15.04.2003

Hochschulpolitik
Bachelor für alle, Master nur noch für wenige?

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat offenbar Pläne, den Zugang zu Masterstudiengängen massiv einzuschränken. Für die Masse der Studierenden soll ein Bachelor-Abschluß genügen. Bei nicht-konsekutiven Bachelor/Master-Studiengängen soll zwischen Bachelorabschluss und Master zwangsweise mind. ein Jahr Arbeitstätigkeit liegen.

Die Vorschläge für die neuen Strukturvorgaben unterscheiden sich vor allem in einem Punkt von den bisherigen: "Der Bachelor soll zum Regelabschluss werden, das heißt, dass die meisten StudentInnen nach dem Bachelor die Hochschule verlassen sollen", erklärt Lars Schewe, Mitglied des Vorstands des fzs, "damit werden alle Beteuerungen hinfällig, dass die Einführung der zweistufigen Studiengänge irgendwelcher hehren Ziele dient: Offensichtlich scheint es der KMK nur darum zu gehen, schnöde Bildungsabbau zu betreiben." Dazu kommen noch restriktive Regelungen für sogenannte "nicht-konsekutive" Masterstudiengänge. "Wenn man nach dem Bachelor einen Studiengang studieren will, der nicht direkt auf den anderen Studiengang aufbaut, kann das BAföG wegfallen, obendrauf kommen noch Studiengebühren. Und um das zu rechtfertigen, wird einfach noch vorgeschrieben, dass man vorher mindestens ein Jahr außerhalb der Hochschule war", so Tjark Sauer, Mitglied des fzs-Vorstands.

Wirklich neu sind die Vorschläge der KMK allerdings nicht. Eben die KMK hatte schon 1997 in einer Entschließung angemerkt: "Die Aufnahme in ein Masterprogramm sollte nach erfolgreich absolviertem Erststudium eine besondere Zulassungsentscheidung der Fakultät/des Fachbereichs voraussetzen. Näheres sollte in der Studienordung geregelt werden."

Und in machen Bundesländern gibt es schon relativ starke Restriktionen beim Übergang zwischen Bachelor und Master, so z.B. in Sachsen. Würden die erwähnten Strukturvorgaben jedoch so von der KMK beschlossen, wäre die bundesweite und verschärfte Umsetzung kaum mehr aufzuhalten.

Was sind dankbare Folgen? Weitere Selektionsschritte haben die Tendenz insbesondere Menschen aus sogenannten bildungsfernen Schichten (also aus nicht-Akademiker-Familien) stärker zu treffen. Man kann also vom Bachelor für Arme sprechen. Zwar könnte eine Verkürzung des Studiums für die Masse zu einer pro Studierenden besseren Betreuung und Ausstattung führen. Es steht aber zu befürchten, dass eher noch Geld eingespart wird oder es zu Umschichtungen zu Ungunsten der Bachelor-Ausbildung kommt.

Der studentische Dachverband fzs ruft zu Protesten gegen die geplanten Einschränkungen beim Übergang Bachelor/Master auf und hat auf seinen Webseiten ein Formular vorbereitet, mit dem man automatisch eine Mail an den/die WissenschaftsministerIn des eigenen Bundeslandes schicken kann. Diese bequeme Protestform dürfte allerdings kaum ausreichen ...



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