05.02.2009

Ärger an der Uni des Saarlandes
Bauen mit Studiengebühren?

Dass Studiengebühren zweckentfremdet werden, ist nichts wirklich Neues. Dass aber Studiengebühren genutzt werden sollen, um ein Gebäude aufzustocken, war bisher noch nicht da. Für den Hochschulbau sollten ausschließlich Bund und Länder aufkommen. Nebenbei bemerkt ist gerade durch das Konjunkturpaket des Bundes mehr Geld für den Hochschulbau da. Trotzdem will der Rektor der Uni des Saarlandes offenbar mit Studiengebühren bauen.

Ähnlich wie vor kurzem an der Uni Hohenheim (Studis Online berichtete) wurden auch an der Uni des Saarlandes die Gelder aus Studiengebühren ohne größeren Ärger bei Mitsprache der StudierendenvertreterInnen ausgegeben.

Das ist nun offenbar vorbei. Der Rektor hatte bereits im letzten Jahr die Richtlinien zur Verwendung der Studiengebühren ändern lassen (damals hatte von Studierendenseite niemand widersprochen) und das Schaffen und Unterhalten studentischer Arbeits- und Gruppenräume als möglichen Verwendungszweck aufnehmen lassen.

Gehören studentische Arbeitsräume nicht zur Grundaufgabe des Landes?

Aus Sicht des Unipräsidiums soll die geplante Gebäudeaufstockung nun genau diesem Zweck dienen. Der AStA und die Fachschaften-Konferenz hatten sich einstimmig gegen den Gebäudeplan ausgesprochen. Sie führen u.a. an, dass Gebäude Rahmenbedingungen des Studiums seien und somit keine Grundaufgabe des Landes. Der Unipräsident Volker Linneweber reagierte darauf mit der Aussage: "Die Argumentation, dass Gebäude zu den Rahmenbedingungen des Studiums und somit zur Grundaufgabe des Landes zählen, ist in diesem Fall nicht richtig, da es sich um studentische Arbeitsräume handelt, die nicht in der Verpflichtung des Landes liegen."

Weiter rief Linneweber in einer Presseerklärung die Studierendenvertreter auf, "sich auf der geltenden Rechtsgrundlage zu bewegen und zur konstruktiven Sacharbeit zurückzukehren". Was etwas übertrieben ist, denn die Studierenden hatten auch weitere Gründe genannt, warum sie – auch gerade jetzt – gegen die Verwendung von Studiengebühren zu diesem Zweck sind:
  • Gebäude sind keine Verbesserung der Lehre
  • Gebäude sind sehr kostenintensiv, Studiengebühren werden auf einen Schlag ausgegeben und andere Verbesserungen bleiben aus
  • heutige Studierende finanzieren Gebäude für Jahrzehnte
  • fehlende Sicherheit, nach Einsatz der Studiengebühren langfristig die Räumlichkeiten als studentische Arbeitsräume für Studierende erhalten zu können
  • in Hoffnung auf Abschaffung der Studiengebühren im Wahljahr keine langfristige Verplanung dieser
  • bisher schlecht genutzte oder ungenutzte Räume könnten verwendet werden
Aber darauf reagiert der Präsident offenbar nicht und will den AStA lieber als Blockierer schlechtmachen.

Waël Hamdan, AStA-Vorsitzender an der Universität des Saarlandes, ist empört. Kritik müsse erlaubt sein. Bisher wurde zwischen Vertretern der Studierenden und Universität offen diskutiert. Auch wurde seitens des Präsidiums stets auf die Wünsche der Studierenden eingegangen. "Wir verstehen nicht, weshalb die Studierenden als Geldgeber gerade in diesem wichtigen Punkt ignoriert werden."

Noch ist offen, ob der Plan des Präsidiums tatsächlich realisiert werden kann. Jedenfalls meldet SPIEGEL ONLINE, dass das Ministerium noch prüfe, ob eine solche Baumaßnahme rechtskonform sei.

Noch heißt es also warten auf die endgültige Entscheidung ...

Quellen und Hintergrund


Kommentare zu diesem Artikel

Eigenen Kommentar hinzufügen »

1. Jim12121212 kommentierte am 05.02.2009 um 17:54:23 Uhr

Find ich gut

Also ich weiß nicht was alle immer haben. Ich fände das gut, wenn mit meinen Studiengebühren mal ein paar neue Gebäude gebaut werden würden. Davon hab ich, und viele viele Studenten nach mir, dann auch was. Ganz im Gegensatz zu der angeblichen "verbesserung der Lehre", von der man so oder so nichts merken wird (ich bin übrigens der Meinung, dass man die eh nicht zu verbessern braucht).




2. Sven2311 kommentierte am 06.02.2009 um 15:49:07 Uhr

Keine Baumaßnahmen mit Studiengebühren

Eine Baumaßnahme mit Studiengebühren? Nein danke!

Uns wurde die Verbesserung der Lehre versprochen, stattdessen sollen nun marode Gebäude aus Studiengebühren saniert werden, weil angeblich sonst kein Geld da ist.

Und bei diesen Arbeitsräumen? Wer garantiert denn, dass das ewig Arbeitsräume bleiben? Niemand! Solange das nicht garantiert ist, ist für mich sowas Diebstahl!

Dass der Rektor die Studierendenvertreter als Blockierer darstellen will, finde ich eine Frechheit! Bei so einem Rektor, der so mit der Meinung der Studierenden umgeht, hätte ich keine Lust zu studieren!




3. Hamu-Sumo kommentierte am 25.07.2009 um 17:31:57 Uhr

Jain

Ich weiß nicht, ob die Uni des Saarlandes dazu gehört, aber viele Universitäten (bzw. die Studenten dieser) klagen über mangelnden Platz, welcher auch mit neuen Gebäuden geschaffen werden kann. Wenn dadurch das Studium reibungsloser läuft (soll heißen, man bleibt bei gewünschten Seminaren nicht draußen), ist das für mich eine Verbesserung der Lehre.

Jedoch sind die anderen Punkte nicht so leicht von der Hand zu weisen. Kommilitonen, die kurz vor dem Abschluss stehen, werden von einem neuen Gebäude wohl relativ wenig haben - ihr Geld steckt aber (so wie sich der Text liest) trotzdem da drin.

Hier zeigt sich aber im Übrigen auch das Problem, was für eine Hülse der Ausdruck "Verbesserung der Leere" ist. Im Prinzip kann man darin alles reinpacken. Selbst Heizungskosten kann man somit mit Studiengebühren bezahlen, schließlich lernt es sich im Winter in einem arschkalten Hörsaal schlecht, ergo: Wärme = Verbesserung der Leere!





Folgende Artikel könnten für Dich auch interessant sein





Diese Seite verlinken »


Logo von Studis Online  Studieren leicht gemacht