Deutsche Bildung
Die Deutsche Bildung vergibt seit September 2007 Studienförderungen.
Wie auch bei einigen anderen in Form eines Bildungsfonds organisierten "Studienförderungen" wird neben der eigentlichen Studienfinanzierung auch inhaltliche Unterstützung ("Guidanca-Programm") geboten. Was ja sogar die Chancen auf den beruflichen Erfolg steigern dürfte - und somit auf höhere Rückzahlungen (=Renditen für die Investoren in den Fonds).
Quelle: Pressemitteilung Deutsche Bildung vom 01.08.2009.
Es werden im Rahmen der inhaltlichen Unterstützung (Guidance-Programm) "Online- und Live-Leistungen" geboten. Diese umfassen online Info-Center, Forum, Expertensessions und Vermittlung von Praktika, Diplomanden-/Promotionsstellen und Einstiegsjobs). "Live" gibt es Vorträge und Workshops zu Themen wie Sozialkompetenz (Rhetorik, Präsentationstechniken etc.) und erfolgreiches Studieren und Bewerben (Lerntechniken, Vorstellungsgespräche etc.). Zusätzlich wird ein Tutor- und Mentorenprogramm sowie ein jährliches Symposium angeboten.
Da die Konditionen individuell ausgehandelt werden, sollte man sehr genau prüfen, ob ein konventioneller Kredit u.U. nicht doch günstiger scheint. Auch die Bedingungen für Sonderfälle (Abbruch des Studiums, auf Dauer kein Einkommen nach dem Studium) sollte man gut bedenken.
| Konditionen im Überblick (Stand 21.01.2008, ohne Gewähr!) | |
| Das Darlehen | |
| Monatliche Höchstrate | 1000 € (Einmalzahlungen können auch höher sein, müssen aber begründet sein) |
| Dauer | In der Regel 36 Monate (Weiterförderung danach muss speziell beantragt werden) |
| Einschränkungen | Zweistufiges Auswahlverfahren. |
| Besonderheit | Die Gesamtfördersumme soll 30.000 Euro nicht überschreiten (in Ausnahmefällen ist mehr möglich). |
| Die Rückzahlung | |
| Zinssatz/ Ratenhöhe | Kein Zinssatz auf erhaltenes Geld, also auch keine feste Ratenhöhe. Stattdessen wird ein Rückzahlungsprozentsatz auf das Einkommen nach dem Studium in Abhängigkeit von Darlehenshöhe und Rückzahlungsdauer kalkuliert. In den Beispielen werden Prozentsätze von 3,7% bis 9,8% genannt (bezogen auf das Bruttoeinkommen). Wobei keines der Beispiele eine Vollförderung für das ganze Studium umfasste, sondern teilweise nur 300 Euro für 12 Monate. |
| Dauer | 2 bis 7 Jahre |
| Beantragung | |
| www.deutsche-bildung.de | |
Einschätzung von Studis Online (Stand 20.08.2009)
Finanziert wird ein Bildungsfonds durch Investoren, die Geld in einen eigens dafür geschaffenen Fonds einzahlen. Aus ihm werden die monatlichen Beträge für die Studierenden entnommen, aber auch die Kosten für die "inhaltliche Unterstützung". Durch die spätere Rückzahlung soll nicht nur das investirerte Geld zurückkommen, sondern natürlich auch ein Gewinn erzielt werden.
Die Motive der Investoren sind also keineswegs altruistisch. Als jährliche Rendte wurden bspw. mit Stand 21.01.2008 6,2% prognostiziert. Das bedeutet aber umgekehrt, dass entsprechend die Rückzahlungen im Schnitt noch mehr Zinsen erzielen müssen. Da wegen der einkommensabhängigen Rückzahlung einige (die doch nicht so hohe Einkommen erzielen) weniger zurückzahlen, müssen andere das ausgleichen. In der Folge dürfte die Rückzahlungssumme teilweise deutlich höher sein als wenn die gleiche Summe mittels anderer Studienkredite (siehe Übersicht) finanziert worden wäre. Vorteil des Bildungsfonds im Vergleich zu klassischen Studienkrediten ist aber unbestritten, dass im Falle wenig / keinen Verdienstes auch die Rückzahlung ausgesetzt wird (allerdings auch nicht unbegrenzt, hat man sehr lange kein Einkommen, muss doch zurückgezahlt werden) oder sehr niedrig liegt. Auch das "Guidance-Programm" mag für manche ein Argument für das Angebot der Deutschen Bildung sein.
Die Deutsche Bildung selbst weist darauf hin, dass BAföG auf jeden Fall an erster Stelle der Studienfinanzierung stehen sollte. Da können wir uns nur anschließen. Reicht BAföG nicht aus (oder ist aus irgendwelchen Gründen) nicht oder nicht mehr greifbar, empfehlen wir zunächst die Prüfung aller Studienfinanzierungs-Möglichkeiten, bevor man sich einem Angebot wie dem der Deutschen Bildung zuwendet. Auch der Anbieter selbst scheint sich eher als Ergänzung zu sehen: Alle Beispiele beziehen sich auf Finanzierungszeiträume von höchstens 36 Monaten und 500 Euro (und nie beide Höchstwerte kombiniert). Reicht also nicht, um damit das Studium voll zu finanzieren.
Insgesamt kann man das Modell keineswegs pauschal als "sozial und fair" bezeichnen. Zwangsweise (im Sinne hoher Renditen) werden Studiengänge bevorzugt werden, bei denen später höhere Einkommen und seltene Arbeitslosigkeit erwartet werden. Auswahlverfahren haben darüber hinaus die Tendenz, BewerberInnen aus einem bildungsnahen Milieu zu bevorzugen (die Tester selbst kommen ja i.a. aus einem solchen), wie bspw. Eliteforscher Michael Hartmann immer wieder nachweisen konnte.
Wer mit über 30 noch einen MBA oder ähnlich prestigeträchtige Weiterbildungsstudiengänge machen will, die zur bisherigen Laufbahn passen, hat über einen Bildungsfonds jedoch eine der wenigen Möglichkeiten, eine Finanzierung zu erhalten ("normale" Studienkredite haben meist eine Altersgrenze von 30 oder niedriger).
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