Bald sind es nur noch zwei
Auch Hamburg schafft Studiengebühren ab

Hamburg wäre das fünfte Bundesland, das Studiengebühren wieder abschafft und insofern gebührenfrei würde.
Erst 500 €, dann 375 € nachlaufend und bald wieder keine allgemeine Studiengebühren mehr
In Hamburg waren die Gebühren 2007 eingeführt worden, der damalige Wissenschaftssenator Jörg Träger ist inzwischen übrigens beim Centrum für Hochschulentwicklung (genauer bei CHE Concept) beschäftigt. Das CHE ist einer der entscheidende Akteure in Sachen Durchsetzung von Studiengebühren gewesen. So schließt sich gewissermaßen der Kreis. Aktuell läuft es gegen die Ideen des CHE: Studiengebühren scheinen in Deutschland eher wieder zum Auslaufmodell geworden zu sein.
Vor der aktuellen Regierung in Hamburg gab es ja noch die erste schwarz-grüne Landesregierung. Im Gegensatz zu den Grünen im Saarland, die in Sachen Studiengebühren in einem Dreierbündnis (von dem zwei eigentlich für Gebühren waren) mehr durchsetzen konnten, kam es in Hamburg nur zu kosmetischen Änderungen. Statt 500 Euro mussten "nur" noch 375 Euro pro Semester gezahlt werden, wobei die Zahlung erst nach Studienende und ab einer gewissen Verdiensthöhe wirklich fällig wurde ("nachlaufende Studiengebühren"). Dafür aber entfielen diverse Erlassmöglichkeiten, so dass insgesamt eher mehr Studierende als vorher zahlen mussten.
Im Wahlkampf zu den Bürgerschaftswahlen im Februar dieses Jahres schließlich positionierten sich sowohl GAL, Linke als auch SPD gegen Studiengebühren und kündigten bei einer Regierungsbeteiligung an, sie abschaffen zu wollen. Die SPD gewann die absolute Mehrheit und kann dies nun tatsächlich ohne weitere Widerstände tun und würde ja letztlich sogar von zwei weiteren Parteien unterstützt. Auch wenn in Details Abweichungen bestünden: So würde die LINKE die Gebühren deutlich schneller abschaffen wollen. Die SPD meint jedoch, sie könne die Abschaffung nicht früher finanzieren.
Ausgleichszahlungen scheinen vernünftig
Werden Studiengebühren wieder abgeschafft, so fällt für die Hochschulen (bei ansonsten gleichbleibenden Finanzierung durch den Staat) einiges an Geld weg. Üblich waren daher in allen Bundesländern, die die Abschaffung schon hinter sich gebracht haben, Ausgleichszahlungen direkt aus dem Landeshaushalt. Über deren Höhe wurde – wie immer in der Politik, wenn's um Geld geht – gefeilscht und manchmal Äpfel mit Birnen verglichen. Ein Problem ist z.B., dass die Berechnung auf Basis der durchschnittlichen Studierendenzahl der vergangenen Jahre eher zu wenig Ausgleich bedeutet (die Zahlen sind in den letzten Jahren stetig und deutlich gestiegen!).
Auch in Hamburg kann man sich über die genaue Basis der Ausgleichszahlungen wohl streiten. Immerhin legt der Senat insofern noch etwas drauf, als auch Zahlungen der Hochschulen für die Gebühren der Bank, die die nachlaufenden Gebühren zwischenfinanzierte, wegfallen sollen und für die noch verbleibenden Jahre vom Land getragen werden sollen (Details siehe bspw. die Pressemitteilung der Wissenschaftsbehörde)
Im Rahmen des Gesetzes zur Abschaffung der Studiengebühren scheinen die Regelungen also durchaus vernünftig zu sein. Wie sich jedoch die Gesamtfinanzierung der Hochschulen entwickeln wird und ob der Senat doch an anderer Stelle wieder kürzt (gewisse globale Minderausgaben waren ja schon Gegenstand von Streit zwischen Hochschulen und Senat), bleibt natürlich offen. Denn die Details dazu ergeben sich ja erst durch die Haushaltsverhandlungen.
Wermutstropfen: Fehlende studentische Beteiligung
In anderen Bundesländern, die Studiengebühren auch abgeschafft haben, wurde die studentische Beteiligung an der Verwendung der Mittel wie bei den Einnahmen aus den Gebühren beibehalten oder sogar ausgebaut. In Hamburg dagegen gibt es für die Hochschulen zwar weiter Geld (statt aus Studiengebühren eben direkt aus dem Haushalt der Stadt), aber ohne studentische Mitsprache bei der Verwendung. Das ist äußerst bedauerlich, schließlich sollten gerade die Studierenden am besten wissen, wo es in der Lehre hakt und mit welchen Dingen – eben auch Geld – hier Verbesserungen zu erzielen sind.
Letzte Formalia fehlen noch
Wirklich abgeschafft sind die Studiengebühren übrigens erst, wenn auch die Bürgerschaft den Gesetzentwurf verabschiedet hat. Das wird noch ein wenig dauern. Wegen der absoluten Mehrheit der SPD in der Bürgerschaft und des expliziten Versprechens auch des Ersten Bürgermeisters und Hamburger SPD-Vorsitzenden Scholz in Bezug auf die Abschaffung der Studiengebühren kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.
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1. hans21 kommentierte am 14.09.2011 um 00:42:59 Uhr
Die Jahrgänge sind die....
Super! Und die, die in den letzen Jahren studiert haben, sind die Dummen, die die Zeche für den Blödsinn der Politiker zahlen müssen, die selber Jahre lang umsonst studiert haben....
2. Anonym1311 kommentierte am 20.09.2011 um 10:53:53 Uhr
..
Klar, das ist verständlich, allerdings muss man es auch so sehen, dass heutzutage auch die Wohnungspreise steigen, das heißt, man muss zunehmend mehr Miete zahlen, da kommt es schon zuvorkommend, dass die Gebühren abgeschafft werden. Ich bin zufrieden damit. Grüße
3. chrissy_ad kommentierte am 20.09.2011 um 23:14:30 Uhr
Unsinnig.
Also um das mal klarzustellen - Mietpreise sind in HH immer schon unverschämt gewesen. Da machen die 375€ Studiengebühren den Kohl auch nicht mehr fett. Mal abgesehen davon gibt es in HH ja schon seit einigen Semestern die Möglichkeit die Studiengebühren stunden zu lassen.
Ich finde das allerdings ziemlich lächerlich.
Zunächst mal sollten sie die Unirenovierung abschließen. Ich meine mit dem Umbau der WiWi-Bib ist es ja nun nicht getan.
Außerdem erinnere ich mich, dass Herr Lenzen sich im Frühjahr höchstpersönlich an alle Mitglieder der Universität gewandt hat, um gegen die Kürzungen des Senats zu wettern. Ich meine mich zu erinnern, dass in diesem offenen Brief von ca. 20 Mio.€ weniger Geld für die Uni die Rede war. Das würde, so dem Brief, zig Arbeitsstellen in der Uni kosten - natürlich nicht zu Gunsten der Studenten, denn ernsthaft, die Verwaltung kann man sich ja jetzt schon in die Haare schmieren. Alle meckern, aber keiner will für bessere Betreuung zahlen.
In meinen Augen kann es mit der UHH auf einem solchen Wege nur noch weiter bergab gehen. Soviel zum Thema Nachhaltigkeit.
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