Wahlkampf-Getöse?
Saarland zahlt Zinsen des Studiengebührendarlehens
In der Ankündigung von Ministerpräsident Müller und dem Wissenschaftsminister, zukünftig die Zinsen der Studienbeitragsdarlehen zu tragen, wird explizit auch die Familie der Studierenden erwähnt. Sie - so wird vermutet - trägt zur Zeit wohl meist die Gebühren direkt, auch in Sorge vor steigenden Zinsen. Aktuell beträgt der Zinssatz auch durchaus happige 6,92%.
Land trägt Zinsen des Darlehens – aber auch nicht für immer
Zukünftig müssen die Studierenden - so wohl die Hoffnung - ihre Eltern nicht mehr belästigen. Denn die Zinsen für das Darlehen wird das Land tragen. Sogar die bisher aufgelaufenen Zinsen der schon bestehenden Darlehen werden bezahlt. Wobei letzteres das Land nicht arm machen wird. Laut Uni des Saarlandes gibt es derzeit gerade einmal 380 DarlehnsnehmerInnen (nur 3% der Darlehensberechtigten), an den anderen Hochschulen des Landes werden es wohl auch nicht mehr sein.
Trotzdem ist es nicht so, dass alle DarlehensnehmerInnen zukünftig nur die Summe der angefallenen Studiengebühren zurückzahlen müssten. Denn spätestens zwei Jahre nach Studienende hört das Land mit der Zahlung der Zinsen auf. Wer das Darlehen also in Raten zurückzahlen möchte/muss, wird trotzdem Zinsen zahlen. Wenn auch deutlich weniger als bisher, da nicht schon Zinsen in den Jahren bis zum Beginn der Rückzahlung auflaufen.
Sozial gerecht – jetzt aber wirklich?
Ministerpräsident Müller betont, dass Studiengebühren auch schon vor der "Verbesserung" sozial gerecht gewesen seien. Da stellt sich schon die Frage, warum dann überhaupt eine Änderung nötig gewesen sein soll. Könnte es nicht doch sein, dass sich die Studiengebühren-Befürworter ein wenig verrechnet haben? Jedenfalls (wie ja schon im Aufmachertext erwähnt) ist das Saarland nicht das einzige Land mit Studiengebühren, das Veränderungen vornimmt. Von einer allgemeinen Akzeptanz sind Studiengebühren eben immer noch weit entfernt, wahrscheinlich sogar weiter, als noch vor einigen Jahren.
Auch der erneut bemühte Vergleich, Studiengebühren seien deswegen gerecht, weil ja auch der "Elektrotechniker-Geselle für seine Meisterausbildung über 7.500 Euro aufbringen" müsse, ist eher schwach. So könnte man zum einen die Sache umdrehen und fragen, warum denn nicht auch die Meisterausbildung kostenfrei sein kann. Vor allem ist es für denjenigen, der den Meister macht, deutlich absehbarer, dass sich die Bemühung um den Titel lohnen wird (kürzerer Zeithorizont, schon im Beruf stehend). Das "Risiko" ist also deutlich geringer.
Die Wahlen werden interessant
Auch wenn das Thema Studiengebühren nur eines unter vielen ist: Im Saarland werden die Landtagswahlen sicher auch davon beeinflusst werden. Übrigens: Rechtzeitig vor den Wahlen wird Studis Online wieder einmal Wahlprüfsteine veröffentlichen. Neben dem Thema Studiengebühren werden wir den Parteien auch bei weiteren Themen rund um Bildung und Hochschule auf den Zahn fühlen.
Quellen und weitere Artikel zum Thema Studiengebühren im Saarland
- Saarland zahlt Studierenden die Zinsen - Rückzahlung erst im Beruf (Pressemitteilung von Ministerpräsident Peter Müller und Wissenschaftsminister Joachim Rippel, 20.03.2009) »
- Land übernimmt Zinsen für Studiengebühren-Darlehen - Uni begrüßt (Pressemitteilung der Uni des Saarlandes, 20.03.2009) »
- Studiengebühren im Saarland - Stand der Dinge und Geschichte (laufend aktualisierter Übersichtsartikel bei Studis Online) »
Eigenen Kommentar hinzufügen »
2. Cheses kommentierte am 23.03.2009 um 10:22:03 Uhr
Wieso AStA nicht als Referenz
Hallo, ich habe einige Artikel vom AStA und der Landes AStenkonferenz des Saarlandes diesbezüglich gelesen, ich wundere mich immer, dass in diesen Artikeln seltenst auf die ASten-Pressemitteilungen hingewiesen wird.
