Akademisierung bei den Erzieherinnen schreitet voran
Erziehung und Bildung im Kindesalter
Seit 2004 die Alice-Salomon-Fachhochschule als erste deutsche Hochschule mit »Erziehung und Bildung im Kindesalter« einen grundständigen Studiengang für Erzieherinnen anbot, ist die Diskussion über die Zukunft der Erzieherinnenausbildung in der Bundesrepublik nicht mehr abgerissen. Fast 30 Studiengänge für Frühpädagogik werden inzwischen an Hochschulen sowie kirchlichen und nichtkirchlichen Fachhochschulen angeboten.Von Tessa C. Hermann, Dipl.-Sozialpädagogin
![]() Dieser Artikel erschien zuerst in Erziehung und Wissenschaft (Heft 09/2007), der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Wir danken der Redaktion und der Autorin für die Genehmigung, den Artikel auch bei Studis Online publizieren zu dürfen. |
Von den 28 Studiengängen sind die meisten Präsenzstudiengänge in Vollzeit, die mit einem Bachelor of Arts abschließen. Die Studieninhalte sind modularisiert und werden mit Credit Points (»Anrechnungspunkte«) nach dem European Credit Point System (ECPS) bewertet, so dass sie auch im europäischen Ausland gültig sind. Das Studium dauert zwischen sechs und acht Semestern. Dabei sind viele Studiengänge de facto nur auf zwei Jahre angelegt, weil die ersten beiden Semester der Fachschule angerechnet werden.
Bislang gibt es elf Studiengänge (z.B. FH München und FH Dresden), die auch als berufsbegleitender Studiengang in Teilzeit oder mit Fernstudienanteilen konzipiert sind wie der Fernstudiengang »Bildungs- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit« der FH Koblenz in Remagen. Die Zugangsvoraussetzungen verlangen häufig berufliche Vorkenntnissen, d.h. ein Abschluss als Erzieherin mit staatlicher Anerkennung muss mitgebracht werden, außerdem die allgemeine, fachgebundene oder Fachhochschulreife.

(Bild © Monika Adamczyk - Fotolia.com)
Inhaltlich gibt es bei den angebotenen Studiengängen bundesweit Übereinstimmung über grundlegende Studienziele, Arbeitsfelder und den Erwerb von Kompetenzen für Bildung und Erziehung von Kindern im Alter bis zu zwölf bzw. 14 Jahren.
Nicht nur klassisch
Typische Studieninhalte sind zum einen der Erwerb von Kompetenzen für Leitungsaufgaben, zum anderen Didaktik und Methodik sowie wissenschaftliche Arbeitsweisen, ferner Bildungsthemen und -bereiche. Auch Hirnforschung, Pädagogik und Lernpsychologie sind wichtige Themen in der akademischen Ausbildung. Zu den Studienbereichen kirchlicher Fachhochschulen zählt zudem der religionspädagogische und -didaktische Kompetenzerwerb. Lernen, mit Heterogenität umzugehen, oftmals auch unter dem Obergriff »Inklusion« zusammengefasst, steht ebenso auf der Agenda der Hochschul-Lehrpläne.

(Bild © Monika Adamczyk - Fotolia.com)
Dass seit dem Sommersemester 2007 teilweise hohe Studiengebühren von 500 Euro plus Verwaltungs- und Semesterbeiträge die Studiermöglichkeiten erheblich einschränken, ist bei den geringen Erzieherinnengehältern besonders skandalös. Aber man darf sich trotzdem auf eine neue Generation akademisch ausgebildeter »Kindheitswirtinnen« freuen, die eine qualitativ andere Startposition als in der Vergangenheit für den Beruf mitbringen.
Weitere Informationen im Internet
- Liste aller Hochschulen, die Studiengänge in Richtung "Erziehung und Bildung im Kindesalter" anbieten (Studis Online Datenbank)
- Ausführliche Broschüren (PDFs) von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zum Thema "Erziehung und Bildung im Kindesalter"
- Internetportal "Frühpädagogik studieren!"
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