14.02.2010

Hintergrundtexte zum Thema Bildungsstreik und -reform
Was heißt Praxisorientierung des Studiums? (Seite 1)

Eines der viel beschworenen Ziele der aktuellen Reformen im Hochschulbereich ist die Steigerung der "Beschäftigungsfähigkeit" der AbsolventInnen. In diesem Zusammenhang wird ein stärkerer Praxisbezug des Studiums gefordert. Doch was genau das bedeuten soll, ist umkämpft. Ulf Banscherus, Lars Schewe und Sonja Staack diskutieren die aktuellen Entwicklungen und plädieren für eine kritische Praxisorientierung als Grundlage einer progressiven Studienreform.

Über den Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi)

Seit seiner Gründung 1968 engagiert sich der BdWi für eine Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung. Er bezieht auf Kongressen, in wissenschaftlichen Publikationen und politischen Stellungnahmen öffentlich Position zu Fragen von Wissenschaft, Forschung und Hochschulentwicklung. Im BdWi haben sich über tausend Natur-, Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen zusammengeschlossen. Sie alle verbindet ihr gemeinsames Interesse an einer emanzipatorischen Wissenschafts- und Bildungspolitik.

Der BdWi lebt dabei von seinen Mitgliedern: Sie finanzieren die Arbeit und engagieren sich ehrenamtlich. Ob ProfessorIn, WissenschaftlerIn oder Studierende – gemeinsam versuchen die Mitglieder des BdWi, die bildungs- und wissenschaftspolitische Debatte zu beeinflussen.

Weitere Informationen auch zur Mitgliedschaft finden sich unter www.bdwi.de.
Vorbemerkung zum Text

"Mehr Praxisnähe in die Hochschulen!", so oder ähnlich heißt es derzeit fast an jeder Hochschule. "Schlüsselqualifikationen" sollen erworben werden, um das vielgescholtene "Praxisdefizit" auszugleichen. Das mit der aktuellen Hochschulreform verfolgte Ziel der Verbesserung der "Employability" - also der "Beschäftigungsfähigkeit" - der AbsolventInnen hat verschiedene Folgen gehabt. So kommen nun verstärkt UnternehmensvertreterInnen in die Hochschulen und erklären, wie bei ihnen der Hase läuft. In neu gegründeten "Schlüsselkompetenzzentren" sollen - häufig abgekoppelt von sonstigen Studieninhalten - die mutmaßlich aktuell auf dem Arbeitsmarkt gefragten Kompetenzen an Studierende vermittelt werden.

Diesem anpassungsorientierten Verständnis von Praxisorientierung steht häufig die früher mit dem Bild des "Elfenbeinturms" kritisierte Haltung, Studium solle nichts mit dem Arbeitsmarkt zu tun haben, entgegen. Unter dem Label der Freiheit von Wissenschaft und Forschung wird im Extremfall so getan, als hätten die Hochschulen mit dem "praktischen" Leben nichts gemein. Die Auseinandersetzung um einen sinnvollen Begriff der Praxisorientierung von Studium - um einen Begriff der "professionellen Relevanz", wie Ulrich Teichler vorschlägt - ist bisher kaum geführt worden. Was aber kann aus der Perspektive eines emanzipatorischen Bildungsanspruchs der Anspruch an Praxisorientierung im Studium sein?

Ulf Banscherus, Lars Schewe und Sonja Staack diskutieren in ihrem Artikel unterschiedliche Umsetzungsformen dieser Neugewichtung von Studieninhalten. Sie fordern, dass die Fähigkeit die Praxis eines Berufs und seine gesellschaftlichen Rahmenbedingungen kritisch zu reflektieren und zu wissen, wie verändernd eingegriffen werden kann, wesentlicher Teil einer stärkeren Praxisorientierung des Studiums sein müssen.



Der Beitrag ist zuerst erschienen in: BdWi-Studienheft 4 (2007), "Bildung - Beruf - Praxis. Bildungsreform zwischen Elfenbeinturm und Verwertungslogik", Hrsg.: BdWi / fzs / GEW






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Diese Reihe ist eine Kooperation vom Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) und Studis Online aus Anlass des Bildungsstreiks 2009/2010. Sie soll Hintergründe beleuchten und Theorie bereitstellen.

 
 

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