27.02.2007

Job-Bewerbung
Lücken im Lebenslauf füllen

Möglichst stringent und lückenlos soll er sein, der perfekte Lebenslauf. Doch in Zeiten von Massenentlassungen und Rekordarbeitslosigkeit können immer weniger Arbeitnehmer ihrer Bewerbungsmappe eine nahtlose Vita beilegen.

Von Sonja Kronenberger / monster.de

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Dieser zufolge erleben jüngere Menschen die erste Arbeitslosigkeit heute tendenziell früher als die Generationen zuvor. "Ältere Arbeitnehmer haben den Wirtschaftsaufschwung ab Mitte der 50er Jahre miterlebt", sagt Dana Müller, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin beim IAB. "Ab den 70ern wurde die Lage auf dem Arbeitsmarkt schlechter. Berufseinsteiger haben es seither schwerer, ins Erwerbsleben eingegliedert zu werden."

Trend hat sich zugespitzt

Ein Trend, der sich nicht nur fortgesetzt, sondern auch zugespitzt hat. "In den vergangenen Jahren wurden beispielsweise immer mehr Stellen befristet ausgeschrieben - das traf vor allem die Berufseinsteiger, weil erfahrene Arbeitnehmer in der Regel längst einen Festvertrag hatten. Und nicht jeder von ihnen schafft einen nahtlosen Übergang in eine neue Beschäftigung."

Die jüngste Wirtschaftsflaute ging aber auch an älteren Arbeitnehmern nicht spurlos vorbei. Auch die Generation 50plus bekam den branchenübergreifenden Stellenabbau massiv zu spüren. Mit dem Unterschied, dass Arbeitslosigkeit für sie erst wesentlich später zum Thema wurde als für jüngere Generationen, so Müller. Fazit: Egal in welchem Alter - Lücken im Lebenslauf sind heute keine Ausnahme mehr.

Nicht unbedingt ein K-O-Kriterium

Ein K-O-Kriterium für die Karriere ist die ein oder andere Furche in der Vita aber nicht, gibt die Berliner Karriereberaterin Sabine Hertwig Entwarnung: "Personalverantwortliche lesen schließlich auch Zeitung und kennen den Arbeitsmarkt." Ein Freibrief, die Suche nach einer neuen Stelle großzügig nach hinten zu schieben und die berufliche Auszeit zu genießen, sei das wiederum aber auch nicht. "Bei einem Knick im Lebenslauf muss der Bewerber immer mit Nachfragen von Personalern rechnen - das bleibt einem nicht erspart", warnt Hertwig. Umso wichtiger ist es, Zeiträume ohne Festanstellung so in der Vita darzustellen, dass eines deutlich wird: Der Bewerber hat die Zeit sinnvoll genutzt.

"Es gibt Leute, die Biss haben und mit Fug und Recht von sich sagen können, immer am Beruf dran geblieben zu sein", sagt Hertwig. "Zum Beispiel durch selbstständige Arbeit oder entsprechende Weiterbildungen." Auch, wer sich in der Phase der beruflichen Neuorientierung ehrenamtlich engagiert hat, sollte das nicht außen vor lassen. Vor allem dann nicht, wenn man sein berufliches Know-How einbringen konnte, betont die Frankfurter Personalberaterin Helga Krausser-Raether. "Ich selbst habe mir mal ein Jahr Auszeit genommen, mich aber in dieser Zeit ehrenamtlich als Mentorin engagiert. Warum sollte das keinen Platz in meiner Vita finden?"

Nebenjobs - kein Makel in der Bewerbung

Auch Nebenjobs sind alles andere als ein Makel in der Bewerbung, so Krausser-Raether. Immerhin könne ein Bewerber auch mit Mini-Jobs deutlich machen, dass er kontinuierlich etwas dafür getan hat, um im Arbeitsmarkt zu bleiben. Noch besser dran ist, wer sich die geleistete Arbeit in einem Zeugnis bescheinigen lässt, ergänzt Karriere-Coach Hertwig. "Papiere spielen hierzulande eine ganz entscheidende Rolle, daher sollte sich jeder auch etwas schreiben lassen - egal, ob es sich um eine bezahlte Beschäftigung gehandelt hat oder nicht."

Und was tut, wer weder Ehrenamt, Praktikum, Minijob oder Weiterbildung während einer beruflichen Auszeit vorweisen kann? "Dann benennt man das, was tatsächlich gelaufen ist", sagt Karriereberater Uwe Schnierda aus Bredenbeck. "Es läuft immer was, kein Mensch sitzt 24 Stunden am Tag auf seinen vier Buchstaben und schaut DVD's. Die einen legen eine Familienphase ein, andere pflegen einen Angehörigen. Beides zeugt von der Sozialkompetenz des Bewerbers."

Keine unlautere Lebenslauf-Kosmetik

Wer in seinem Curriculum Vitae Lebensabschnitte wie diese verankere, mache sich keinesfalls der unlauteren Lebenslauf-Kosmetik schuldig, betont Schnierda. "Die Leute haben in der Regel so viel Tolles zu bieten, dann sollten sie es auch in ihren Unterlagen so verkaufen." Wer aber Lücken in der Vita auffüllt, indem er spektakuläre Auslandsaufenthalte oder selbstständige Tätigkeiten erfindet, begibt sich auf dünnes Eis.

Und wenn das nicht schon im Vorstellungsgespräch bricht, dann möglicherweise im späteren Berufsleben, warnen Uwe Schnierda und Helga Krausser-Raether einmütig. "Dinge erfinden - das befürworte ich nicht. Da kommen im Vorstellungsgespräch zwei, drei detaillierte Nachfragen und dann brechen die Leute ein - so gut schauspielern kann keiner", meint Schnierda. Auch Kollegin Krausser-Raether hat zu Notlügen eine unumstößliche Meinung: "Selbst, wenn man das Vorstellungsgespräch übersteht und den Job bekommt, kann das im Berufsleben böse Konsequenzen haben. Fliegt der Schwindel auf, stört das das Vertrauensverhältnis zum Vorgesetzten enorm. Die Chancen auf einen Aufstieg hat man sich damit verspielt."



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