Abhängig vom Studienfach
So viel verdienen HochschulabsolventInnen
Eine vor kurzem veröffentlichte Langzeitstudie hat HochschulabsolventInnen, die 1997 ihren Abschluss gemacht hatten, jeweils ein, fünf und zehn Jahre später zu verschiedenen, vor allem beruflichen Aspekten befragt. In einer Serie werden wir die interessantesten Ergebnisse vorstellen, diesmal die Einkommen. Die Spanne liegt hier (bei den Durchschnittsgehältern von Vollzeitbeschäftigten 10 Jahre nach Hochschulabschluss) zwischen knapp 40.000 Euro bis um die 100.000 Euro - je nach Fachrichtung.Befragt wurden vom HIS für die hier referierte Studie (veröffentlicht in: HIS:Forum Hochschule 2/2009) ein Jahr nach dem Hochschulabschluss 9582 AbsolventInnen (2577 FH, 7005 Uni), fünf Jahre danach noch 6220 (1655, 4565) und schließlich zehn Jahre später noch 5477 (1443, 4034).
Wie nicht anders zu erwarten variiert die Bezahlung jedoch stark abhängig von der absolvierten Fachrichtung. Zwangsläufig wird es auch innerhalb der Fachrichtungen abhängig vom Beschäftigungsort, der genauen Tätigkeit und dem Unternehmen starke Unterschiede geben. Trotzdem dürfte wohl fast jedeR Uni-WirtschaftsingenieurIn mehr verdienen als einE Uni-AbsolventIn der Pädagogik: 109.000 Euro zu 41.700 Euro machen die beiden ermittelten Extreme aus, also die bestbezahlte Fachrichtung und die am geringsten honorierte.
Es zeigt sich nach wie vor ein Unterschied zwischen FH- und Uni-AbsolventInnen. Die 2007 Vollzeitbeschäftigten mit FH-Abschluss kamen auf durschnittlich 59.400 Euro Brutto-Jahreseinkommen inkl. Gehaltszulagen. Uni-AbsolventInnen konnten dagegen mit 64.300 Euro rechnen. Ein Jahr nach dem Hochschulabschluss sah das noch anders aus, die FH-AbsolventInnen liegen da noch vorne – weil Uni-AbsolventInnen eher noch eine Promotion anschließen oder – bei Lehramt und Jura – noch das zweite Staatsexamen erwerben müssen und in dieser Zeit jeweils nicht sonderlich gut bezahlt werden.
Für FachhochschulabsolventenInnen liegen für Wirtschaftsingenieurwesen keine Zahlen vor, die gerinsten Löhne erhalten hier AbsolventInnen des Sozialwesens mit 37.500 Euro. Besser bezahlt als entsprechende Uni-AbsolventInnen werden übrigens InformatikerInnen. Bei einem FH-Abschluss kommen sie 10 Jahre später auf einen Verdienst von 77.300 Euro, Uni-InformatikerInnen dagegen nur auf 70.800 Euro.
Gehaltsentwicklung – 1, 5 und 10 Jahre nach dem Hochschulabschluss
Interessant ist – neben dem "Ergebnis" nach zehn Jahren – auch die Entwicklung im Zeitverlauf. Bei Lehrern und AbsolventInnen der Rechtswissenschaften und Medizin ist der Wert nach einen Jahr sehr niedrig, weil dort noch das zweite Staatsexamen bzw. das AIP nach dem Hochschulabschluss notwendig ist und die Bezahlung währenddessen niedrig ist. Bei anderen Fachrichtungen deutet das darauf hin, dass hier oft eine Promotion angeschlossen wird (insbesondere bei Chemie) oder sich die Jobsuche etwas schwieriger gestaltet und evt. Praktika eingeschoben werden.
Die folgenden Zahlen stellen – im Gegensatz zu den weiter oben referierten – das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen von Vollzeitbeschäftigten ohne Zulagen dar. In der Regel wird der real erzielte Verdienst also sogar noch etwas höher liegen.
