Hochschulpolitik
Heiße Proteste gegen Studiengebühren?
In der ZEIT von letzter Woche konnte man die Einschätzung lesen, dass mit größeren Protesten gegen Studiengebühren nicht zu rechnen sei. Die Studierenden hätten dafür gar keine Zeit und so schlimm fänden sie die Gebühren auch nicht. Oliver Iost sieht das durchaus anders - und erläutert, warum er zwar mit Protesten rechnet, man aber nicht zu viel erwarten darf. Und warum Protest auch im kleinen trotzdem sinnvoll ist.An fast allen größeren Hochschulen in ganz Deutschland laufen diverse Aktionen. Besonders an der Universität Hamburg gab es schon in den letzten Tagen Proteste bis hin zur Besetzung des Rektorats (mit anschließender Räumung durch die Polizei). Hamburg ist ja auch eins der Länder, das am ehesten allgemeine Studiengebühren einführen will.
Warum die Proteste wohl nicht so groß werden - bundesweit betrachtet
Ansätze zu Protesten sind also durchaus schon zu erkennen. Trotzdem kann man vermuten, dass die Proteste nicht so groß werden, wie bspw. in den großen Streiksemestern 1997/1998 oder 1988/1989. Dafür gibt es einige Gründe - aus denen man umgekehrt wieder folgern kann, dass schon einigermaßen hörbare Proteste durchaus einen Erfolg darstellen würden.
Was spricht also alles für eher beschränkte Proteste - bundesweit gesehen - in diesem Sommersemester?
- Sommersemester sind keine Protestsemester
Erfahrungsgemäß sind große Proteste eher in einem Wintersemester möglich. Über die Ursachen ließe sich spekulieren. Ein Aspekt mag sein, dass fast alle StudienanfängerInnen im Wintersemester starten und noch eher mobilisierbar sind. Im Sommersemester haben diese sich schon stärker mit den Zuständen an der Hochschule abgefunden und sind schon im Studientrott. - Kein gemeinsames "Feindbild" - diffuse Politik
Speziell beim Widerstand gegen allgemeine Studiengebühren fehlt das bundesweite gemeinsame "Feindbild". Jedes Bundesland kocht seine eigene Suppe und - leider - sind Studierende (aber natürlich auch alle anderen) am ehesten protestfreudig, wenn sie ganz konkret von Maßnahmen bedroht sind. Bei der Einführung von allgemeinen Studiengebühren ist die Situation aber äußerst diffus - siehe auch den Studiengebühren-Überblick. - Großteil der Medien findet Studiengebühren in Ordnung
Zumindest 1997/1998 war es so, dass die Medien (und selbst die Politik) die Studierende geradezu umarmt hat und viel Verständnis für die Proteste zeigte. Durch die dadurch gegebene vielfache Berichterstattung machten dann aber auch die zweifelenden Studierenden eher mit. Auch wenn die Forderungen der Studierenden von den Medien dann auch gerne mal auf "Wir wollen bessere Studienbedingungen" reduziert wurden.
In Sachen Studiengebühren gibt es aber inzwischen kaum noch Medien, die grundsätzliche Kritik äußern. Fast alle geben sich dem Sachzwangargument hin, es sei kein Geld da - also müsse man eben die Studierenden selbst anpumpen, um die Hochschule zu verbessern. Viele Studierende sind daher verunsichert, ob sie denn wirklich gegen Studiengebühren sein sollten. - Studierende zunehmend unter finanziellem Druck
Schließlich stehen die Studierenden zunehmend unter finanziellem Druck. Das BAföG reicht in teurere Ständten nicht aus, also muss noch gejobbt werden - weniger Zeit für Teilnahme an Protesten. Oder überhaupt dafür, über Politik nachzudenken. Dazu kommt die von vielen Seiten wiederholte Behauptung, man müsse sein Studium unbedingt ganz schnell (und am besten noch mit Auslandsaufenthalt und hervorragenden Noten) abschließen.
... und warum sie trotzdem lohnen
Man könnte nun meinen, wenn die Proteste sowieso nicht groß werden, dann könnten die Studierenden es doch gleich lassen. Dem ist aber nicht so. Zwar sollten Aktive nicht übergroße Erwartungen in Proteste haben, aber jeder noch so kleine Protest hat seinen Wert. Er erinnert die Politik daran, dass es noch Kritik an den Hochschulen gibt und sie nicht mit dem Holzhammer vorgehen sollten.
Schon Anfang der 1990er Jahre versuchten die Gebührenbefürworter immer wieder, allgemeine Studiengebühren in der Debatte zu verankern. Das gelang ihnen zwar zunehmend und schon damals hieß es immer wieder, Proteste hätten doch keinen Sinn, die Gebühren kämen so oder so. Die Einführung von allgemeinen Studiengebühren ist aber bis heute verhindert worden. Beschlossen ist noch nichts.
Protest lohnt also nach wie vor. Vielleicht werden nun wirklich allgemeinen Studiengebühren eingeführt - aber eben immer noch nicht überall. Je weniger Protest, desto härtere Gebührenregelungen dürften kommen und um so schneller alle Bundesländer "umfallen". Es mag zwar nicht so attraktiv sein, nur schlimmeres zu verhindern. Aber ist das nicht auch schon etwas?
Auch für die/den EinzelneN kann die Teilnahme und noch mehr das aktive Mittun an Protesten lehrreich sein ;-) Wichtig ist, dass man nicht zu viel erwartet, eine gewisse Offenheit für Meinungen anderer behält und das ganze auch mit Spaß verbinden kann. Allerdings sollte man seine Argumente schon durchdenken, was auch mit Arbeit verbunden ist. Mitlaufen kann jeder, selbst mitorganisieren ist dagegen sogar eine Qualifikation für später ...
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Papiertiger Zivilklausel
Ist die "Zivilklausel" der Universität Bremen nur Etikettenschwindel? Möglicherweise hat die Hochschule gleich mehrfach gegen die Selbstverpflichtung verstoßen, nicht für militärische Zwecke zu forschen. Das Rektorat will prüfen lassen, ob in der Vergangenheit über Umwege an einem Projekt für das deutsche Verteidigungsministerium gearbeitet wurde. Für Studierendenvertreter liegt die Sache auf der Hand, für sie ist es an der Zeit für eine gesetzliche Regelung.
BWL / VWL / Management / Wirtschaft studieren
Betriebswirte werden in allen Bereichen des täglichen Lebens gebraucht. Daher gibt es nicht nur viele facettenreiche Jobchancen, sondern auch erstmal viele verschiedene Möglichkeiten, einen wirtschaftlichen Studiengang aufzunehmen. Sie alle haben aber auch einen gemeinsamen Kern: die sehr zahlenorientierte Managementlehre.
Uni-Ranking der Humboldt-Stiftung
Noch ein Uni-Ranking, und wieder ein anderer Spitzenreiter. Diesmal hat die Alexander-von-Humboldt-Stiftung Deutschlands Hochschullandschaft abgecheckt und in einer Tabelle aus Siegern und Besiegten verhackstückt. Nach ganz oben schafften es zwei Berliner Bildungsanstalten, gefolgt von der Konkurrenz aus München. Die rote Laterne hat die TU Cottbus abgekriegt und damit ein Imageproblem mehr. Aber hatte das Oststädtchen überhaupt eine Chance?
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