16.06.2004

Sozialerhebung veröffentlicht
Zahlen rund ums Studierendenleben

Alle drei Jahre veröffentlichen das Deutsche Studentenwerk (DSW) und das BMBF die Sozialerhebung, die die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden beleuchtet. Die BAföG-Reform von 2001 war demnach positiv, von Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem kann aber noch lange nicht gesprochen werden. Interessant sind auch die Zahlen zum Thema "wieviel Geld steht Studierenden monatlich zur Verfügung".

Der DSW-Präsident Hans-Dieter Rinkens wies bei der Vorstellung der 17. Sozialerhebung besonders darauf hin, dass ein "alarmierender" Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und der Entscheidung für ein Hochschulstudium besteht. Die Verwirklichung von Chancengleichheit müsse Kernaufgabe einer modernen Bildungspolitik bleiben.

Chancengleichheit?

Laut Sozialerhebung hatten im Jahr 2003 22% der jungen Leuten im studierfähigen Alter (19-24 Jahre) einen Vater, der über Hochschulreife verfügt, von diesen nahmen 84% ein Hochschulstudium auf (Anstieg um 7% im Vergleich zum Jahr 2000). 33% hatten einen Vater mit Realschulabschluss, davon studierten nur noch 27% (Absenkung um 6%). 45% hatten Väter mit Hauptschulabschluss, von diesen 45 studierten lediglich 21% (was sogar noch einen Anstieg um 5% bedeutet).

Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) ging in seiner Presseerklärung ebenfalls auf die durch die Erhebung bestätigte Selektivität des deutschen Bildungssystems ein. "Statt über neue soziale Hürden wie Studiengebühren oder ein Auswahlrecht der Hochschulen nachzudenken, sollten alle Verantwortlichen Anstrengungen unternehmen, um diese Schieflage abzubauen", sagte Nele Hirsch, Vorstandsmitglied im fzs.

Verbesserungen beim BAföG

Bundesbildungsministerin Bulmahn schmückte sich lieber mit der bereits drei Jahre alten BAföG-Reform, deren Auswirkungen erst mit der aktuellen Sozialerhebung gemessen werden konnten und die erwartungsgemäß positiv waren. So hat sich die Zahl der Geförderten von 1998 bis 2003 von 341000 auf rund eine halbe Million erhöht.

Diese Erfolge relativieren sich allerdings, da es vor Ende 2005 keine Anpassungen beim BAföG-Bedarf mehr geben wird und auch bei den Einkommens- und Vermögensfreibeträgen bleibt alles wie gehabt. Es steht daher zu befürchten, dass bei der nächsten Erhebung schon wieder weniger BAföG-Empfänger zu vermelden sein werden.

Was Studierende so an Geld zur Verfügung haben

Bezugsgruppe "Normalstudent"

Betrachtet werden in der Erhebung bezogen auf die Studienfinanzierung nicht alle Studierende, nur ledige, nicht im Elternhaus wohnende Studierende im Erststudium. Dies trifft auf 65% aller Studierenden zu. In der Erhebung heißt es dazu: "Diese Studierenden werden bei sozial- und förderungspolitischen Überlegungen als Regelfall betrachtet.". Oder anders: Wer da nicht reinpasst, muss leider mit Problemen rechnen ...
Studierende verfügten 2003 über monatliche Einnahmen in Höhe von 767 €. Drei Jahre zuvor lag dieser Betrag bei 703 €, ist seitdem also um immerhin 9,1 % angestiegen. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate haben Studierende demnach eine um 4,5% höhere Kaufkraft als 2000.

Das hört sich besser an, als es ist, denn in den Jahren vorher mussten die Studierende Kaufkraftverluste (1997: -1,2 %, 2000: -1,5 %) hinnehmen. Die Entwicklung von 2000 nach 2003 ist folglich zum Teil auch als Realisierung eines Nachholbedarfs zu verstehen. Dabei ist die Verteilung ziemlich ungleich. Ein Viertel der Studierenden hat im Monat weniger als 600 € zur Verfügung, das obere Viertel dagegen mehr als 890 €.

Die Finanzierungsquellen

Erstmalig seit langer Zeit ist der Anteil der Studierende, die neben dem Studium jobben, leicht gesunken - von 66% (2000) auf 63% (2003). Gestiegen ist dagegen die Abhängigkeit vom Elternhaus, 89% der Studierenden erhalten Zuwendungen der Elttern. Der Anteil der Studierenden, die BAföG erhalten ist immerhin von 24% auf 27% gestiegen. Erstmalig taucht auch der Bildungskredit auf - der wird aber nur von 1% genutzt.





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