HochschulabsolventInnen von 1997 (Vollzeitbeschäftigte; ohne Zulagen) | |||
| Fachrichtung | 1998 | 2002 | 2007 |
| Fachhochschulabschluss | |||
| Agrar-, Ernährungswissenschaften | 21.100 | 30.000 | - |
| Architektur, Raumplanung | 24.500 | 33.700 | 38.900 |
| Bauingenieur-, Vermessungswesen | 27.500 | 37.600 | 45.900 |
| Elektrotechnik | 29.000 | 46.300 | 57.200 |
| Maschinenbau,Verfahrenstechnik | 27.800 | 46.500 | 55.800 |
| Wirtschaftsingenieurwesen | 30.200 | 48.400 | - |
| Informatik | 36.100 | 53.800 | 68.400 |
| Wirtschaftswissenschaften | 30.200 | 48.800 | 60.300 |
| Sozialwesen | 16.400 | 30.100 | 35.600 |
| Fachhochschulabschluss insg.1 | 26.200 | 43.100 | 53.100 |
| Universitätsabschluss | |||
| Agrar-,Ernährungswissenschaften | 19.500 | 32.100 | 49.500 |
| Architektur,Raumplanung | 24.200 | 34.900 | - |
| Bauingenieur-,Vermessungswesen | 29.300 | 43.600 | 51.400 |
| Elektrotechnik | 31.500 | 52.800 | 63.200 |
| Maschinenbau,Verfahrenstechnik | 27.300 | 51.800 | 66.100 |
| Wirtschaftsingenieurwesen | 39.900 | 64.500 | 87.200 |
| Physik | 24.100 | 51.100 | 64.000 |
| Chemie | 13.700 | 46.000 | 61.700 |
| Pharmazie,Lebensmittelchemie | 27.600 | - | - |
| Mathematik | 32.300 | 52.300 | 60.000 |
| Informatik | 34.700 | 52.800 | 62.200 |
| Humanmedizin | 13.300 | 47.500 | 74.900 |
| Psychologie | 25.800 | 42.000 | 55.600 |
| Pädagogik | 22.400 | 33.600 | 40.000 |
| Sprach-und Kulturwissenschaften | 24.200 | 35.400 | 47.500 |
| Rechtswissenschaft | 12.700 | 42.500 | 63.900 |
| Wirtschaftswissenschaften | 30.300 | 52.400 | 66.400 |
| Lehramt Primarstufe,Sonderschule2 | (12.600) | (32.500) | (39.500) |
| Lehramt Realschule,Sek.I2 | (13.200) | (33.600) | (42.700) |
| Lehramt Gymnasium,Berufsschule2 | (14.600) | (35.500) | (45.300) |
| Magister | 21.600 | 37.300 | 46.000 |
| Universitätsabschluss insg.1 | 21.500 | 44.400 | 58.200 |
Fußnoten
- geringe Fallzahlen, daher nicht dokumentiert
1 inkl. sonstiger, nicht ausgewiesener Fachrichtungen
2 Lehrer sind meist beamtet, die Gehälter insofern mit denen anderer Fachrichtungen nur begrenzt vergleichbar
Quelle: Tabelle aus HIS:Forum Hochschule 2/2009; S.63
Tipp für GeisteswissenschaftlerInnen
Mehr Details zur Frage "Was wird aus GeisteswissenschaftlerInnen?" finden sich übrigens im gleichnamigen Artikel aus dem November 2008, der ebenfalls auf einer HIS-Studie beruht. Hier wurden verschiedene Absolventenjahrgänge jeweils ein und fünf Jahre nach dem Studium zu ihrer Stituation befragt.
Anrechnung des Einkommens der Eltern und des Ehegatten/Lebenspartners
Nur das Einkommen Eurer leiblichen oder Eurer Adoptiveltern wird angerechnet; das Einkommen eines Stiefelternteils bleibt unberücksichtigt. In einigen Ausnahmefällen kann es auch elternunabhängiges BAföG geben. Das Einkommen Eures Ehegatten oder Lebenspartners ist jedoch immer vorrangig zu berücksichtigen.
Praktika vor, während und nach dem Studium
Ein Praktikum (und vor allem seine Bezahlung) kann diverse Auswirkungen auf BAföG, Kindergeld und anderes haben. Abhängig vom Zeitpunkt und davon, ob es im Rahmen des Studiums verpflichtend ist oder nicht. Der Artikel versucht, alle Fälle im Detail abzudecken.
Warum werden bei einer Praktikums- oder Ausbildungsvergütung keine Freibeträge gewährt?
Anders als bei Einkünften aus einem Nebenjob gibt es bei einem Pflichtpraktikum keine Freibeträge (wie bei jedem Einkommen können aber Werbungskosten und Sozialpauschale abgezogen werden). Warum das so ist, erläutern wir in diesem Artikel.
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