Studienfächer
Stimmt die Chemie?
Die Geschichte der modernen Chemie reicht bis zurück ins Mittelalter. Damals war es das Ziel, aus Blei Gold herzustellen. Die Alchemisten, die über Jahrhunderte an diesen Versuchen verzweifelten, kann man durchaus als Vorväter der neuzeitlichen Chemie betrachten. Nur das aus der Suche nach dem Universalen, heute die Suche nach der Unterschiedlichkeit in den Elementen geworden ist. Und dieses Streben wirft, wenn man das mal so schreiben darf, weitaus mehr Gold ab. Ausgebildete ChemikerInnen gehören zu den begehrten Kräften auf dem Arbeitsmarkt und haben, ganz unabhängig von Geld und Karriere, ein spannendes und Praxis nahes Studium hinter sich.Von Thomas Delecat

© Yuri Arcurs - Fotolia.com
Im ChemielaborInhalt des Studiums
Die Kerninhalte der Chemie selbst unterteilen sich in verschiedene Schwerpunkte. Diese überschneiden sich gegenseitig und stellen nur die verschiedenen Perspektiven dar, mit denen man an chemische Fragestellungen herangeht. Die wohl wichtigste Trennung stellt die zwischen der organischen und der anorganischen Chemie dar. In letzterer befassen sich die StudentInnen und WissenschaftlerInnen mit allen Elementen und ihren Verbindungen, mit Ausnahme des Kohlenstoffs. Dieses ist bekanntlich die Grundlage allen irdischen Lebens und bekommt daher in der organischen Chemie eine Sonderrolle.
Eine weitere, wichtige Perspektive bzw. Teildisziplin ist die physikalische Chemie. Hier versucht man mit Hilfe physikalischer Gesetze besser die Grundlagen der Chemie zu verstehen. Begriffe wie Bindungslehre, Thermodynamik oder Kinetik spielen hier eine wichtige Rolle. Sehr eng damit verbunden ist die theoretische Chemie, die versucht zu verstehen, warum verschiedene Elemente miteinander Bindungen eingehen, welche Kräfte dabei eine Rolle spielen und wieso bestimmte Reaktionen (beispielsweise eine Explosion) dabei entstehen.
Die analytische Chemie wiederum ist das Fachgebiet für alle, die gerne mit Zahlen jonglieren. Oder um es mal sehr, sehr platt zu sagen (jeder studierte Chemiker möge an dieser Stelle kurz beide Augen zudrücken): Einer/m analytischen ChemikerIn drückt man eine Dose Pflanzenschutzmittel in die Hand und sie/er wird herausfinden, welche Substanzen, Stoffe und zuletzt Elemente da in welchem Mischungsverhältnissen vorkommen. Davon ausgehend hat die angewandte Chemie einen besonders wichtigen Standpunkt innerhalb der Chemie. Denn sie versucht all das, was in den Laboren und in den Köpfen von ChemikerInnen entsteht, für den Alltag und die menschlichen Bedürfnisse nutzbar zu machen.
Mit der Chemie verwandte Studiengänge
Ausgehend von der angewandten Chemie kann man an einigen deutschen Hochschulen sehr speziell auf einzelne Fragen zugeschnittene Studiengänge studieren. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Lebensmittelchemie. Von der Analyse der chemischen Zusammensetzung der Lebensmittel über die Haltbarmachung bis zur geschmacklichen Verfeinerung lernt der/die StudentIn hier, was es im Umgang mit »unser tägliche Brot« zu beachten gilt. Und weil diese Tätigkeit mit einer sehr hohen Verantwortung einhergeht, wird man am Ende auch staatlich geprüft, ehe man als LebensmittelchemikerIn arbeiten darf. Die jeweiligen Ausbildungs- und Studienverordnungen der einzelnen Bundesländer regeln diese Prüfungen.

© Yuri Arcurs - Fotolia.com
Stimmt die Mischung?Studienalltag
Das Chemiestudium ist eine spannende Mischung zwischen Theorie und Laborarbeit. Letztere nimmt einen großen und wichtigen Platz während der Ausbildung ein und unterscheidet die Chemie dadurch von vielen anderen Fächern, die man an einer Hochschule lernen kann. Ein ruhiges Händchen, keine Angst im Umgang auch mit gefährlichen Chemikalien und natürlich die Begeisterung, im Reagenzglas oder Erlenmeierkolben eine Reaktion zu beobachten, sind hier Grundvoraussetzung.
