25.06.2009

Wie wird man eigentlich...
Logopäde?

Was jene erwartet, die den Beruf Logopädie anstreben, welche Voraussetzungen und Persönlichkeitsmerkmale sie brauchen und welche Ausbildung nötig ist, beschreibt eine Logopädin in der Interview-Serie bei Studis Online zu Menschen und ihrer Berufsfindung von Simone Handlos.

Simone Handlos: Was für eine Ausbildung haben Sie gemacht?

Anna Mohr*: Ich habe in Heerlen (Niederlande) Logopädie studiert. Das ist ein Bachelor-Studiengang, der 4 Jahre dauert.

Wie war Ihr bisheriger Berufsweg?

Ich habe bis zur 10. Klasse eine Realschule besucht und habe dann auf ein Gymnasium gewechselt und dort mein Abitur gemacht. Im Anschluss habe ich direkt mit dem Studium begonnen.

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Mit Geduld das Sprechen lehren: LogopädInnen werden oft mit schweren Schicksalen konfrontiert
Kann man Logopädie studieren?

Ja, in den Niederlanden und auch in Belgien ist ein Studium möglich. In Deutschland ist es eine Ausbildung, nach der man aufbauend auch noch Lehr- und Forschungslogopädie als Master-Studiengang studieren kann. Im Zuge der europäischen Entwicklung bezüglich der Bachelor-und Masterstudiengänge werden Anpassungen stattfinden, über die ich momentan nicht so gut informiert bin.

Wie sieht der Einstieg in den Beruf Logopädie aus?

Während der Ausbildung/dem Studium lernt man viel Theorie während in verschiedenen Praktika viel Praxiswissen erworben wird. Im Praktikum wird man an die Arbeit mit dem Patienten/Klienten herangeführt, die man mit der Zeit immer selbständiger ausführt. Im Berufsleben hat man dann je nach Arbeitsvertrag im Schnitt 8 Patienten/Klienten pro Tag. Die meisten angehenden LogopädInnen fangen zunächst in einer logopädischen Praxis an.

Welche Voraussetzungen sollte man für den Beruf mitbringen?

Natürlich sollte man für den Beruf zunächst einmal geeignet sein. Das beinhaltet nicht nur, dass Aussprache, Sprachgebrauch und Grammatik gut sein müssen, sondern auch beispielsweise, dass das Gehör, der Kehlkopf und der Mundraum in Ordnung sind. Auch Atmung, Stimme und Körperhaltung sind basal. Außerdem muss man natürlich gerne mit Menschen arbeiten und sollte keine Berührungsängste haben.

Welche Persönlichkeitsmerkmale halten Sie für wichtig?

Sehr wichtig finde ich das empathische Einfühlungsvermögen. Aber auch im sozialemotionalen Bereich sollte man gefestigt sein, da man als LogopädIn sehr häufig mit schweren Schicksalen konfrontiert wird. Außerdem muss man in der Lage sein, die eigenen Belange hinten an zu stellen, da jeder Patient/Klient die gleiche Aufmerksamkeit verdient. Dies sind in meinen Augen therapeutische Grundvoraussetzungen.

Wie sieht ein Arbeitstag/ Tagesablauf bei Ihnen aus?

Ich persönlich hatte (bis zur Geburt meiner Tochter) einen sehr ausgefüllten Arbeitstag, da ich drei Anstellungen parallel hatte. Begonnen habe ich um 08:30 in einem Sprachheilkindergarten. Von dort aus bin ich mittags in eine Praxis und/oder in ein ambulantes Reha-Centrum gefahren, wo ich gegen 19:00 fertig war. Dazwischen waren auch noch Hausbesuche eingeplant. Im Normalfall arbeitet man jedoch in einer Einrichtung. Die Patienten werden dann je nach ärztlicher Verordnung für 1/2 oder eine Stunde, meistens jedoch für eine 3/4 Stunde behandelt. Nach jeder Behandlung wird in der Patientenakte eingetragen was gemacht wurde, und wie die Durchführung war. Zusätzlich müssen Telefonate mit Patienten, Ärzten, Krankenkassen, Schulen, etc. geführt werden. Außerdem müssen regelmäßig Berichte über den Therapiefortschritt an den verordnenden Arzt und ggf. auch an die Krankenkasse geschrieben werden.

