Hochschulpolitik
KfW-Studienkredit erst ab Sommersemester 2006
Die KfW Förderbank hatte Anfang des Jahres einigen Rummel um ihr geplantes Studienkreditprogramm gemacht. Der Start dafür war für Wintersemester diesen Jahres geplant. Am Sonntag jedoch der Rückzieher: Angeblich wegen des Bundestagwahlkampfes und der Befürchtung, "in die politisch kontroverse Diskussion um Bildungsfinanzierung und Studiengebühren" zu geraten. [Update 11.07., 16:50 Uhr]Die KfW hatte sich allerdings selbst Anfang des Jahres mit der Ankündigung des Studienkredit-Programms und insbesondere einer Veranstaltung zusammen mit CHE und Stifterverband (beides Organisationen, die Studiengebühren seit Jahren vehement fordern) politisch ziemlich aus dem Fenster gehängt.
Man kann wohl unterstellen, dass die KfW sich im erhofften Markt von Studienfinanzierungsmöglichkeiten ihren Platz sichern wollte. Insbesondere, wenn die Studiengebühren in Zukunft steigen sollten. Zwar wurde von Seiten der KfW ein Zusammenhang mit Studiengebühren immer verneint - aber warum gab es dann nicht schon früher ein derartiges Angebot?
Für all diejenigen, die kein BAföG bekommen können, aber auch nicht die Eltern zu Unterhalt verklagen wollen (oder können) und für die Jobben zumindest zeitweise schwierig ist, wäre schon immer ein Studienkredit durchaus hilfreich gewesen. Aber es wären eben nicht wirklich viele gewesen, die solch ein Angebot genutzt hätten.
Mit Studiengebühren (und vor allem solchen, die über den aktuell gehandelten 500 Euro im Semester liegen) gäbe es jedoch vermehrt den Zwang für Studierende, ein Kredit aufzunehmen. Denn das BAföG reicht nur fürs Überleben und auch Jobben geht nicht unbegrenzt. Vor allem aber würde damit Bildung immer mehr zur Ware, ein Kredit eine Investition ins eigene Humankapital. Erst recht, falls das BAföG abgeschafft würde (worauf die Anbieter von Studienkrediten wahrscheinlich durchaus hoffen).
Das dies alles keine Spekulation nur von Studis Online sind, zeigt bspw. der Artikel im Handelsblatt vom 11.07.2005. In ihm heißt es u.a. "Der deutsche Markt für Studienkredite hat nach Ansicht von Experten ein starkes Wachstumspotenzial [...] Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet in fünf Jahren bereits mit 2 500 Euro pro Semester. Um später einkommensstarke Kunden früh zu binden, denken neben der Deutschen Bank auch die Citibank und die CC-Bank über eigene Produkte nach, Gleiches gilt für die Postbank und die Norisbank."
Es bleibt aber noch offen, ob Studiengebühren in einem solchen Ausmaß in Deutschland wirklich durchsetzbar sind. Fatalismus im Sinne von "die kommen sowieso" ist nicht angebracht.
Wer zu denen gehört hat, der schon heute einen Studienkredit brauchen könnte und daher schon im Wintersemester einen in Anspruch zu nehmen hoffte, dem bleiben zum Wintersemester nur wenige Anbieter, bei denen es größtenteils auch noch nicht sicher ist, ob sie wirklich starten werden.
- Mehr zum Thema und Rückblick
- Studis Online-Infos zu Anbietern von Studienkrediten (ständig aktualisiert)
- KfW Bankengruppe verschiebt Start des Studienkreditprogramms (Presseerklärung der KfW vom 10.07.2005)
- "BAföG allein reicht nicht" (Interview der WamS mit KfW-Vorstandssprecher Reich, 10.07.2005)
- CHE, KfW und Stifterverband präsentieren Studiendarlehen-Modell - und wollen Studiengebühren (Studis Online-Artikel vom 17.02.2005)
- Wie teuer Studiengebühren und Studium auf Pump werden (Studis Online-Artikel vom 01.02.2005)
- Bankkredite für Studiengebühren und Lebensunterhalt? (Studis Online-Artikel vom 12.01.2005)
KfW-Studienkredit, Bildungskredit und weitere Angebote
Bei der KfW treten immer am 1. April und 1. Oktober neue Zinssätze der Kreditangebote für Studierende in Kraft. Die aktuelle Anpassung bringt niedrigere Zinsen von nun (jeweils nominal) 2,10% für den Bildungskredit und das BAföG-Bankdarlehen und 3,69% für den KfW-Studienkredit (alle anderen Angebote und Entwicklung in den letzten Jahren siehe im Artikel).
Studie zu studentischen Mitarbeitern
Ohne sie ginge gar nichts mehr an Deutschlands Hochschulen. Zigtausende studentische Hilfskräfte und Beschäftigte halten den Laden am Laufen, während die Mittel für Forschung und Wissenschaft immer knapper werden. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt erstmals auf, unter welchen Bedingungen sie das tun. Viele arbeiten zweckentfremdet, ohne Weiterbildungseffekt und für schlechtes Geld. Höchste Zeit, dass sich das ändert – fordert die Bildungsgewerkschaft GEW.
Uni-Ranking der Humboldt-Stiftung
Noch ein Uni-Ranking, und wieder ein anderer Spitzenreiter. Diesmal hat die Alexander-von-Humboldt-Stiftung Deutschlands Hochschullandschaft abgecheckt und in einer Tabelle aus Siegern und Besiegten verhackstückt. Nach ganz oben schafften es zwei Berliner Bildungsanstalten, gefolgt von der Konkurrenz aus München. Die rote Laterne hat die TU Cottbus abgekriegt und damit ein Imageproblem mehr. Aber hatte das Oststädtchen überhaupt eine Chance?
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