Ich würde mich freuen wenn sich das mal ändern würde.
Zudem, im Artikel wurde auf das Argument der Meister, die auch für ihre "Ausbildung" viel bezahlen müssen, eingegangen. Ich verstehe diesen Vergleich auch deshalb nicht, da ich selbst mehrfacher Meister bin (daher das gut abschätzen kann) und als Geselle keine Probleme hatte nebenbei für einen guten Stundenlohn (>25€) bei meiner Firma zu arbeiten, die Firma unterstützte meinen Meister und ich habe vorher schon einiges an Geld verdient (kann also auf erspartes zurückgreifen) usw. (und das ging dem Großteil von meinen Meisterkollegen so).
Ein Student hingegen bekommt derzeit beim Kneipenschaffen um die 5-8 Euro (ist ungelernt) und es bringt ihm gar nichts für sein Studium. Das finde ich ist eigentlich ein Hauptargument, was ich schon seit Ewigkeiten propagiere.
Nur so noch als Ergänzung
bei Fragen oder nötigen Belegen einfach melden
3. Cheses kommentierte am 23.03.2009 um 10:25:20 Uhr
Hier die Links zur AStA zum Thema
http://www.asta.uni-saarland.de/
http://www.asta.uni-saarland.de/news/newsmeldung/datum/2009/maerz/20/landes-asten-konferenz-kritisiert-vorgehen-des-landesregierung-als-wahlmanoever/
http://www.asta.uni-saarland.de/news/newsmeldung/datum/2009/maerz/22/asta-zur-uebernahme-der-zinsen-durch-die-landesregierung-ein-tropfen-auf-den-heissen-stein/
4. Oli (Studis Online) kommentierte am 23.03.2009 um 11:02:53 Uhr
@Cheses
Studis Online verweist sehr oft auf studentische Stimmen. Beim letzten Artikel, der mit der Uni des Saarlandes zu tun hatte, gab es auch mehrere Verweise auf den AStA (siehe hier). Diesmal hatte ich leider tatsächlich versäumt, zu schauen, was es von Seite der ASten dazu gibt. Soll nicht wieder vorkommen ;)
Danke auch für Deine Ergänzungen, warum die Kosten für den Erwerb des Meisters kaum mit Studiengebühren und der Lage eines Studierenden vergleichbar sind.
Folgende Artikel könnten für Dich auch interessant sein
Berlin bald zulassungsfrei?
Höchste Eisenbahn für den Berliner Senat. Der muss schnellstens auf ein Urteil des Landesverfassungsgerichts reagieren, mit dem dieses den Numerus Clausus (NC) für ein Studienfach an der Humboldt-Universität (HU) gekippt hat. Das Problem geht indes weit über den Einzelfall hinaus. Es betrifft nicht nur die Hauptstadt, sondern auch andere Bundesländer. [Ergänzung 17.01.: Erfolgsaussichten einer Klage bei Ablehnung im Sommersemester in Berlin sehr gut.]
Studiengebühren reloaded?
Am 26. Januar 2005 machte das Bundesverfassungsgericht den Weg frei zur Einführung allgemeiner Studiengebühren an den staatlichen Hochschulen in den Bundesländern. Nach erster Euphorie der Gebührenbefürworter ist Ernüchterung eingetreten, ab Wintersemester 2012/2013 erheben nur noch zwei Bundesländer Gebühren. Die Debatte geht trotzdem weiter – heute zum Beispiel bei einer Ausschusssitzung im Bundestag.
Studieren in Großbritannien
Kaum ein anderes Land nimmt jedes Jahr so viele deutsche Studierende auf wie Großbritannien. Aus gutem Grund: Großbritannien beheimatet einige der weltweit besten und anerkanntesten Universitäten. Doch ob das Land seine Beliebtheit bei deutschen Studierenden wird halten können ist fraglich - denn ab Winter 2012/13 betragen die Studiengebühren in England oft 9.000 Pfund.
Diese Seite verlinken »





