Hochschulpolitik
Ja! Nein! - SPD streitet um Studiengebühren
Vor den Bundestagswahlen 1998 noch mit dem Versprechen des Verbots von Studiengebühren angetreten, wurde von SPD und Grünen später nur ein löchriges Studiengebührenverbot ins Hochschulrahmengesetz geschrieben. Selbst das könnte nun kippen. Der regierende Bürgermeister von Berlin, Wowereit (SPD) spricht sich für allgemeine Gebühren aus, Bundesbildungsministerin Bulmahn hält noch dagegen. Wowereit hatte in einem Interview mit der Berliner Zeitung die sogenannte Agenda 2010 von Bundeskanzler Schröder als zu schwach krititisiert und in diesem Zuge gleich die Einführung von Studiengebühren gefordert: "Wenn ich mir die Situation der Hochschulen ansehen, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wir geben den Unis mehr Geld, das wir nicht haben, oder wir begreifen, dass wir auch von den Studenten einen Beitrag erwarten dürfen."
Bundesbildungsministerin Bulmahn hält (noch?) dagegen. Am heutigen Montag erklärte sie: "Die Koalition von SPD und Grünen hat Gebühren für das Erststudium bundesweit aus gutem Grunde im Hochschulrahmengesetz ausgeschlossen. Und dabei wird es auch bleiben. Studiengebühren wirken auf Kinder aus einkommensschwächeren Familien abschreckend. Daran ändern auch verschiedene Rückzahlungs- oder Darlehensmodelle nichts, wie jetzt auch jüngste negative Erfahrungen in Australien beweisen."
Bezeichnend die Einschätzung einer AStA-Vertreterin: Wowereit, Sarrazin und ihre Getreuen inszenieren gerade eine echte Schmierenkomödie: Einer gibt die Zahlen vor, damit Wowereit, ehemaliger Volksbidlungsstadrat eines rechtgut situtierten Berliner Bezirkes, setzt mit Studiengebühren noch einen drauf, und das spielen wir jetzt solange, bis alle es für einen überragenden Erfolg halten, wenn wir 'nur' Langzeitsstudiengebühren (leider komplett mehrheitsfähig bei den meisten BerlinerInnen,auch den Studierenden) und eine Kürzung der Mittel um 200 Mio. Euro hinnehmen müssen.
Altbekannte Studiengebührenbefürworter wie das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) sehen mit der so verstärkt aufflammenden Debatte wieder die Chance, ihre angeblich so sozialverträglichen Studiengebührenmodelle in der Debatte zu platzieren. Dabei zeigt gerade die Entwicklung in Deutschland selbst, dass die Hochschulen erst nach Abschaffung von Studiengebühren und Einführung des BAföGs zumindest ansatzweise für alle sozialen Schichten offen waren.
Ein kurzer historischer Rückblick
Bis Ende der 60er Jahre wurden von den Professoren sogenannte Hörergelder eingetrieben. Anfang der 70er gab es dann unter der sozial-liberalen Koalition die große Bildungsreform (diese hatte ihren Namen wirklich mit Recht), Studiengebühren wurden abgeschafft und das BAföG eingeführt. Auch der heutige Bundespräsident Rau setzte sich damals sehr vehement für diese Reformen und auch den Aufbau von Gesamthochschulen ein. Aber was interessieren mich die Worte von gestern ...
| Hinweis Die Studierendenvertretung vieler Belriner Hochschulen rufen zu einer Kundgebung am 21.5. (Mittwoch) um 17 Uhr vor dem Roten Rathaus (U-/S-Bahn Alexanderplatz) auf. |
Hintergrund und weitere Artikel bei uns
- "Ich sehe keine Alternative zu Studiengebühren" (Interview mit Wowereit in der Berliner Zeitung vom 12.05.2003)
- Die Geschichte des BAföG
- Allgemeine Studiengebühren retten Berliner Hochschulen? (27.04.2003)
- Berlin spart sich Studierende (24.04.2003)
CHE Hochschulranking 2012
Das CHE-Ranking ist das umfassendste Hochschulranking im deutschsprachigen Raum. Aber nicht alle beteiligen sich – und tauchen daher u.U. gar nicht im Ranking auf. Oliver Iost erläutert die Hintergründe und hat zusammengestellt, was man im Ranking finden kann – und was nicht. Nicht dabei sind z.B. die Unis Köln, Lüneburg und Vechta, die FernUni Hagen und die Medizin-Fakultäten der Unis Göttingen, Hamburg und Jena.
Soll auch Bayern Studiengebühren abschaffen?
Nachdem seit Anfang August die Piratenpartei Bayern Unterschriften für ein Volksbegehren gegen Studiengebühren sammelt, hat nun die SPD Bayern eine eigenen Initiative gegen Studiengebühren gestartet. Es sollen ebenfalls Unterschriften gesammelt werden, allerdings für eine Petition. Studis Online erklärt die Hintergründe.
Uni-Ranking der Humboldt-Stiftung
Noch ein Uni-Ranking, und wieder ein anderer Spitzenreiter. Diesmal hat die Alexander-von-Humboldt-Stiftung Deutschlands Hochschullandschaft abgecheckt und in einer Tabelle aus Siegern und Besiegten verhackstückt. Nach ganz oben schafften es zwei Berliner Bildungsanstalten, gefolgt von der Konkurrenz aus München. Die rote Laterne hat die TU Cottbus abgekriegt und damit ein Imageproblem mehr. Aber hatte das Oststädtchen überhaupt eine Chance?
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