Was würden Sie angehenden LogopädInnen empfehlen?

Als LogopädIn arbeitet man sehr eng mit Menschen zusammen. Dies erfordert eine hohe Leistungsbereitschaft. Man sollte jedem Patienten die 100%-ige Aufmerksamkeit entgegenbringen, derer er bedarf – egal, ob er den ersten Termin um 8:00 Uhr oder den letzten um 18:30 Uhr hat. Außerdem ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, dafür zu sorgen, dass man mittels Fortbildungen und Literatur immer auf dem aktuellen Stand ist, seine therapeutische Leistung immer wieder kritisch hinterfragt und sein therapeutisches Handeln stets evaluiert. Die Therapiekonzepte sollten individuell an die Möglichkeiten des Patienten anpasst sein. Der Therapeut sollte daher immer wieder reflektieren, ob er noch auf dem richtigen Weg ist, um die Therapieziele zu erreichen. Im Allgemeinen ist die Logopädie ein weites Feld und es lohnt sich sehr, in möglichst viele Bereiche hinein zu schauen.

Wie ist das mit dem Verdienst?

Offiziellen Angaben zufolge beträgt der Verdienst im Anstellungsverhältnis zwischen 1.900 und 3.000 € Brutto (Quelle: Homepage des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie e.V. - DBL; Stand: 09.07.09). Bei selbständigen LogopädInnen oder LogopädInnen mit mehreren Angestelltenverhältnissen kann das monatliche Bruttoeinkommen höher liegen. Das Gehalt variiert abhängig von Bundesland, Alter, Ausbildungsweg und der Einrichtung (z.B. Kiga, Praxis) in der man arbeitet. Es beruht mitunter auch viel auf Verhandlungsbasis.

Können Sie über die Krankenkasse abrechnen?

Ja, mit einer ärztlichen Verordnung kann über die gesetzliche Kasse abgerechnet werden.

Simone Handlos arbeitet als Coach und Unternehmensberaterin bei 2coach in Hamburg und leitet dort das Berufsfindungsprogramm come2start.
Wer ist für den Beruf ungeeignet?

Natürlich sollte in Bezug auf das orale Gebiet (Lippen, Kiefer, Gaumen, Zunge, Zähne), auf den Kehlkopf mit Stimmbändern und Atemwegen sowie mit dem Gehör aus medizinischer Sicht alles in Ordnung sein. Funktionseinschränkungen in diesen Bereichen können zu Beeinträchtigungen im beruflichen Alltag führen. Besonders introvertierte Menschen werden es schwieriger haben, da Patienten viel praktische Hilfestellung benötigen.

Gibt es etwas, was Sie an Ihrem Beruf nicht mögen?

Nein.

Was mögen Sie besonders an Ihrem Beruf?

Wo soll ich da anfangen? Ich finde die hohen Anforderungen fachlicher und therapeutischer Art sehr interessant, aber auch die vielen abwechslungsreichen Möglichkeiten der Ausübung des Berufes durch das breite Spektrum, in dem LogopädInnen arbeiten.

Welche Spezialisierungen gibt es in dem Beruf?

Da es sehr viele Spezialisierungsmöglichkeiten gibt, kann ich hier nur einen globalen Überblick über die Bereiche geben, in denen man sich spezialisieren kann: Erwachsene, Kinder, Stimme, Sprache, Sprechen, Atmung, Mundfunktionen, etc.

Wo kann ich arbeiten?

Ein Großteil der LogopädInnen arbeitet in logopädischen Praxen oder in Praxisgemeinschaften zusammen mit Ergo- und/oder Physiotherapeuten. Aber auch in Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Reha-Zentren, Altenheimen oder aber an Logopädieschulen in der Ausbildung finden LogopädInnen Anstellungsmöglichkeiten.

Welche Gründe haben Sie bewegt Logopädin zu werden?

Ich fand die abwechslungsreiche Arbeit mit Menschen sehr interessant. Besonders reizvoll fand ich die Mischung von Psychologie und Medizin in der therapeutischen Arbeit.

* Logopädin, Name von der Redaktion geändert



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Kommentare zu diesem Artikel

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1. EINBERLINER kommentierte am 29.06.2009 um 21:54:43 Uhr

Unrealistische Darstellung vom Verdienst!

