenarbeit in Forschung und Lehre zwischen Hochschulen beider Länder betreibt. Hauptaufgabe ist die Koordination von derzeit etwa 150 bi-nationalen Studiengängen. Bei diesen verbringt man zwei bis drei Semester des Bachelors an einer französischen Partnerhochschule und erhält am Ende zwei Abschlüsse. Besonders attraktiv: Während der Zeit in Frankreich kann man eine Förderung von bis zu 270 Euro pro Monat erhalten.

Die meisten deutsch-französischen Studiengänge werden von der DFH organisiert – doch es gibt auch Ausnahmen. Informationen dazu gibt es bei den Beratern von CampusFrance in Berlin.

4. Bewerbung und Zulassung

Fürs Studium in Frankreich müsst ihr in der Regel Sprachkenntnisse vorweisen. Diese unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule und von Studienweg zu Studienweg: Wer sich für einen Erasmus-Aufenthalt bewirbt, kommt mit weniger Kenntnissen aus als Bewerber für einen Master an einer Grande École. Sollten euch Kenntnisse fehlen, bietet sich der Besuch von Sprachkursen im Land an. Zwar gibt es eine Reihe von privaten Sprachschulen, hier zahlt man aber viel. Besonders günstig sind Sprachkurse direkt an den Hochschulen. Der DAAD führt eine Liste mit Sprachkursen an französischen Universitäten. Folgende Sprachniveaus gibt es:

Sprachniveau Bedeutung
A1 Elementares Niveau für Spracheinsteiger. Kurze Beschreibungen seiner selbst und der Umwelt sind möglich.
A2 Fortgeschrittene Fähigkeiten. Einfache Gespräche können geführt werden.
B1 Der Sprecher drückt sich unabhängig aus und kann auf überraschende Alltagssituationen reagieren.
B2 Der Sprecher ist in der Lage, Diskussionen zu führen und seine Fehler selbst zu korrigieren.
C1 Oberes Sprachniveau. Der Sprecher verfügt über einen großen Wortschatz und spricht stets flüssig.
C2 Nahezu perfekte Sprachbeherrschung, der Sprecher muss auch akademische Aufgaben lösen können und drückt sich stets gewandt aus.

Falls ihr ein Vollstudium in Frankreich anstrebt, könnt ihr zum einen über die jeweiligen Hochschulseiten nach Studiengängen suchen. Doch es gibt auch eine Suchmaschine zu diesem Zweck: Die Webseite von CampusFrance bietet eine komfortable Suchfunktion für alle Studiengänge in Frankreich.

Licence an Universitäten

Wer ein Abitur sowie die entsprechenden Sprachkenntnisse nachweisen kann, kann sich für jedes Universitätsprogramm einschreiben, inklusive Medizin. Wer dagegen nur ein Fachabitur besitzt, muss eine Sonderprüfung ablegen, das "Diplôme d’accès aux études universitaires" (DAEU). Diese Prüfung wird auf Antrag und in Absprache mit der jeweiligen Fakultätsleitung durchgeführt.

Die verlangten Sprachkenntnisse sind je nach Hochschule unterschiedlich. Meist wird B2 verlangt, an Grandes Écoles mitunter sogar C1. Falls ihr allerdings in der Schule den Französisch-Leistungskurs mit mindestens befriedigend bestanden habt, sind weitere Sprachtests nicht nötig.

Die Bewerbung an Universitäten findet mit Ausnahme der Studiengänge Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin sowie aller Pariser Universitäten direkt an den Hochschulen statt. Die Prozedur ist relativ einfach: Ihr schickt das Antragsformular zusammen mit beglaubigten und übersetzten Kopien eurer Zeugnisse und eurer Geburtsurkunde an die jeweilige Hochschule und wartet auf den Zulassungsbescheid. Die Fristen sind dabei unterschiedlich: Sie laufen meist von April bis Ende Juli – in Einzelfällen ist aber eine Einschreibung noch bis in den September hinein möglich. Informiert euch hierzu rechtzeitig an den jeweiligen Hochschulen.

