30.03.2011

Auslandsstudium
Studieren in China

China, ein Land der Gegensätze. Moderne und Tradition, Kapitalismus und Kommunismus und dazu unterschiedlichste Landschaften und Menschen. Ein Aufenthalt in China ist Chance und Herausforderung zugleich. Wir haben die wichtigsten Informationen für ein Auslandsstudium zusammengestellt.

Von Philipp Stegemann, internchina.org

Warum China?

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Wenn man das Wort "China" hört, assoziieren die meisten mittlerweile sogleich "Made in China", Massenproduktion und politische Unterschiede. Doch China hat mehr zu bieten. Neben der Tatsache, dass China mittlerweile zu einem immer wichtigeren Akteur auf der politischen wie auch auf der wirtschaftlichen Bühne wird (Experten streiten nur noch über den Zeitpunkt, wann die VR Amerika als Wirtschaftsnation Nummer 1 ablöst und nicht mehr ob es überhaupt geschieht), kann das bevölkerungsreichste Land der Welt auf eine mehr als 3500-jährige Geschichte zurückblicken und wird den Besucher mit interessierten und hilfsbereiten Menschen willkommen heißen. Die Chinesen sind sehr stolz auf ihre lange Geschichte und schätzen ihre reiche Kultur und Tradition. Mittlerweile gibt es eine sehr interessante Mischung aus Moderne und Tradition, welche dieses Land sehr facettenreich macht. Shanghai als Hafenstadt im Osten von China gilt als wirtschaftliches Zentrum und bedeutendste Industriestadt Chinas, wohingegen Peking im Nordosten die Rolle des kulturellen und politischen Zentrums übernimmt.

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Sehr abwechslungsreich ist ebenfalls die Geographie Chinas. Im Osten und Südosten befindet sich das Gelbe,- Ostchinesische- und Südchinesische Meer, der tropische Süden punktet mit ausgeprägter Flora und Fauna, der gesamte Westen wird durch seine hohen Bergmassive charakterisiert und für den Norden sind Steppen und Wüsten kennzeichnend.

Aber auch die Deutschen haben hier bereits vor über hundert Jahren ihre Spuren hinterlassen, als Sie die wunderschöne Küstenstadt Qingdao als Kolonie beanspruchten (von 1898 bis 1914) und die erste Brauerei in China eröffnet haben (1903). Noch heute erzeugen die erhalten gebliebenen deutschen Gebäude in Qingdao einen interessanten und spannenden Kontrast mit der chinesischen Architektur. Die Stadt ist mittlerweile ein bedeutendes Zentrum für den internationalen Handel und wurde im Jahr 2009 zur lebenswertesten Stadt in Festlandchina gewählt.

Das Bildungssystem in China

"Die Stärke und das wirtschaftliche Wachstum unseres Landes sind zunehmend abhängig von der Leistungsfähigkeit der Arbeitskräfte und der Quantität und Qualität der Intellektuellen. Unter der Voraussetzung eines guten Bildungssystems kann China, ein Land mit einer Milliarde Menschen, enorme intellektuelle Ressourcen ausschöpfen, die kein anderes Land aufweise kann" (Deng Xiaoping, 1986)

25 Jahre später umfasst die Bildungslandschaft in China ca. 2236 Hochschulen und Universitäten, die ca. 24 Millionen Studenten beherbergen. Das Bildungssystem zeichnet sich durch eine zentralistische Verwaltung aus, wobei verstärkt Dezentralisierungsprozesse zu beobachten sind. Die Wissensvermittlung unterliegt jedoch immer noch strengen Regelungen und auch die Professoren haben strikte Anweisungen. Die Unterrichtsform kann mit Anwesenheitskontrolle und Frontalunterricht immer noch als sehr verschult bezeichnet werden. Jedoch halten auch moderne Unterrichtsmethoden immer mehr Einzug. Vor einigen Jahren wurden Pflichtpraktika für Chinesische Studenten eingeführt, wobei sich bei Praktika in chinesischen Firmen oft noch der Unterschied zwischen marktwirtschaftlichem und kommunistischem Gedankengut zeigt und gerade ausländische Studenten dort viele unvermutete Herangehensweisen und eine unbekannte Unternehmenskultur kennenlernen. (Wer selbst ein Praktikum in China machen will, der findet dazu Infos im Artikel Ein Praktikum in China.)

