15.11.2009
Hintergrundtexte zum Thema Bildungsstreik und -reform
Von »Leuchttürmen«, »Hochbegabten« – und der »Masse« (Seite 1)
Über den Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi)
Seit seiner Gründung 1968 engagiert sich der BdWi für eine Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung. Er bezieht auf Kongressen, in wissenschaftlichen Publikationen und politischen Stellungnahmen öffentlich Position zu Fragen von Wissenschaft, Forschung und Hochschulentwicklung. Im BdWi haben sich über tausend Natur-, Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen zusammengeschlossen. Sie alle verbindet ihr gemeinsames Interesse an einer emanzipatorischen Wissenschafts- und Bildungspolitik.
Der BdWi lebt dabei von seinen Mitgliedern: Sie finanzieren die Arbeit und engagieren sich ehrenamtlich. Ob ProfessorIn, WissenschaftlerIn oder Studierende – gemeinsam versuchen die Mitglieder des BdWi, die bildungs- und wissenschaftspolitische Debatte zu beeinflussen.
Weitere Informationen auch zur Mitgliedschaft finden sich unter www.bdwi.de.
Blickt man in die Zeitungsberichte und Sonntagsreden der letzten Jahre, dann zeigt sich, dass die Globalisierung auch die Bildung erreicht zu haben scheint. Neben den Schlagworten der Mobilität und Vergleichbarkeit bedeute dies insbesondere, dass die Hochschulen und Nationen sich in einem Wettbewerb um die "besten Köpfe" befänden. Um hier international konkurrenzfähig zu bleiben oder zu werden – so das Argument – müsse differenzierter gefördert werden.Seit seiner Gründung 1968 engagiert sich der BdWi für eine Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung. Er bezieht auf Kongressen, in wissenschaftlichen Publikationen und politischen Stellungnahmen öffentlich Position zu Fragen von Wissenschaft, Forschung und Hochschulentwicklung. Im BdWi haben sich über tausend Natur-, Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen zusammengeschlossen. Sie alle verbindet ihr gemeinsames Interesse an einer emanzipatorischen Wissenschafts- und Bildungspolitik.
Der BdWi lebt dabei von seinen Mitgliedern: Sie finanzieren die Arbeit und engagieren sich ehrenamtlich. Ob ProfessorIn, WissenschaftlerIn oder Studierende – gemeinsam versuchen die Mitglieder des BdWi, die bildungs- und wissenschaftspolitische Debatte zu beeinflussen.
Weitere Informationen auch zur Mitgliedschaft finden sich unter www.bdwi.de.
Morus Markard hat 2004, als die Debatte um »Elitenförderung« gerade in der Bildungspolitik Fahrt aufnahm, davor gewarnt, »Elite« als politisch neutralen Funktionsbegriff zu verstehen. Aus heutiger Perspektive ist diese Mahnung umso relevanter, als »Elite« sich im bildungspolitischen Diskurs etabliert zu haben scheint, auf neue Felder (Stichwort: Exzellenz in der Lehre) ausweitet und durchaus von progressiver Seite unterstützt wird. Markard verweist nun darauf, dass »Elite« historisch und politikwissenschaftlich gesehen untrennbar mit einem hierarchischen Gesellschaftsmodell gedacht werden muss, in welchem einige wenige Ausgewählte über die Mehrheit herrschten. Markard sieht daher in der »Elitedebatte« eine antidemokratische Tendenz, die gesellschaftliche Ungleichheit legitimieren solle und nach »Führung« verlange. Eine »Resozialisierung« des Begriffs lehnt er mit dem Hinweis darauf ab, dass es eine positive, progressive und demokratische Variante des Konzeptes, welche lediglich von Verzerrungen befreit werden müsste, nicht gebe.
In der bildungspolitischen Elite-Förderung werde die antidemokratische Tendenz noch klarer sichtbar: Während in der damaligen PISA-Debatte die unterschiedlichen Leistungsniveaus von Finnland und Deutschland noch im Schulsystem und damit in der Förderung gesehen wurden, gehe man in der Elitedebatte erstens von angeborenen Fähigkeiten – Begabung – aus, welche zu finden und zu fördern seien. Auch wenn Leistungsunterschiede eindeutig zu beobachten seien, so sei doch »Begabung« aus epistemologischen Gründen eine problematische, ja anzuzweifelnde Kategorie. Zweitens liege der Fokus der »Elite-Hochschul-Wettbewerbe« nicht darauf, "inhaltliche Kriterien zu diskutieren und zu erfüllen, sondern [es gehe] ausschließlich darum, dass die eine Hochschule besser sein soll als die andere – anders formuliert, dass viele – sozusagen die Masse der – Hochschulen schlechter sein sollen als einige wenige".
Der Verweis auf den unauflösbaren Widerspruch zwischen Elitekonzept und demokratischen Gleichheitsansprüchen macht diesen Text auch heute noch zu einem der Grundlagentexte der Bildungspolitik. Er ist zuerst erschienen in:
Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) / freier zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs): Studiengebühren, Elitekonzeptionen & Agenda 2010, Marburg 2004.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten unter http://www.bdwi.de/verlag/gesamtkatalog/98695.html
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