Hochschulpolitik
Berlin: Studienkonten als Fortschritt? / Merkel (CDU) für allgemeine Studiengebühren
Der Berliner Wissenschaftssenator stellte am Freitag sein Studienkontenmodell vor, dazu gab es auch eine Anhörung. Man sollte sich allerdings auch von diesem Modell nicht blenden lassen. Währenddessen erklärt die CDU-Vorsitzende Merkel, dass sie allgemeine Studiengebühren ganz toll findet.Da passt es doch ganz gut, dass die geplanten Großdemos am 13.12. mehr und mehr Form annnehmen und Unterstützung durch diverse Organisationen gewinnen.
Studienkonten als intelligente Form, Studiengebühren zu verhindern?
Zu beneiden ist Wissenschaftssenator Flierl sicher nicht. Geld soll es für die Hochschulen nicht geben (jedenfalls sagt das der Sachzwang und der Finanzminister - dass es doch Alternativen geben könnte, wird lieber verschwiegen). Und die potentielle Einnahmequelle Gebühren kann er angesichts der Streiks und der dadurch sicher verstärkten Gebühren-ablehnenden Stimmung in der eigenen Partei auch nicht mehr so richtig nutzen. Dabei war eine Studie zu Studienkonten schon lange in Auftrag gegeben.
Nun wird diese präsentiert und alles soll ganz anders sein: Gebühren würden erst nach 24 Semestern anfallen und überhaupt sei das ein Modell, Studiengebühren zu verhindern. So jedenfalls Flierl. Wenn aber Gebühren sowieso nur bei ganz wenigen anfallen, warum dann überhaupt der Aufwand? Ist die Hoffnung nicht doch, die Grenzen zu senken, damit die Gebühren reichlicher fließen? Und gibt es nicht auch grundsätzliche Kritik an den damit verbundenen Steuerungseffekten (die Hochschulen sollen nämlich ihre Mittelzuweisungen für die Lehre anhand der eingelösten "Credits", die für die Studierenden erstmal gratis sind, bekommen)?
Dass eine Intention der per Studiencredits gesteuerten Mittelzuweisungen auch - drastische - Einsparungen sind, kann man auf Seite 92 des Gutachtens nachlesen: "Fasst man die vorstehenden Ausführungen zusammen, dann resultiert daraus für die Universitäten insgesamt (ohne die Humanmedizin) ein Einnahmevolumen von rund € 360 Mio., was etwa € 80 Mio. unter dem derzeitigen Niveau (jeweils ohne medizinische Fachbereiche) – einschließlich der zentralen Ausgaben – läge. Aufgrund der festgestellten Effizienzunterschiede würden die einzelnen Fachbereiche hieran allerdings unterschiedlich partizipieren. Die größten Einbußen dürften die Sprach- und Kulturwissenschaften und Kunst bzw. Kunstwissenschaft verzeichnen, während etwa RWS vergleichsweise geringe Einnahmeunterschiede verkraften müsste."
- Die Studienkonten-Studie im Wortlaut (PDF-Dokument)
- Stellungnahme des BdWi dazu (PDF-Dokument)
- Weitere Stellungsnahmen, u.a. des Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (auf der Seite des hochschulpolitischen Sprechers der PDS, der da offenbar nicht die Linie "seines" Senators vertritt)
Öl ins Feuer: Merkel (CDU) eindeutig für Studiengebühren und Zugangsprüfungen
CDU-Chefin Angela Merkel hat sich entschieden für Studiengebühren ausgesprochen. Ironischerweise auf einem Symposium, das an der HU Berlin stattfand, die ansonsten ja größtenteils bestreikt wird. Und da das Abitur auch nichts mehr wert sei, soll es allgemeine Zugangsprüfungen geben.
Merkel bedauerte, dass es noch das Verbot allgemeiner Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz gibt. Sie hofft darauf, dass diese Regelung durch das Bundesverfassungsgericht gekippt wird. Die Gebühren sollten, so Merkel, bei den Hochschulen verbleiben - die Finanzminister der Länder werden darüber wohl nur müde lächeln.
Organisation der Großdemos am 13.12. läuft bestens
Immer mehr Hochschulen organisieren Busse, Gruppenfahrten per Bahn oder gar Sonderzüge. Aktuelle Infos findet man auf den Demo-Organisationsseiten beim fzs.
- Hintergrund-Infos zu den bundesweiten Demos am 13.12. in Berlin, Frankfurt/Main und Leipzig
- Presseerklärung von ESIB - The National Unions of Students in Europe zu den Studierenden-Protesten in Europa und zu den Demos am 13.12.
Soll auch Bayern Studiengebühren abschaffen?
Nachdem seit Anfang August die Piratenpartei Bayern Unterschriften für ein Volksbegehren gegen Studiengebühren sammelt, hat nun die SPD Bayern eine eigenen Initiative gegen Studiengebühren gestartet. Es sollen ebenfalls Unterschriften gesammelt werden, allerdings für eine Petition. Studis Online erklärt die Hintergründe.
Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen
Ein Aktionär der Deutschen Bank macht auf der Aktionärshauptversammlung einen "Sponsor- und Kooperationsvertrag" der Bank mit zwei Berliner Unis öffentlich, der beträchtliche Gegenleistungen der Unis vorsieht. Im Zuge dessen kritisiert er mit harschen Worten den Einfluss nicht nur der Deutschen Bank auf weitere Uni-Institute im In- und Ausland und löst deutschlandweit Diskussionen über Kooperationen von Unternehmen und Hochschulen aus.
Menschenrechtslage in Deutschland in der Kritik
Im Mai wurde der Bericht des UN-Ausschusses für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte veröffentlicht. Darin wird Deutschland u.a. für seine Politik im Bereich des Bildungssystems scharf kritisiert. Insbesondere die Erhebung von Studiengebühren und das sozial selektive Schulsystem werden dabei als dringende Probleme benannt.
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