Für alles andere: Admission Post Bac

Für alles andere – also für Grandes Écoles, Fachhochschulen, sonstige Hochschulen, Pariser Universitäten sowie die Studiengänge Medizin, Pharmazie und Zahnmedizin müsst ihr euch bei der Admission Post Bac bewerben. Die Fristen laufen dabei Mitte Januar bis Mitte März.

Bewerbt ihr euch an einer Grande École, müsst ihr einen Aufnahmetest, den Concours, bestehen. Auf Anhieb gelingt dies nur wenigen Hochbegabten. Die meisten belegen vorher für ein bis zwei Jahre so genannte Classes Preparatoires, in denen man sich intensiv auf die Aufnahmeprüfungen vorbereitet. Für diese meldet ihr euch ebenfalls über Admission Post Bac an.

Auch bei der Bewerbung für Fachhochschulen wird ein bestandener Concours vorausgesetzt – dieser ist aber nicht so schwer zu schaffen wie an den Grandes Écoles. Tatsächlich gehen viele erfolglose Bewerber von Grandes Écoles statt dessen an Fachhochschulen. Auch hier läuft die Einschreibung über Admission Post Bac.

Die Admission Post Bac wird aktuellen Planungen zufolge ab 2012 auch für alle Universitäten zuständig sein. Ähnliches ist in Deutschland schon lange in Planung. Die zentrale Studienplatzvergabe wird bei uns immer wieder aufgrund technischer Probleme verschoben (Studis Online berichtete).

Bewerbung für ein bi-nationales Studium

Wer sich für ein bi-nationales Studium interessiert, bewirbt sich ganz normal an der deutschen Partnerhochschule. Dabei sind die Zulassungsvoraussetzungen verschieden – oftmals müssen allerdings umfangreichere Bewerbungen geschrieben und/oder Eignungsprüfungen bestanden werden. Viele deutsche Hochschulen verlangen bei der Bewerbung nur ein Niveau von B1, was schaffbar ist.

Bewerbung für ein Gaststudium

Ein Gaststudium kann auf zwei Wegen organisiert werden: Als Erasmus-Austausch sowie als selbstorganisierter Auslandsaufenthalt. In ersterem Fall findet die Bewerbung über die eigene Hochschule statt. Hier müsst ihr euch über die jeweiligen Anforderungen direkt an eurer Hochschule informieren. Möglich ist auch eine direkte Bewerbung – die genauen Abläufe hängen allerdings von der jeweiligen Hochschule ab.

Bewerbung zum Master

Wie in Deutschland sind für den Master nicht selten Bewerbungsmappen notwendig (hier findet ihr eine Anleitung zum Anfertigen von Motivationsschreiben). Einige Hochschulen führen auch Bewerbungsgespräche. In den meisten Fällen allerdings bewerbt ihr euch nur mit euren Noten sowie einem Nachweis eurer Sprachfähigkeiten. Eine französische Besonderheit: Nach dem ersten Jahr folgt in der Regel eine Spezialisierung. Ihr könnt wählen, ob ihr einen praktisch ausgerichteten Master Professionnel machen wollt oder einen theoretischeren Master Recherche. Für diesen zweiten Teil müsst ihr euch noch einmal separat an eurer Hochschule bewerben.

5. Leben in Frankreich

Sebastian Horndasch

Weinreben in der Bordeaux-Region: Auch in der Provinz lässt sich gut studieren.
Wie in Deutschland lauten die Optionen in Frankeich Studentenwohnheim, Wohngemeinschaft und eigene Wohnung. Dabei ist wie bei uns das Studentenwohnheim meist die günstigste Option. Ab etwa 150 Euro monatlich ist ein Wohnheimzimmer erhältlich. Doch Vorsicht: Manche französische Wohnheime mischen sich allzu gerne in das Privatleben ihrer Bewohner ein und verhängen ein Besuchsverbot nach 22:30. Wer bei seiner neuen Flamme übernachten möchte, kann dies dann nur heimlich tun.

