Hochschulpolitik
Bachelor für alle, Master nur noch für wenige?
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat offenbar Pläne, den Zugang zu Masterstudiengängen massiv einzuschränken. Für die Masse der Studierenden soll ein Bachelor-Abschluß genügen. Bei nicht-konsekutiven Bachelor/Master-Studiengängen soll zwischen Bachelorabschluss und Master zwangsweise mind. ein Jahr Arbeitstätigkeit liegen.Wirklich neu sind die Vorschläge der KMK allerdings nicht. Eben die KMK hatte schon 1997 in einer Entschließung angemerkt: "Die Aufnahme in ein Masterprogramm sollte nach erfolgreich absolviertem Erststudium eine besondere Zulassungsentscheidung der Fakultät/des Fachbereichs voraussetzen. Näheres sollte in der Studienordung geregelt werden."
Und in machen Bundesländern gibt es schon relativ starke Restriktionen beim Übergang zwischen Bachelor und Master, so z.B. in Sachsen. Würden die erwähnten Strukturvorgaben jedoch so von der KMK beschlossen, wäre die bundesweite und verschärfte Umsetzung kaum mehr aufzuhalten.
Was sind dankbare Folgen? Weitere Selektionsschritte haben die Tendenz insbesondere Menschen aus sogenannten bildungsfernen Schichten (also aus nicht-Akademiker-Familien) stärker zu treffen. Man kann also vom Bachelor für Arme sprechen. Zwar könnte eine Verkürzung des Studiums für die Masse zu einer pro Studierenden besseren Betreuung und Ausstattung führen. Es steht aber zu befürchten, dass eher noch Geld eingespart wird oder es zu Umschichtungen zu Ungunsten der Bachelor-Ausbildung kommt.
Der studentische Dachverband fzs ruft zu Protesten gegen die geplanten Einschränkungen beim Übergang Bachelor/Master auf und hat auf seinen Webseiten ein Formular vorbereitet, mit dem man automatisch eine Mail an den/die WissenschaftsministerIn des eigenen Bundeslandes schicken kann. Diese bequeme Protestform dürfte allerdings kaum ausreichen ...
Weitere Informationen und Materialien
- fzs-Homepage
- KMK-Vorlage "Strukturvorgaben für Bachelor- und Masterstudiengänge"
- Presseeklrärung des fzs (15.4.2003)
- Kultusminiserkonferenz (KMK) (zu den im Artikel vorgestellten Plänen gab es am 15.4. allerdings noch nichts näheres)
Fauler Kompromiss
Hinter der Debatte um ›Qualifikationsrahmen‹ verbirgt sich das Ziel einer Vergleichbarkeit der europäischen Bildungssysteme. Zeitweise hatte es den Anschein, als würden so auch einige Heilige Kühe der deutschen Bildungstradition in ein kritisches Visier geraten. Im Januar meldeten die Verantwortlichen einen Durchbruch bei der Erarbeitung eines Deutschen Qualifikationsrahmens. Doch entscheidende Fragen im Verhältnis allgemeiner und beruflicher Bildung bleiben ungeklärt. Damit ist der Deutsche Qualifikationsrahmen in seinen wichtigsten Zielen vorerst gescheitert, meint Sonja Staack.
Studie zu studentischen Mitarbeitern
Ohne sie ginge gar nichts mehr an Deutschlands Hochschulen. Zigtausende studentische Hilfskräfte und Beschäftigte halten den Laden am Laufen, während die Mittel für Forschung und Wissenschaft immer knapper werden. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt erstmals auf, unter welchen Bedingungen sie das tun. Viele arbeiten zweckentfremdet, ohne Weiterbildungseffekt und für schlechtes Geld. Höchste Zeit, dass sich das ändert – fordert die Bildungsgewerkschaft GEW.
Meister = Bachelor?
DQR steht für Deutscher Qualifikationsrahmen. Das klingt sperrig, spröde und nach staubtrockener Bürokratie. Aber die Sache hat es durchaus in sich. Das dahinter stehende System wird nämlich schon bald künftige Berufs- und Erwerbsbiografien beeinflussen – auch die von Studierenden. Es wird vielleicht auch manchen von den Hochschulen fernhalten, weil sich ein Studium am Ende nicht mehr auszahlen könnte.
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