Als angestellter Logopäde in Berlin kann ich nur aus meinen paar Jahren Berufserfahrung schreiben, dass die Angeben über den vermeidlichen Verdienst einfach irreführend bzw. einfach falsch sind.

"(...)als angestellter Logopäde mit einer Vollzeitstelle in einer Praxis liegt der brutto Verdienst bei ca. 3.000€ - 4.000€ im Monat."

Sicher mag es Unterscheide im Verdienst geben -je nach Bundesland- doch bei einer vollen Stelle im Angestelltenverhältnis kenne ich niemanden der auch nur glatte 3.000 € brutto verdient, geschweige denn mehr!!!

Ebenso halte ich die Angabe über den Bruttoverdienst von einem selbstständigen Logopäden für völlig unrealistisch!!!

"Ein selbständiger Logopäde kann ca. 8.000€ brutto verdienen."

Die Frau Anna Mohr -deren Name von der Redaktion hoffentlich nur verändert und die Person nicht frei erfunden ist!- möge doch auch gerade bei dem nicht unerheblichen Aspekt des späteren Verdienstes nicht plötzlich vage wird:

"Dies sind jedoch wirklich nur ganz grobe Angaben, da das Gehalt nicht nur vom Ausbildungsweg, der Berufserfahrung und des Arbeitsplatzes, sondern zum Beispiel auch vom Alter abhängig ist."

Da ist was dran, doch sollte realistisch geschrieben sein, dass nicht selten ein Bruttoverdienst von 1.700 - 2.200€ für vollzeitlich Beschäftigte Logopäden gezahlt wird. DAs steht in keiner Relation zu einer privat finanzierten Ausbildung an einer nicht-staatlichen Logopädieschule!

Daher bitte ich in Zukunft um genauere Recherchen bzw. um realistische Darstellungen von Beruf und dessen Bezahlung!

Vielen Dank EINBERLINER




2. Garuda258 kommentierte am 29.06.2009 um 22:36:48 Uhr

Verdienst unrealistisch

Da kann ich meinem Vorredner nur zustimmen. Die o.g. Angaben zum Verdienst sind utopisch. Mag sein, dass die interviewte Logopädin so viel verdient, aber es handelt sich dann dabei um eine absolute Ausnahme. Realistisch sind Bruttoeinkommen zwischen 1800 und 2500 Euro. Wer auf 3000 kommt, darf sich schon sehr glücklich schätzen.

Ansonsten spiegelt der Artikel meine Meinung wieder. Der verhältnismäßig geringe Verdienst (auch bei akademischen Alternativen in Deutschland: Sprachheilpädagogik/Patholinguistik/Klinische Linguistik) ist wohl der einzige Nachteil an diesem Beruf.




3. Katrin (Studis Online) kommentierte am 09.07.2009 um 15:02:09 Uhr

Verdienst angepasst

Der genannte Verdienst war nicht unrealistisch, sondern hing mit der Situation der Interviewten zusammen. Sie arbeitet in verschiedenen Angestelltenverhältnissen. Wenn man diese zusammenrechnet, ergibt sich der ursprünglich erwähnte Bruttolohn von 3000 bis 4000 € im Monat. Die Interviewte hatte in diesem Zusammenhang jedoch auch darauf hingewiesen, dass die Angaben zum Lohn nur ein ganz grobes Maß sind und von verschiedenen Faktoren abhängig ist.

Um aber die angemerkte Verwirrung zu vermeiden, wurde die Antwort zum Thema Verdienst nun entsprechend geändert.




4. EINBERLINER kommentierte am 19.08.2009 um 00:18:25 Uhr

Vielen Dank

Vielen Dank für die Korrektur, sodass kein irreführendes Bild junge, interessierte Menschen diesen Weg gehen lässt, ohne den nicht unerhablichen Faktor des Gehaltes realistisch einschätzen zu können. Es ist und bleibt für mich ein sehr attraktiver Beruf, der sich auch großen Zulaufs erfreut, jedoch sei in Bezug auf das geringe Gehalt eben kein Blatt vor den Mund genommen.

Grüße aus Berlin EINBERLINER







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