Als StudentIn sollte man zudem gute Nerven und einen langen Atem beweisen. Es wird an vielen Hochschulen bewusst in den ersten beiden Semestern versucht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das erste Studienjahr wird daher besonders überfrachtet und lernintensiv sein. Das ist kein böser Zug der Hochschule, sondern dient der eigenen Orientierung. Wer in dieser Zeit merkt, das Chemie irgendwie doch nicht »seine Sache« ist, braucht kein schlechtes Gewissen haben, wenn er über einen Studienwechsel nachdenkt. Man sollte sich davon aber auch nicht zu sehr abschrecken lasse. Wer ein gesundes Interesse an der Materie besitzt und nicht völlig auf den Kopf gefallen ist, wird auch das »böse« erste Jahr überstehen.
Ein Chemie-Studium beginnt immer im Wintersemester. Beworben wird sich bei den jeweiligen Hochschulen. Eine zentrale Vergabe wird derzeit nicht praktiziert. Welche Hochschule Chemie oder ein mit ihr verwandtes Studienfach anbietet, kann man z.B. der Hochschuldatenbank von Studis Online entnehmen.
Studienabschlüsse
In der Form hingegen wird’s es schon etwas komplizierter. Denn zur Zeit (2008) kann man Chemie sowohl als Diplom- als auch als Bachelorstudiengang studieren. Letzterer wird dabei die allgemeine Regel sein, denn im Zuge der »Harmonisierung« der europäischen Hochschullandschaft (Stichwort: »Bologna-Prozess«), wird man spätestens im Jahre 2010 nur noch Bachelor- und die darauf aufbauenden Masterstudiengänge vorfinden. Schon jetzt wird man kaum noch irgendwo Chemie auf Diplom studieren können.
Im dreijährigen Bachelor Studium (BA) wird man mit den wichtigsten Grundlagen der Chemie vertraut. Organische und anorganische Chemie stehen hier genauso auf dem Stundenplan wie Mathematik, Physik und analytische Chemie. Ferner hat man die Möglichkeit, die eigenen EDV Kenntnisse zu erweitern und sich in die für Chemie relevanten Vorschriften und Gesetzestexte einzuarbeiten. Ein Bachelor-Abschluss ist der erste, akademische Titel den man erringt und sehr berufsbezogen.
Der darauf aufbauende zweijährige Master (MA) bietet dann die Spezialisierung, die später auch mit einer besseren Bezahlung einhergeht. Für einen Master muss man sich allerdings erneut bewerben und es besteht die Gefahr, keinen Platz zu bekommen. Dies ist ein Filter, der nicht ganz unbeabsichtigt im BA/MA System eingebaut wurde. Im Masterstudium kann man vertieft in Teilbereiche wie Biochemie, theoretische Chemie, Umweltchemie, Nuklearchemie etc. einsteigen. Der Master ist der nächste akademische Titel, den man erreicht und auf die Arbeit in der Wissenschaft ausgerichtet.
Wer später sein Glück in der Wissenschaft suchen möchte sollte zudem über eine anschließende Promotion nachdenken. Hier hat man drei Jahre Zeit, sich sehr intensiv mit einem speziellen Thema auseinander zusetzen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu erringen und alles in einer Doktorarbeit niederzuschreiben.
Berufsaussichten
Etwa ein Viertel des deutschen Bruttosozialproduktes, also des Wohlstandes hierzulande, hängt mit Produkten und Dienstleistungen der chemischen Industrie zusammen. Und Fachkräfte sind hier schon heute eine Mangelware. Da aufgrund der viel beschworenen, demografischen Entwicklung zunehmend ältere Chemiker in Rente gehen werden, kann man auch halbwegs sicher davon ausgehen, dass die Nachfrage in Zukunft eher noch steigen wird. Je höher die Ausbildung einer/s Chemiker/s, desto höher ist i.d.R. auch ihr/sein Einstiegsgehalt und ihre/seine Aufstiegschancen. Wer »nur« einen Bachelor-Abschluss in der Tasche hat, muss deshalb mit Gehaltseinbußen rechnen. Außerdem wird er in rein wissenschaftlich ausgerichteten Tätigkeiten immer die Rolle als »Hilfskraft« einnehmen. Reine BA StudentInnen werden daher eher in der freien Wirtschaft gute Jobs finden.