Den Vorlesungen an Universitäten folgt am Ende ein meist 90 minütiger abschließender Test, dieser wird wie in Deutschland anhand einer Punkteskala bewertet. Derzeit studieren etwa 80.000 ausländische Studenten, davon etwa 4000 deutsche Studenten, an den Hochschulen China’s. Der Trend weißt jedoch stark nach oben. Um dem Rechnung zu tragen, werden vermehrt englischsprachig ausgerichtete Studiengänge eingeführt und angeboten. Die Strukturierung erfolgt ebenfalls nach dem Bachelor-Master Prinzip. Das Wintersemester beginnt in China im September und wird im Februar vom Sommersemester abgelöst. Im Juli gibt es 2 Monate Semesterferien.

Nachfolgend eine kleine Übersicht von Universitäten, die in China und im Ausland einen besonders guten Ruf genießen:
  • Beida Universität in Peking
  • Beiwa Universität in Peking
  • Tongji Universität in Shanghai
  • Shanghai National Studies University
  • Nanda Universität in Nanjing
Weitere Information zum Studium in China findet man hier.

Studiengebühren

Ausländische Studierende zahlen für private als auch für staatliche Hochschulen Studiengebühren. Diese liegen, je nach Fach und Hochschule, bei 500 - 5000 € pro Jahr für ein Bachelor-Vollzeitstudium. Bei Inanspruchnahme eines Austauschprogrammes, können die Gebühren entfallen. Für ein MBA werden bis zu 8000 € verlangt, englischsprachige Studiengänge sind teurer (Quelle: DAAD, Stand Februar 2011).

Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, eine Förderung für das Studium in China zu erhalten.
  • Das Auslandsbafög greift auch in China (aktueller Auslandszuschlag siehe hier).
  • Eine grundlegende Finanzierung kann ebenfalls ein Bildungskredit ermöglichen.
  • Konfuzius-Institute bieten z.B. Stipendien an, hier kann man bei einer Bewerbung aus einer Liste 3 Wunschstädte angeben. Einer diese Städte wird dem Studenten dann zugewiesen.
Weiterhin (Aufzählung nicht abschließend):
  • DAAD
  • Erasmus
  • Studienstiftung des deutschen Volkes
  • Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und
  • Bosch-Stiftung
Anerkennung von Studienleistungen

Laut einem Abkommen zwischen China und Deutschland im Jahre 2002 über die Gleichwertigkeit im Hochschulbereich, lassen sich Leistungen generell anerkennen. Hier ist man jedoch auf der sicheren Seite, wenn man sich im Vorfeld nochmals beim jeweiligen Auslandsamt der Hochschule z.B. auch über bestehende Partnerschaften informiert. Einige deutsche Hochschulen verlangen einen HSK-Sprachentest zur Anerkennung, bei anderen reicht die Vorlage der Teilnahmebescheinigung der Vorlesung.

Lebenshaltungskosten

Abseits der touristischen Hochburgen wie Shanghai und Peking, wo sich die Preise schon den europäischen annähern und es keine Grenze nach oben gibt, kann man ein sehr günstiges Leben führen. Busfahrten für wenige Cents, sowie Mittagessen im Restaurant für durchschnittlich 1-2 Euro sprechen definitiv den Geldbeutel des Studenten an. Große internationale Supermarktketten mit einer Auswahl an importierten Sachen findet man in jeder größeren Stadt. Sollte man z.B. einen der vielen Märkte besuchen ist Feilschen angesagt, denn manchmal lässt sich der Preis sogar um bis zu 90% drücken. Generell lässt sich sagen, dass man als Student mit 350-400 € im Monat bequem leben kann.