Wohngemeinschaften sind in Frankreich weniger verbreitet als bei uns, dennoch sollte es möglich sein, eine zu finden. Gute Adressen für die WG-Suche in Frankreich sind Colocation.fr, Appartager.com und colocation.letudiant.fr. Clémence Barioz von Campus France: "In den vergangenen Jahren hat die Anzahl an Leuten in Wohngemeinschaften zugenommen. Die WG ist aber in Frankreich nach wie vor nicht so typisch wie in Deutschland. Viele Studierende leben eher in Einzimmerwohnungen."

Die Mietniveaus sind in Frankreich mit unseren zu vergleichen – außer in Paris. Für weniger als 500 Euro ist dort innerhalb des Autobahnrings nicht einmal ein mikroskopisch kleines Zimmer zu bekommen. Und auch für 500 Euro solltet ihr euch auf einige Zumutungen während der Wohnungssuche gefasst machen. Agnès Bousset rät deutschen Bewerbern immer dazu, nicht nur auf Paris zu schauen: "In Paris sind die Mieten hoch und die Einschreibung ist schwieriger. Dabei gibt es in der Provinz ebenso gute Universitäten – bei günstigeren Lebenshaltungskosten. Der Blick über die Stadtgrenzen von Paris hinweg lohnt sich."

Victor Landenberger ist Praktikant bei CampusFrance in Berlin und hat Deutsch-Französische Studien in Bonn und Paris studiert. Er berichtet, dass das Studentenleben in Frankreich mit dem in Deutschland vergleichbar sei. "An den Grandes Écoles ist es dagegen mitunter hart."

CampusFrance stellt auf seiner Webseite umfangreiche Informationen zur Wohnungs- und WG-Suche in Frankreich zur Verfügung.

6. Das Studium finanzieren

Solltet ihr im Zentrum von Paris wohnen, wird es schwer sein, mit weniger als 1.000 Euro im Monat auszukommen. Studiert ihr dagegen anderswo, sind die Kosten in etwa vergleichbar mit denen in Deutschland. Agnès Bousset schätzt den Finanzbedarf auf etwa 700 Euro im Monat. Gründe dafür sind unter anderem zwei Vergünstigungen, auf die prinzipiell alle Studierenden in Frankreich Anspruch haben:
  • Jeder Student kann Wohngeld bei der Caisse d’Allocation Familiale (CAF) beantragen und erhält so vom Staat etwa ein Dritte seiner Miete. Einziger Haken: Gilt nicht bei Untermiete.
  • Für jährlich ca. 200 Euro erhalten Studierende eine Studentenversicherung, die Haftpflicht und Gesundheit abdeckt.
Es gibt eine große Reihe Fördermöglichkeiten für ein Studium in Frankreich. Die wichtigsten:
  • Das BAföG wird für deutsche Studierende auch vollständig im Ausland gezahlt – es gibt sogar noch leichte Zuschläge. Ausführliche Informationen dazu im Artikel Auslands-BAföG; eine Abschätzung erlaubt der BAföG-Rechner.
  • Der DAAD vergibt umfangreiche Stipendien für Studienaufenthalte, Praktika und Sprachkurse in Frankreich.
  • Das Deutsch-Französische Jugendwerk hat verschiedene Fördertöpfe für Studien- und Sprachaufenthalte in Frankreich.
  • Das Französisches Studentenwerk CNOUS fördert in erster Linie Studierende, deren Eltern ein geringem Einkommen haben. Daneben werden Stipendien für besonders gute Studienleistungen vergeben.
  • Das Bayerisch-Französische Hochschulzentrum vergibt Zuschüsse von 250 Euro pro Monat an bayerische Studierende, die nach Frankreich gehen.
Eine Reihe von weiteren Fördermöglichkeiten findet ihr auf der Webseite von CampusFrance Deutschland.

7. Weitere Informationen

Wer sich lieber persönlich informiert, kann sich an das Berliner Büro von CampusFrance wenden. Leiterin Agnès Bousset: "Wir beraten alle Interessierten ganz individuell und persönlich, per Email oder am Telefon."

CampusFrance Berlin
Kurfürstendamm 211
10719 Berlin
Telefon: 030 / 885 902 86
Fax: 030 / 885 902 87
WWW: http://www.studieren-in-frankreich.de
Email:

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