22.04.2009

Abhängig vom Studienfach
So viel verdienen HochschulabsolventInnen

Eine vor kurzem veröffentlichte Langzeitstudie hat HochschulabsolventInnen, die 1997 ihren Abschluss gemacht hatten, jeweils ein, fünf und zehn Jahre später zu verschiedenen, vor allem beruflichen Aspekten befragt. In einer Serie werden wir die interessantesten Ergebnisse vorstellen, diesmal die Einkommen. Die Spanne liegt hier (bei den Durchschnittsgehältern von Vollzeitbeschäftigten 10 Jahre nach Hochschulabschluss) zwischen knapp 40.000 Euro bis um die 100.000 Euro - je nach Fachrichtung.

Die Hochschul Informations System GmbH (HIS) ist im Besitz von Bund (1/3) und Ländern (2/3). Sie fungiert einerseits als Softwarehaus für die Hochschulverwaltungen und ist andererseits in den Bereichen Hochschulentwicklung und Hochschulforschung aktiv. Im für die Öffentlichkeit sichtbarsten Bereich Hochschulforschung führt die HIS u.a. die Sozialerhebung der Studierendenschaft im Auftrag des Deutschen Studentenwerkes durch.
Befragt wurden vom HIS für die hier referierte Studie (veröffentlicht in: HIS:Forum Hochschule 2/2009) ein Jahr nach dem Hochschulabschluss 9582 AbsolventInnen (2577 FH, 7005 Uni), fünf Jahre danach noch 6220 (1655, 4565) und schließlich zehn Jahre später noch 5477 (1443, 4034).
HochschulabsolventInnen, die 1997 Ihren Abschluss gemacht hatten, konnten in der Regel 10 Jahre später mit einem gutem Verdienst rechnen.

Wie nicht anders zu erwarten variiert die Bezahlung jedoch stark abhängig von der absolvierten Fachrichtung. Zwangsläufig wird es auch innerhalb der Fachrichtungen abhängig vom Beschäftigungsort, der genauen Tätigkeit und dem Unternehmen starke Unterschiede geben. Trotzdem dürfte wohl fast jedeR Uni-WirtschaftsingenieurIn mehr verdienen als einE Uni-AbsolventIn der Pädagogik: 109.000 Euro zu 41.700 Euro machen die beiden ermittelten Extreme aus, also die bestbezahlte Fachrichtung und die am geringsten honorierte.

Es zeigt sich nach wie vor ein Unterschied zwischen FH- und Uni-AbsolventInnen. Die 2007 Vollzeitbeschäftigten mit FH-Abschluss kamen auf durschnittlich 59.400 Euro Brutto-Jahreseinkommen inkl. Gehaltszulagen. Uni-AbsolventInnen konnten dagegen mit 64.300 Euro rechnen. Ein Jahr nach dem Hochschulabschluss sah das noch anders aus, die FH-AbsolventInnen liegen da noch vorne – weil Uni-AbsolventInnen eher noch eine Promotion anschließen oder – bei Lehramt und Jura – noch das zweite Staatsexamen erwerben müssen und in dieser Zeit jeweils nicht sonderlich gut bezahlt werden.

Für FachhochschulabsolventenInnen liegen für Wirtschaftsingenieurwesen keine Zahlen vor, die gerinsten Löhne erhalten hier AbsolventInnen des Sozialwesens mit 37.500 Euro. Besser bezahlt als entsprechende Uni-AbsolventInnen werden übrigens InformatikerInnen. Bei einem FH-Abschluss kommen sie 10 Jahre später auf einen Verdienst von 77.300 Euro, Uni-InformatikerInnen dagegen nur auf 70.800 Euro.

Gehaltsentwicklung – 1, 5 und 10 Jahre nach dem Hochschulabschluss

Interessant ist – neben dem "Ergebnis" nach zehn Jahren – auch die Entwicklung im Zeitverlauf. Bei Lehrern und AbsolventInnen der Rechtswissenschaften und Medizin ist der Wert nach einen Jahr sehr niedrig, weil dort noch das zweite Staatsexamen bzw. das AIP nach dem Hochschulabschluss notwendig ist und die Bezahlung währenddessen niedrig ist. Bei anderen Fachrichtungen deutet das darauf hin, dass hier oft eine Promotion angeschlossen wird (insbesondere bei Chemie) oder sich die Jobsuche etwas schwieriger gestaltet und evt. Praktika eingeschoben werden.

Die folgenden Zahlen stellen – im Gegensatz zu den weiter oben referierten – das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen von Vollzeitbeschäftigten ohne Zulagen dar. In der Regel wird der real erzielte Verdienst also sogar noch etwas höher liegen.

Brutto-Jahreseinkommen der
HochschulabsolventInnen von 1997

(Vollzeitbeschäftigte; ohne Zulagen)
Fachrichtung 1998 2002 2007
Fachhochschulabschluss
Agrar-, Ernährungswissenschaften 21.100 30.000 -
Architektur, Raumplanung 24.500 33.700 38.900
Bauingenieur-, Vermessungswesen 27.500 37.600 45.900
Elektrotechnik 29.000 46.300 57.200
Maschinenbau,Verfahrenstechnik 27.800 46.500 55.800
Wirtschaftsingenieurwesen 30.200 48.400 -
Informatik 36.100 53.800 68.400
Wirtschaftswissenschaften 30.200 48.800 60.300
Sozialwesen 16.400 30.100 35.600
Fachhochschulabschluss insg.1 26.200 43.100 53.100
Universitätsabschluss
Agrar-,Ernährungswissenschaften 19.500 32.100 49.500
Architektur,Raumplanung 24.200 34.900 -
Bauingenieur-,Vermessungswesen 29.300 43.600 51.400
Elektrotechnik 31.500 52.800 63.200
Maschinenbau,Verfahrenstechnik 27.300 51.800 66.100
Wirtschaftsingenieurwesen 39.900 64.500 87.200
Physik 24.100 51.100 64.000
Chemie 13.700 46.000 61.700
Pharmazie,Lebensmittelchemie 27.600 - -
Mathematik 32.300 52.300 60.000
Informatik 34.700 52.800 62.200
Humanmedizin 13.300 47.500 74.900
Psychologie 25.800 42.000 55.600
Pädagogik 22.400 33.600 40.000
Sprach-und Kulturwissenschaften 24.200 35.400 47.500
Rechtswissenschaft 12.700 42.500 63.900
Wirtschaftswissenschaften 30.300 52.400 66.400
Lehramt Primarstufe,Sonderschule2 (12.600) (32.500) (39.500)
Lehramt Realschule,Sek.I2 (13.200) (33.600) (42.700)
Lehramt Gymnasium,Berufsschule2 (14.600) (35.500) (45.300)
Magister 21.600 37.300 46.000
Universitätsabschluss insg.1 21.500 44.400 58.200

Fußnoten
- geringe Fallzahlen, daher nicht dokumentiert
1 inkl. sonstiger, nicht ausgewiesener Fachrichtungen
2 Lehrer sind meist beamtet, die Gehälter insofern mit denen anderer Fachrichtungen nur begrenzt vergleichbar

Quelle: Tabelle aus HIS:Forum Hochschule 2/2009; S.63


Tipp für GeisteswissenschaftlerInnen

Mehr Details zur Frage "Was wird aus GeisteswissenschaftlerInnen?" finden sich übrigens im gleichnamigen Artikel aus dem November 2008, der ebenfalls auf einer HIS-Studie beruht. Hier wurden verschiedene Absolventenjahrgänge jeweils ein und fünf Jahre nach dem Studium zu ihrer Stituation befragt.


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