Rheinland-Pfalz
Studiengebühren für Nicht-Landeskinder auf Eis gelegt [Update]
Aufgekocht werden könnte das Studiengebührenmenü jedoch jederzeit. Verabschiedet wurde das Studiengebühren-Gesetz am 07.12.2006 durchaus - nur in Kraft treten wird es zunächst nicht. Das Gesetz wird die politische Debatte also weiter begleiten und könnte jederzeit wieder hervorgezogen werden. Andererseits bestehen auch die juristischen Bedenken gegen eine Landeskinderregelung nach wie vor. Und könnten dafür sorgen, dass es am Ende doch nie zum Vollzug kommt.Der Hochschulpakt zwischen Bund und Ländern sieht vor, dass Rheinland-Pfalz bis 2010 rund 5800 zusätzliche StudienanfängerInnen aufnehmen soll. Es ist allerdings verwunderlich, wieso nun der Hochschulpakt als "Ausrede" dafür herangezogen wird, die geplante Landeskinderregelung zunächst doch nicht zu verwirklichen. So neu sind die Eckpunkte des Hochschulpaktes auch nicht, trotzdem war bis vor kurzem kein Zweifel der Regierung an der Landeskinderregelung zu erkennen. Und ein wirklicher "Vorteilsausgleich", den der frühere Wissenschaftsminister Zöllner (der vor kurzem von Rheinland-Pfalz nach Berlin gewechselt ist) gefordert hatte, um auf die Landeskinderregelung zu verzichten, ist der Hochschulpakt auch nicht.
Das Gesetz bleibt in der Schwebe
Aber wie auch immer: Erst einmal wird die geplante Landeskinderregelung nicht in Kraft treten. Stattdessen wurde das Gesetz am 07.12.2006 mit einer von der SPD-Fraktion eingebrachten Änderung beschlossen. Das In-Kraft-Treten wird daran geknüpft, dass die Regierung dazu eine Rechtsverordnung erlassen muss. Diese Verordnung bedarf der Zustimmung durch den Landtag - was aber einfacher und schneller zu erreichen ist, als ein Gesetz komplett zu beschliessen.
Das Gesetz selbst bleibt damit in der Schwebe - potentiell unbegrenzt, denn ein Datum zu dem es automatisch ungültig würde (wie in manchen Bundesländern inzwischen für einige Gesetze üblich), ist nicht vorgesehen.
Für (zukünftige) Studierende, die - aus welchen Gründen auch immer - ihren Erstwohnsitz nicht nach Rheinland-Pfalz verlegen können, bleibt das beschlossene Gesetz wie ein Damoklesschwert über ihren Köpfen. Denn es kann relativ kurzfristig in Kraft gesetzt werden - wenn "zu viele" Studierende nach Rheinland-Pfalz kommen. Und was genau "zu viele" ist, hat natürlich niemand genauer definiert. Nur dass es 5800 mehr StudienanfängerInnen sein sollen, ist klar. Aber wären z.B. 6500 mehr schon zu viel?
Selbst wenn das Gesetz irgendwann zum Vollzug gebracht werden sollte, könnte es jedoch daran scheitern, dass die Landeskinderregelung verfassungswidrig ist. Ähnliche Regelungen in Hamburg und Bremen waren zumindest in erster Instanz gescheitert. Eine endgültige Klärung steht aus. In Hamburg wurden stattdessen allgemeine Studiengebühren eingeführt und das Gesetz daher nicht mehr vollzogen, was weitere Entscheidungen unnötig machte. In Bremen könnte das Verfahren in die nächste Instanz gehen, was vielleicht mehr Aufschluss geben wird.
Von Seiten der CDU-Opposition und manch anderer Beobachter wird das Nicht-In-Kraft-Setzen aber auch schon als Aufgabe des Gesetzes interpretiert. Nur dass die SPD das jetzt noch nicht zugeben wolle.
- Hochschulpakt bietet neue Chancen für ein gebührenfreies Erststudium (Pressemitteilung Wissenschaftsministerium, 06.12.2006) »
- "Landeskinderregelung" erst einmal auf Eis gelegt (Meldung auf rlp.de, der offiziellen Seite für Rheinland-Pfalz, verantwortet von der Landesregierung) »
- Gesetzentwurf (Landtagsdrucksache 15/400) »
- Änderungsantrag der SPD (hier ist das Nicht-In-Kraft-Setzen geregelt und die Tatsache, dass Gebühren für Externe frühestens zum WiSe 2007/2008 erhoben werden könnten, wenn das Gesetz doch noch in Kraft gesetzt würde, Landtagsdrucksache 15/557) »
- Rheinland-Pfalz will Studiengebühren für Nicht-Landeskinder (Artikel bei Studis Online mit Hintergründen zu den Plänen, 01.11.2006) »
- Studiengebühren in Deutschland - Übersicht (ständig aktualisiert) »
Auch Hamburg schafft Studiengebühren ab
Angekündigt hatte es der Senat schon im April, heute nun wurde der entsprechende Gesetzentwurf verabschiedet. Ab Wintersemester 2012/2013 sind demnach auch in Hamburg keine Studiengebühren mehr zu zahlen. Allgemeine Studiengebühren werden dann wohl nur noch Bayern und Niedersachsen erheben.
CHE Hochschulranking 2012
Das CHE-Ranking ist das umfassendste Hochschulranking im deutschsprachigen Raum. Aber nicht alle beteiligen sich – und tauchen daher u.U. gar nicht im Ranking auf. Oliver Iost erläutert die Hintergründe und hat zusammengestellt, was man im Ranking finden kann – und was nicht. Nicht dabei sind z.B. die Unis Köln, Lüneburg und Vechta, die FernUni Hagen und die Medizin-Fakultäten der Unis Göttingen, Hamburg und Jena.
Soll auch Bayern Studiengebühren abschaffen?
Nachdem seit Anfang August die Piratenpartei Bayern Unterschriften für ein Volksbegehren gegen Studiengebühren sammelt, hat nun die SPD Bayern eine eigenen Initiative gegen Studiengebühren gestartet. Es sollen ebenfalls Unterschriften gesammelt werden, allerdings für eine Petition. Studis Online erklärt die Hintergründe.
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