Wie wird man eigentlich...
Diplom-Pädagoge?
Nach dem Studium stehen PädagogInnen verschiedenste Berufsperspektiven offen. Einen jener möglichen Wege beschreibt ein selbständiger Diplom-Pädagoge in der Interview-Serie bei Studis Online zu Menschen und Ihrer Berufsfindung von Simone Handlos.Olaf Jantzen*: Erziehungswissenschaften auf Diplom, in den Nebenfächern Soziologie und Psychologie.
Wie war Ihr bisheriger Berufsweg?
Krumm und schief, wie ich es jeder und jedem wünsche mit dem ich es gut meine. Nach einem Semester Schnupperstudium Erziehungswissenschaften habe ich eine Ausbildung in einer Bank absolviert. Dort habe ich auch kurzzeitig gearbeitet, so wie später immer mal wieder in den Semesterferien.
Berufsfelder für PädagogInnen
Zwischen welchen Perspektiven Diplom-PädagogInnen wählen können, zeigt Simone Handlos in der Serie bei Studis Online zu Menschen und ihrer Berufsfindung. Zum Artikel
Dem Studium folgten Jahre bei einer Versicherung mit den Stationen: Vorstandsreferent, Auf- bzw. Ausbau eines Service-Centers, Organisationsentwicklung und Projektmanagement, schließlich Konzernrevision. Parallel dazu war ich Funktionsträger in einem Jugendverband und in diesem Zusammenhang im Präsidium eines Wohlfahrtsverbandes. Außerdem habe ich seit Studienbeginn nebenbei selbständig als Trainer, Moderator und zum Teil in der Beratung gearbeitet. Letzteres habe ich permanent ausgebaut.
Haben Sie Praktika absolviert?
Die meisten praktischen Einblicke verdanke ich der oben angesprochenen ehrenamtlichen Tätigkeit im Jugend- bzw. Wohlfahrtsverband in enger Zusammenarbeit mit den dort angestellten Profis. Als weiteres Praktikum empfand ich meinen Zivildienst in einem Dachverband für Jugendverbände. Ansonsten bin ich laufend die Verbindung zwischen Theorie und Praxis eingegangen, ohne je einen offiziellen Praktikumsplatz eingenommen zu haben.
Wie sieht der Einstieg in den Beruf aus?
Mit einer Riesenangst keinen Job zu bekommen und der großen Sorge mit dem wissenschaftlich orientierten Studienwissen in der Praxis für nichts zu gebrauchen zu sein, stolperte ich in meine erste Anstellung bei einer Versicherung. Den Zugang habe ich als Zufall empfunden, er war jedoch auf Intervention meines wissenschaftlichen Lehrers zustande gekommen.

Von der Jugendarbeit zur Beratung: Olaf Jantzen hat sich auf Trainings und Moderation in den Bereichen Organisationsentwicklung, Change-Vorhaben, Führungskräfte- und Teamentwicklung spezialisiert
Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?
Im Studium echtes Interesse an einer Auseinandersetzung mit Bildung und Erziehung im weitesten Sinne über die Grenzen von Pädagogik, Soziologie, Psychologie (und Philosophie) hinaus sowie sehr viel Disziplin. Die bei mir geltende Studienordnung und das Fach als solches bot riesige Freiräume. Das war ein Paradies für fleißige, Interessierte und eine Fallgrube für Kommilitonen ohne starken Antrieb und eigene Orientierung.
Ich selber bin für meinen Geschmack etwas zu spät aufgewacht. Hätte ich doch nur gleich zu Beginn so studieren können, wie ich es am Ende mit Freude tat.
Welche Persönlichkeitsmerkmale halten Sie für wichtig?
Das Maß an Sicherheit und Souveränität, das man braucht, um vor Gruppen und Einzelpersonen auch in schwierigen Situationen bestehen zu können. Ferner Kommunikationsstärke, schnelle Auffassungsgabe und die Fähigkeit zum einfühlenden Verstehen.
Wie sieht ein Arbeitstag/ Tagesablauf bei Ihnen aus?
In meiner Selbständigkeit so abwechslungsreich, dass hier kein typischer Tag zu beschreiben ist. Die Tage sind u.a. von viel Reisetätigkeit (d.h. auch lange Tage und frühes Aufstehen), wechselnden Teilnehmern/ Kunden, Kollegen und Themen sowie vom ständigem Wechsel von Lernen und Lehren geprägt.

Auf die Tätigkeiten bezogen Beratung, Moderation und Trainings. Auf die Inhalte bezogen Organisationsentwicklung, Change-Vorhaben, Führungskräfte- und Teamentwicklung sowie diverse, wechselnde Einzelthemen.
Wie ist das mit dem Verdienst?
Mit vertretbarem Aufwand, Talent und guter Netzwerkarbeit kann ein überdurchschnittliches Einkommen erzielt werden. Auf der einen Seite werden wohl nur wenige Kolleginnen und Kollegen reich und auf der anderen Seite befinden sich viele Berater, Moderatoren und Trainer und solche, die sich nur so nennen, im täglichen Überlebenskampf. Die Bezeichnungen sind nicht geschützt und jeder darf im großen Teich mit unterschiedlichem zeitlichen Engagement mitfischen.
Was würden Sie sagen sind die typischen Klischees über den Beruf Diplom-Pädagoge?
Diplom-PädagogInnen werden vielfach mit SchullehrerInnen oder SozialpädagogInnen in Verbindung gebracht und je nachdem mit allen für diese Berufsgruppen gültigen Klischees beehrt.
Gibt es etwas, was Sie an Ihrem Beruf nicht mögen?
Die zur Polarisierung neigende Auftragslage. Könnten die Kunden sich nicht bitte einer nach dem anderen, thematisch abgestimmt bei mir melden? Außerdem empfinde ich die Selbständigkeit manchmal als etwas einsam.
Was mögen Sie besonders an Ihrem Beruf?
Die Menschen die mir begegnen. Außerdem die Möglichkeit, mich mit vielen verschiedenen Dingen recht intensiv zu beschäftigen.
Wo kann man arbeiten?
Manchmal frage ich mich: Wo können Diplom-Pädagoginnen und -Pädagogen nicht arbeiten? Das soll nicht etwa heißen, dass wir alle alles können. Aber so wenig wie Soziologen oder Wirtschaftswissenschaftler auf Branchen oder bestimmte Berufsbilder festzulegen sind, so wenig sind es auch Diplom-PädagogInnen.
Berufsfelder für PädagogInnen
Zwischen welchen Perspektiven Diplom-PädagogInnen wählen können, erörtert Simone Handlos in der Serie bei Studis Online zu Menschen und ihrer Berufsfindung. Zum Artikel
Spezialisierungsmöglichkeiten gibt es in einem breiten Spektrum hinsichtlich von Themen und von Zielgruppen.
Welche Gründe haben Sie bewegt Diplom-Pädagoge zu werden?
Die praktizierte Jugendbildungsarbeit in meinem damaligen Jugendverband.
* Diplom-Pädagoge
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