Sprachkenntnisse - Sprachkurse

Grundsätzlich bietet es sich an, die wichtigsten Schriftzeichen (Adressen, Nahrungsmittel etc.) stets mit sich zu führen oder am besten zu lernen. Denn viele Chinesen, speziell die älteren Generationen (und Taxifahrer), sprechen meist kein Wort Englisch. Bei den jüngeren Chinesen sind Englischkenntnisse weiter verbreitet. Sollte man länger in China verweilen und weiter in chinesische Kultur eintauchen wollen, bietet sich das absolvieren eines Sprachkurses an. Diese werden nahezu überall angeboten (speziell auch an Universitäten), variieren aber zum Teil stark im Preis. Bei einem Aufenthalt von mehreren Monaten bieten sich Kurse an, die innerhalb einiger Wochen eine Art "Überlebenschinesisch" vermitteln, um im Alltag zurecht zu kommen. Immer mehr junge Ausländer kommen nach China, um an Universitäten, aber vor allem auch an privaten Sprachschulen (die sich oft besser auf das differenzierte Herangehen der Ausländer an die chinesische Sprache verstehen) ihr Chinesisch zu verbessern oder es von Grund auf zu erlernen.

In der Freizeit

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Kosmopolitische Städte wie Peking oder Shanghai bieten eine Fülle an verschiedensten Aktivitäten, aber auch kleinere (Millionen-)Städte haben ihre kulturellen und modernen Highlights. Aufgrund günstiger Flugverbindungen innerhalb von China, kann man auch mal ein Wochenende nutzen, um mehr von Land und Leuten zu sehen. Mietwagen werden aufgrund spezieller Bestimmungen für Ausländer in China nur mit Fahrer angeboten. Zugfahrten sind generell die günstigste Möglichkeit, Tickets sollten jedoch ca. 3 Tage im Voraus gebucht werden, da dies am Abreisetag nicht mehr möglich ist. Man sollte sich jedoch auf starke Kontraste einstellen, denn China ist nach wie vor ein Entwicklungsland.

Wohnen

Die Mieten in Wohnungen sind generell preiswert, für ein Doppelzimmer in einem Wohnheim werden ca. 120-180 € pro Monat fällig. Man wird jedoch meist in einem "Ausländerwohnheim" untergebracht und wohnt nicht mit chinesischen Studenten zusammen (die sich meist ein Zimmer mit 4-8 anderen Studenten teilen). Auf eigene Faust eine Wohnung zu suchen gestaltet sich als sehr schwierig bis unmöglich, wenn man keine Unterstützung von chinesischer Seite hat und nicht über ausreichende Kenntnisse der Sprache verfügt. Eine 1-Zimmer Apartment außerhalb der Universität bekommt man ab einem halben Jahr ab ca. 230 €, wobei der gesamte Betrag im ersten Monat fällig wird. Desweiteren fallen noch die üblichen Nebenkosten an, die man meist selbst an verschiedene Banken entrichten muss. Die Mieten in Shanghai und Peking, aber auch in teureren "Second-Tier-Städten" wie Shenzen oder Qingdao (beliebtestes Reiseziel in China während des Sommers) liegen weiter oberhalb der genannten Preise.

Visum

Je nach Art und Dauer des Aufenthaltes, gibt es verschiedene Visa. Der Grund der Reise muss stets angegeben werden. Für kurze Studienaufenthalte unter 6 Monaten muss ein "F"-Visum beantragt werden, für Aufenthalte bis zu einem Jahr das "X"-Visum. Weiterhin gibt es "multiple entry visa", hier muss z.B. nach einer Reise nach Hong Kong kein neues Visum beantragt werden. Das Visum kann frühestens 50 Tage vor Abreise beantragt werden, die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt bei 4 Tagen, kann aber länger dauern, eine Expressbearbeitung ist gegen Aufpreis ebenfalls möglich. Weitere Infos sowie einen Antrag gibt es hier. Generell bietet es sich an, dies über eine Agentur laufen zu lassen, falls man in Berlin oder Frankfurt nicht persönlich vorstellig werden kann/möchte. Zu beachten ist ebenfalls, dass man sich nach Ankunft innerhalb von 24 Stunden bei der nächsten Polizeistation registrieren muss, da ansonsten teils empfindliche Strafen fällig werden können. Bei Aufenthalten über einem halben Jahr, siehe "Krankenversicherung und Impfungen".

Krankenversicherung und Impfungen

Eine Auslandskrankenversicherung sollte unbedingt abgeschlossen werden. Informationen bezüglich Impfungen findet man bspw. hier. Zu beachten ist desweiteren, dass bei einem Aufenthalt von über einem halben Jahr ein Gesundheitstest abgelegt werden muss, der unter anderem einen Aids-Test umfasst.

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