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Nautik: Arbeitsplatz Ahoi!

Wer Nautik studiert, hat gute Chancen, gleich nach dem Studium einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden – auf See oder auf dem Festland. Voraussetzung: Gute Mathekenntnisse, gute Englischkenntnisse, eine hervorragende Grundkondition und ein belastbares Gemüt.

Von Anne-Ev Ustorf

Leuchtturm
(Foto von Oliver Iost)
Derzeit gibt es an deutschen Hochschulen einen Run auf nautische Studienplätze – kein Wunder, denn die beruflichen Aussichten für Nautik-Studierende sind besser als nur gut. Sie sind hervorragend. Weltweit fehlen 30.000 gut ausgebildete Nautiker, in Deutschland gibt es 700 bis 1000 freie Stellen. Denn das Geschäft mit dem Seehandel boomt: Der Warenaustausch zwischen den Kontinenten wird heute zu 98% von Container-Schiffen erledigt, rund 60% aller Importprodukte nach Deutschland werden auf dem Seeweg eingeführt.

Doch am Personal wird es langsam knapp: „Von den derzeit circa 7000 beschäftigten nautischen und technischen Offizieren ist die Hälfte 50 Jahre und älter und wird in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand wechseln“, so Hans-Georg Benver, Berufsberater für Schifffahrtsberufe bei der Zentralen Heuerstelle Hamburg, „Daraus ergibt sich ein erheblicher Nachwuchsbedarf“. Auch Werner Dreyer vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium stimmt dem zu: „Die Seefahrtsschulen berichten übereinstimmend, dass die fertigen Schiffsoffiziere in der Regel unverzüglich einen Arbeitsplatz erhalten“.

Für Martin Brandt lag der Traum, später mal Kapitän zu werden und auf dicken Pötten über die Weltmeere zu fahren, dennoch für viele Jahre in weiter Ferne. Der Bremer entwickelte in seiner Kindheit ein Augenleiden, dass es ihm verbot, eine Kapitänslaufbahn einzuschlagen. Wer heute auf Schiffen anheuert, muss weder aussehen wie Kapitän Iglu aus der Fischstäbchen-Werbung noch wie der spinatfressende Matrose Popeye – aber er muss gesund sein, gut hören und gut sehen können, das ist Voraussetzung. Also ließ sich der Bremer im Hamburger Hafen zum Speditionskaufmann ausbilden, um wenigstens so seinen Schiffen nahe sein zu können.

Mit 29 Jahren dann schlug das Glück zu: Martin Brandt erhielt die Chance, sich einer revolutionären Augenoperation zu unterziehen, die seine Sehfähigkeit wieder vollständig herstellen würde. Er packte sie – und nahm wenige Monate später sein Studium der Nautik an der Fachhochschule Oldenburg / Ostfriesland / Wilhelmshaven (OOW) am Standort Elsfleth auf. Nautik-Studierende werden in Deutschland grundsätzlich an Fachhochschulen ausgebildet. Drei FHs in Deutschland bieten Studiengänge in Nautik an: Neben der OOW noch die Hochschule Bremen und die Hochschule Wismar.

Wer sich dort bewirbt, sollte ein paar Voraussetzungen mitbringen: Die Hochschul- oder Fachhochschulreife, eine exzellente körperliche und seelische Gesundheit und eine Affinität zu Wirtschafts- und Naturwissenschaften. Denn das Nautikstudium ist ein klassisches Ingenieurstudium: Auf dem Lehrplan stehen Mathe, Physik, Chemie, BWL, Maschinentechnik, Meteorologie - und natürlich Navigation. „Wer in Mathe und Physik gerade so durch die Schule gekommen ist, sollte sich seinen Studienwunsch lieber noch mal überlegen“, empfiehlt Martin Brandt.

Nun steht er kurz vor dem Diplom. Dass die Seefahrt das Richtige für ihn ist, weiß der 33jährige spätestens seit seinem sechsmonatigen Pflichtpraktikum an Bord eines großen Containerschiffes, während dessen er halb um den Globus fuhrt. Das Wasser, die Weite, das multikulturelle Team – für Martin Brandt die Erfüllung eines lebenslang gehegten Traums. Und seine kaufmännische Lehre war auch keine vertane Zeit: „Als Schiffsoffizier hat man heute jede Menge Verwaltungsarbeit zu leisten“, weiß er, „Da kann ich meine Berufspraxis bestens gebrauchen“.

Nach dem Studium steht ihm eine Laufbahn als Technischer Wachoffizier, Nautischer Offizier oder sogar Kapitän frei – Schritt für Schritt müssen die Anwärter sich ihre Patente erwerben. Im Schnitt dauert es fünf Jahre reiner Seefahrtzeit, bis das Kapitänspatent erworben werden kann. Die Investition lohnt sich aber: Ein Kapitän verdient monatlich zwischen 4600 und 5100 Euro brutto. Das Gehalt wird natürlich auch gezahlt, wenn der Kapitän Zuhause an Land weilt – gar nicht so selten, denn für jeden Monat erhält ein Kapitän elf bis dreizehn Tage Urlaub. Als Entschädigung für den Vollzeit-Job auf See, der ziemlich anspruchsvoll ist: Der Captain manövriert und navigiert das Schiff, organisiert Wache und Sicherheit, managt Verwaltung, Personalführung und Ausbildung.

Doch auch für Landratten kann es sich lohnen, ein Nautik-Studium zu beginnen. Denn es gibt auch auf dem Festland eine Menge Beschäftigungsmöglichkeiten für Nautiker: Im Logistik- und Speditionsgewerbe, als Sachverständige oder Gutachter, als Inspektoren in Reedereien, als Lotsen oder beim Zoll finden sich viele Jobmöglichkeiten. Eines ist jedoch in diesem Beruf unabdinglich: Gute Englischkenntnisse. Nur ein Teil der Crew auf Containerschiffen ist deutsch, den größten Teil der Besatzung machen Asiaten, Russen oder Südamerikaner aus. Bordsprache ist immer englisch. „Wer kein englisch spricht, kann den Beruf im Prinzip vergessen“, erklärt Martin Brandt, „Die gesamte Verständigung zwischen den Nationalitäten läuft auch Englisch“. Der Bremer findet das wunderbar. Selbst auf hoher See, kein Land in Sicht, haben die Seeleuten so immer ihren Liebslingsduft in der Nase – den Geruch der großen, weiten Welt.




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