Neben der Arbeit als WissenschaftlerIn wird ein/e ChemikerIn vor allem in den Branchen der Klebstoffhersteller, der Wachmittelindustrie, der Nahrungsmittelindustrie, der Ölindustrie, der Glas- und Keramikindustrie sowie in öffentlichen Einrichtungen Arbeit finden. Ohne das jetzt überdramatisieren zu wollen, sollte man sich als ChemikerIn aber auch immer seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein. In einigen Firmen kann die eigene Arbeit die Interessen der Rüstungsindustrie tangieren, auch die Umwelteinwirkungen der Chemie sind immer ein Problem und man sollte sich möglichst früh schon damit auseinandersetzen, ob man entsprechende Jobs erstrebenswert findet (man kann sich ja auch aktiv für Verbesserungen einsetzen!) oder hier lieber die Finger von lässt (der Kampf für Verbesserungen kann auch frustrierend sein, wenn alles langsamer vorangeht).
Fazit
Das Chemiestudium stellt einen interessanten Mix aus Theorie und Praxis dar. Die späteren Berufssaussichten sind (sehr) gut. Das Studium fordert den/die einzelnen Studenten/in und wird nur bei entsprechender Interessenslage wirklich erfolgreich sein. Wer Chemie hingegen als reines Karrierefach studieren möchte, könnte schnell an seine eigenen Grenzen stoßen. Der Ausgangspunkt aller Überlegungen ist immer die Frage nach den Elemente und ihre Wechselwirkungen untereinander. Hierfür ist eine eigene Methodik und eine eigene »Sicht« auf die Dinge erforderlich, die den Chemiker grundlegend von BiologInnen, PhysikerInnen und MathematikerInnen unterscheidet, obwohl diese Disziplinen einander oft zuarbeiten.
Literatur+»Basteltipp«
Chemie für Ahnungslose. Eine Einstiegshilfe für Studierende (ISBN 3-7776-1573-0) »
Dieses Buch richtet sich sowohl an Schüler- als auch an StudienanfängerInnen. Es werden kurz, schnörkellos aber sehr verständlich die Grundlagen der Chemie erklärt und auf Zusammenhänge mit anderen Fächern oder Teildisziplinen verwiesen. Wer sich für das Chemie Studium entschieden hat, aber noch den langen Sommer auf die ersten Vorlesungen wartet, kann in diesem Buch gut schmökern.
Der Chemiekasten
Einige kennen ihn vielleicht noch aus ihrer Kindheit. Ohne jetzt Namen von bestimmten Herstellern nennen zu wollen, ist ein Chemiekasten sicher ein netter und spielerischer Weg, sich der Materie und späterer Laborpraxis zu nähern. Chemische Substanzen, Säuren, Laugen, Teststreifen, Reagenzgläser u.ä. sind hier samt »Rezeptbuch« vorhanden und helfen, einen ganz eigenen Zugang zur Chemie zu finden.
Weitere Informationen
- BundesFachTagung der Chemiefachschaften »
Die Chemie-Fachschaften vor Ort treffen sich einmal im Semester zu einer bundesweiten Tagung, um sich über aktuelle Themen rund ums Chemiestudium auszutauschen. Die Webseiten bieten diverse Materialien (»Äußerungen«, »Projekte«), die durchaus lesenswert sind.
www.bufata-chemie.de - »Chemie studieren« – Gesellschaft deutscher Chemiker »
Umfangreiche Beschreibung des Studiums, der Inhalte und der späteren Berufsaussichten. Auf über hundert Seiten hat hier die Gesellschaft deutscher Chemiker die wohl umfassenste Beschreibung des Chemiestudiums zusammengestellt, die man als »Anfänger« finden kann.
www.gdch.de/bub/chemstu.pdf - Im Bio/Chemie-Forum unserer Webseite finden sich viele »erfahrene« StudentInnen, die meist immer eine gute Antwort auf sehr spezielle Fragen haben. »
www.studis-online.de/Fragen-Brett/list.php?104
Diese Seite verlinken »








