Es könnte eng werden
Studierendenzahl soll bis 2014 um bis zu 35% steigen
Die Kultusministerkonferenz (KMK) erwartet bis 2014 ein Anstieg der Studierendenzahlen auf 2,5 bis 2,7 Mio, selbst 2020 sollen es noch mind. 2,3 Mio sein - zur Zeit sind es gerade mal 2 Mio. Allerdings gibt es diverse Fragezeichen bei dieser Prognose. Wenn sie eintreten würde, müssten sich die zukünftigen Studierenden auf übervolle Hörsaale und Seminare einstellen. Schwieriger ist es jedoch, eine Annahme darüber zu treffen, wieviele davon wirklich ein Studium aufnehmen werden. So kann heute niemand wirklich sagen, wie stark bspw. die in manchen Bundesländern geplanten Studiengebühren darauf Auswirkung haben werden. Auch die Entwicklung des BAföGs dürfte einen Einfluss auf die Studierneigung haben - und wer will schon sagen, wie das BAföG 2020 aussieht (wenn es dann noch existiert).
So schränkt die KMK denn auch ein, dass sie einfach annimmt, dass die Rahmenbedingungen ungefähr gleich bleiben, also der gleiche Prozenzsatz eines Jahrgangs tatsächlich ein Studium aufnimmt. Auch Auswirkungen durch die Umstellung auf Bachelor/Master-Studiengänge werden unterschlagen - sie sind auch schwer vorauszusagen. Einerseits könnte die Dauer eines Studiums sinken (wenn viele nach dem Bachelor aufhören), andererseits könnten aber sogar noch mehr ein solches Kurzstudium beginnen. Auch die Übergangsquote auf den Master lässt sich seriös heute nicht voraussagen.
Ziemlich sicher ist jedoch: 2012 bis 2014 gibt es ein Hoch, da durch die Verkürzung der Schulzeit auf 12 Schuljahre bis zum Abitur in jeweils unterschiedlichen Ländern doppelte Jahrgänge die Gymnasien verlassen werden. Dass es dann etwas enger wird, lässt sich also prinzipiell nicht verhindern.
Überlast mit Studiengebühren finanzieren?
Da die Studierendenzahlen nach 2014 wohl wieder sinken werden, könnten die Wissenschaftsminister erneut (wie schon in den 80er Jahren) auf die Idee kommen, den "Studentenberg" zu untertunneln. Also mit kaum veränderten Personal und räumlicher Ausstattung die paar Jahre "Überlast" durchzustehen.
Allerdings sind die Hochschulen heute schon immer wieder an (oder über) ihren Grenzen der Lehrleistung angekommen. Es besteht also Handlungsbedarf. Nur gibt es natürlich auch die Möglichkeit, den drohenden Studierendenansturm auf andere Weise zu verhindern.
Die Umstellung auf die Bachelor/Master kann genutzt werden, um vielen Studierenden nur ein Kurzstudium zu gewähren. So könnten statt konsekutiver Master mehr und mehr Master eingeführt werden, die nur nach zwischenzeitlicher Berufstätigkeit studiert werden können - und auch teurer als 500 € im Semester sein dürfen. Die von den CDU-Ländern (auch nicht auf ewig) festgelegte Beschänkung auf 500 € allgemeinen Studiengebühren je Semester gilt nur für konsekutive Master. Und selbst vermeintlich Bundesländer ohne allgemeine Studiengebühren könnten diesen Kniff anwenden.
Zum Teil dürften die Studiengebühren auch genutzt werden, um mit der Überlast fertig zu werden. Vielleicht würden noch einige Jahrgänge (um 2010) von etwas besseren Bedingungen profitieren, danach würde dies von der Überlast wieder aufgefressen und 2013 sähe alles wieder so aus, wie heute in einigen Studiengängen: Übervolle Hörsäle, Seminare mit viel zu vielen TeilnehmerInnen etc.
Gerade diese nur für wenige freundliche Voraussage ist leider gar nicht unwahrscheinlich: Um die Studiengebühren durchzusetzen, dürften die Gebührenbefürworter das Geld anfangs tatsächlich für Verbesserungen ausgeben. Ist der stärkste Widerstand dann erloschen und haben sich die Studierenden an die Gebühren "gewöhnt", kann man ja wieder Leistungen abbauen. Offen bleibt jedoch, ob das wirlich durchsetzbar sein wird, wenn es - wie zur Zeit zu erwarten - durchaus auch Bundesländer ohne Studiengebühren gibt. Letztere könnten sich dadurch "schützen", dass hohe lokale NCs eingeführt werden. Dann würden die potentiellen Studierenden "einfach" schon vor der Tür abgewiesen.
Letztlich spricht also einiges dafür, dass möglicherweise doch nicht so viele Studierende zu erwarten sind - ganz egal, ob mit oder ohne allgemeine Studiengebühren. Nur mit einem grundsätzlichen Wandel der Prioritäten in Sachen Ausgaben für die Hochschulen könnten Bund und Länder dies noch verhindern. Vielleicht geschehen doch noch Wunder.
Quelle: Ergebnisse der 311. Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz (14.10.2005, in Punkt 5 geht's um die Studierendenzahlen)
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