Sozialerhebung veröffentlicht
Zahlen rund ums Studierendenleben
Alle drei Jahre veröffentlichen das Deutsche Studentenwerk (DSW) und das BMBF die Sozialerhebung, die die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden beleuchtet. Die BAföG-Reform von 2001 war demnach positiv, von Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem kann aber noch lange nicht gesprochen werden. Interessant sind auch die Zahlen zum Thema "wieviel Geld steht Studierenden monatlich zur Verfügung".Chancengleichheit?
Laut Sozialerhebung hatten im Jahr 2003 22% der jungen Leuten im studierfähigen Alter (19-24 Jahre) einen Vater, der über Hochschulreife verfügt, von diesen nahmen 84% ein Hochschulstudium auf (Anstieg um 7% im Vergleich zum Jahr 2000). 33% hatten einen Vater mit Realschulabschluss, davon studierten nur noch 27% (Absenkung um 6%). 45% hatten Väter mit Hauptschulabschluss, von diesen 45 studierten lediglich 21% (was sogar noch einen Anstieg um 5% bedeutet).
Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) ging in seiner Presseerklärung ebenfalls auf die durch die Erhebung bestätigte Selektivität des deutschen Bildungssystems ein. "Statt über neue soziale Hürden wie Studiengebühren oder ein Auswahlrecht der Hochschulen nachzudenken, sollten alle Verantwortlichen Anstrengungen unternehmen, um diese Schieflage abzubauen", sagte Nele Hirsch, Vorstandsmitglied im fzs.
Verbesserungen beim BAföG
Bundesbildungsministerin Bulmahn schmückte sich lieber mit der bereits drei Jahre alten BAföG-Reform, deren Auswirkungen erst mit der aktuellen Sozialerhebung gemessen werden konnten und die erwartungsgemäß positiv waren. So hat sich die Zahl der Geförderten von 1998 bis 2003 von 341000 auf rund eine halbe Million erhöht.
Diese Erfolge relativieren sich allerdings, da es vor Ende 2005 keine Anpassungen beim BAföG-Bedarf mehr geben wird und auch bei den Einkommens- und Vermögensfreibeträgen bleibt alles wie gehabt. Es steht daher zu befürchten, dass bei der nächsten Erhebung schon wieder weniger BAföG-Empfänger zu vermelden sein werden.
Was Studierende so an Geld zur Verfügung haben
| Bezugsgruppe "Normalstudent" Betrachtet werden in der Erhebung bezogen auf die Studienfinanzierung nicht alle Studierende, nur ledige, nicht im Elternhaus wohnende Studierende im Erststudium. Dies trifft auf 65% aller Studierenden zu. In der Erhebung heißt es dazu: "Diese Studierenden werden bei sozial- und förderungspolitischen Überlegungen als Regelfall betrachtet.". Oder anders: Wer da nicht reinpasst, muss leider mit Problemen rechnen ... |
Das hört sich besser an, als es ist, denn in den Jahren vorher mussten die Studierende Kaufkraftverluste (1997: -1,2 %, 2000: -1,5 %) hinnehmen. Die Entwicklung von 2000 nach 2003 ist folglich zum Teil auch als Realisierung eines Nachholbedarfs zu verstehen. Dabei ist die Verteilung ziemlich ungleich. Ein Viertel der Studierenden hat im Monat weniger als 600 € zur Verfügung, das obere Viertel dagegen mehr als 890 €.
Die Finanzierungsquellen
Erstmalig seit langer Zeit ist der Anteil der Studierende, die neben dem Studium jobben, leicht gesunken - von 66% (2000) auf 63% (2003). Gestiegen ist dagegen die Abhängigkeit vom Elternhaus, 89% der Studierenden erhalten Zuwendungen der Elttern. Der Anteil der Studierenden, die BAföG erhalten ist immerhin von 24% auf 27% gestiegen. Erstmalig taucht auch der Bildungskredit auf - der wird aber nur von 1% genutzt.
- Sozialerhebung.de (Downloadmöglichkeit, weitere Infos)
- Soziale Rahmenbedingungen des Studiums sind Erfolgsfaktor für ein leistungsfähiges Hochschulsystem (Pressemitteilung des DSW, 16.06.2004, PDF-Datei)
- Sozialerhebung belegt erneut soziale Selektivität des Bildungssystems (Presseerklärung des fzs, 16.06.2004)
Studie zu studentischen Mitarbeitern
Ohne sie ginge gar nichts mehr an Deutschlands Hochschulen. Zigtausende studentische Hilfskräfte und Beschäftigte halten den Laden am Laufen, während die Mittel für Forschung und Wissenschaft immer knapper werden. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt erstmals auf, unter welchen Bedingungen sie das tun. Viele arbeiten zweckentfremdet, ohne Weiterbildungseffekt und für schlechtes Geld. Höchste Zeit, dass sich das ändert – fordert die Bildungsgewerkschaft GEW.
19. BAföG-Bericht enthüllt
Inzwischen kann man den 19. BAföG-Bericht auch direkt beim BMBF online einsehen. Studis Online hatte schon vorab eine Fassung, die dem Endzustand entsprach und konnte daher frühzeitig berichten. Einige Details im Bericht deuten darauf hin, dass eine Erhöhung des BAföG vom BMBF nicht für sonderlich dringend gehalten wird – obwohl dem keineswegs so ist, wie gezeigt werden kann.
Qualitätspakt Lehre
Die Sieger der zweiten Runde des "Qualitätspakts Lehre" stehen fest. Über hundert höhere Lehranstalten haben den Zuschlag für zusätzliche Fördermittel des Bundes in Millionenhöhe erhalten. Ein größerer Rest ist allerdings leer ausgegangen. Dort bleibt der in der Regel dürftige Status quo bestehen. Die einen finden diesen Wettbewerb "gesund", andere "verheerend".
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